Prophylaxe

Persönliche Verantwortung und Umgang mit Medizintechnik

Wie modern darf Prophylaxe sein?

25.10.2012

Es kommt vor, dass ein neuer Patient mich gleich zu Beginn der Prophylaxesitzung bittet, keinen Ultraschall zu benutzen. „Das ist immer so kalt an den Zahnhälsen und überhaupt habe ich es früher mit dem Handinstrument sehr viel angenehmer empfunden.“ Oder auch anders herum: „Sie machen das sicherlich alles mit Maschinen?“ Ein verständnisvolles Lächeln ist angebracht. Und etwas Zeit für eine technische Aufklärung, ohne dabei allzu sehr in die Tiefen der Medizintechnik einzudringen.

Mein Patient soll dabei erfahren, dass mir alle technischen Hilfsmittel, sowohl zur manuellen als auch zur maschinellen Bearbeitung, zur Verfügung stehen, die ich für seine Behandlung benötige. Wörter wie „abkratzen“, „schleifen“ oder „pieken“ verwenden die Patienten gerne selbst, in meinem Wortschatz kommen sie allerdings nicht vor. Sie wären negative Signale in den Patientenohren und wirken aus meiner Sicht unprofessionell. Ich erläutere dem Patienten, dass die heutige Technik und wissenschaftliche Erkenntnisse uns in die Lage versetzen, sehr viel schonender zu arbeiten als „früher“. Bei massivem Zahnstein, der bis zur Schneidekante reicht, kommt natürlich nur eine erste maschinelle Grobdepuration infrage. Jedes Handinstrument würde uns im schlimmsten Falle frakturieren und unsere kostbare Zeit liefe uns davon. Für die maschinelle Behandlung stehen Ultraschallscaler, Airscaler oder – noch viel besser – ein modernes Piezo-Gerät zur Verfügung. Am Ende dieser Behandlungsetappe nehmen wir einen superscharfen und grazilen Scaler zur Hand, um die hauchdünnen Zahnsteinreste interdental zu entfernen. Dabei haben wir von grob nach fein, von maschinell nach manuell gearbeitet.

Auch die Pulver-Wasserstrahl-Geräte und deren Pulver haben sich in den letzten Jahren sehr zum Vorteil für den schonenden Umgang mit der Zahnhartsubstanz verändert. „Gering abrasiv“ steht im Mittelpunkt von Polierpasten und Air-Flow-Pulvern. Es stehen uns glycinbasierte Air-Polishing-Pulver zur Verfügung, deren Korngrößen weniger abrasiv sind und eine geringere Erosion der Gingiva verursachen. Beeindruckend ist der Einsatz des Pulver-Wasserstrahl-Geräts für die subgingivale Reinigung bzw. die Reduzierung des Biofilmes in den Zahnfleischtaschen. Das entsprechende Pulver Air-Flow PERIO der Firma EMS löst sich wie Traubenzucker auf und kann durch die Korngröße von 25 ?m auch für Implantate genutzt werden. Aber Achtung! Sorgloses Arbeiten ohne instrumentell-manuelles Abtasten der subgingivalen Taschen kann verheerende Folgen haben. Was ist, wenn sich bei unserem Parodontitispatienten wider Erwarten in den letzten drei Monaten ein Konkrement-„Pixel“ entwickelt hat? Dieser Pixel lacht sich ins Fäustchen, wenn der Pulverstrahl vorübersprüht. Nur eine Kürette oder geeignetes Ultraschallgerät kann ihn entfernen. Jede Prophylaxeassistentin und Dentalhygienikerin verfügt über professionelle Fertigkeiten im Umgang mit Küretten und Scalern. Diese sollten stets „haarscharf“ geschliffen sein. Wer sich hierbei einzig und allein auf die moderne Technik verlässt, wird seine Patienten nicht dauerhaft zufriedenstellen können.

Entscheidungen treffen

Nach Anwendung welches Air-Flow?Pulvers müssen wir was wie tun? Folgt zwangsläufig noch eine Politur oder nicht? Die Werte RDA für unsere Polierpasten und ?m für die entsprechenden Pulver der Air-Flow-Geräte lassen sich nicht miteinander in Beziehung setzen. Leider sind die Angaben der Hersteller nicht immer hilfreich. Wir müssen uns schon genauer informieren und mit dem Produkt auseinandersetzen. Die Industrie lässt an dieser Stelle Lücken, formuliert oft zu schwammig und wir müssen dennoch für unsere Behandlung Entscheidungen treffen.

Die Firma EMS empfiehlt für den Gebrauch ihrer Pulver:
Air-Flow CLASSIC (Natriumbikarbonat): im Anschluss Air-Flow SOFT = keine Politur
Air?Flow SOFT (glycinbasierend) = keine Politur
Air?Flow PERIO (glycinbasierend) = keine Politur

Sollten wir nur ein EMS?Handstück für die Air-Flow?Behandlung haben und in der Pulverkammer befindet sich ein Natriumbikarbonat (Air?Flow CLASSIC), dann folgt wie gehabt eine Politur. Bei einem modernen Gerät, wie dem Air-Flow?Master von EMS, können die einzelnen Pulverkammern je nach Bedarf ausgewechselt werden und ermöglichen uns eine sehr komfortable Behandlung.

Fazit

Die kleinste Korngröße eines Air?Flow-Pulvers beträgt 25 ?m und die feinste Polierpaste hat einen RDA-Wert von 7. Welche von beiden Varianten hinterlässt eine glattere Oberfläche auf dem Zahn? Oder was passiert mit der Oberfläche, wenn ich nach dem Einsatz des PERIO-Pulvers noch mit der RDA-7-Paste poliere? Ist sie im Anschluss rauer oder glatter als glatt? Wir wissen es nicht. Es gibt keine Studie dazu.

Jeder Autobesitzer überlegt sich sehr wohl, ob er sein teures Gefährt einer Lackversieglung unterzieht oder nicht. Nur wenn der Autolack gründlich gereinigt wurde und sich in einem makellosen Zustand mit glatter Oberflache präsentiert, wird die Lackversiegelung aufgetragen. Erspürt er hierbei noch Unebenheiten, wird nachgereinigt bzw. nachpoliert.

Jeder Praxisinhaber sollte seinem Personal fachgerechtes Instrumentarium zur Verfügung stellen und auch Kenntnisse über die aktuellen technischen Möglichkeiten haben sowie deren Einsatz zugunsten seiner Patienten bedenken. Es gilt die alte Regel „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Preuße

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Preuße


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