Prophylaxe


Professionelle Mundpflege bei älteren Menschen mit Beeinträchtigungen

Abb. 1: Prothesenbürste und chlorhexidinhaltiges Mundpflege-Gel zum Reinigen von Zahnersatz.
Abb. 1: Prothesenbürste und chlorhexidinhaltiges Mundpflege-Gel zum Reinigen von Zahnersatz.

Die professionelle Mundpflege ist bei älteren Patienten mit Beeinträchtigungen von großer Bedeutung. Gesunde Verhältnisse im Mund erleichtern das Essen und Trinken. Das kommt der allgemeinen Gesundheit zugute. Konzepte zur professionellen Mund- und Zahnersatzpflege berücksichtigen die Lebensumstände der Betroffenen und beziehen Pflegende aktiv mit ein.

7,8 Millionen Menschen mit amtlich anerkannter Schwerbehinderung lebten im Jahr 2017 in Deutschland [1]. Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer schweren Beeinträchtigung. Circa ein Drittel der Betroffenen ist 75 Jahre oder älter [2].

Unterschiedliche Beeinträchtigungen

Unter körperlichen Behinderungen leiden 59% der betroffenen Senioren [1]. Bei 25% sind innere Organe bzw. Organsysteme erkrankt. Einschränkungen der Funktion der Gliedmaßen treten bei 12% auf. Probleme mit Wirbelsäule und Rumpf finden sich bei 11%. Reduziertes Sehvermögen bis zur Blindheit, Schwerhörigkeit oder Sprachstörungen zählen zu den weiteren Befunden. Geistige oder seelische Beeinträchtigungen werden bei 13% diagnostiziert, während sich zerebrale Störungen bei 9% finden.

Risiken einer unzureichenden Mundhygiene

Motorische und/oder kognitive Einschränkungen ziehen eine unzureichende Mundpflege nach sich und stellen die zahnärztliche Behandlung vor besondere Herausforderungen. Das Kariesrisiko, die Gefahr parodontaler Erkrankungen und die Häufigkeit von Entzündungen der Mundschleimhaut nehmen deutlich zu. Verschlechtert sich die Mundhygiene, kommt es sehr oft zu Schmerzen. Zähne müssen extrahiert werden. Das Kauvermögen lässt nach, und das Sprechen fällt schwerer. Probleme beim Kauen oder Schmerzen im Mund reduzieren die Nahrungsaufnahme mit negativen Folgen für die allgemeine Gesundheit. Bereitet das Sprechen große Mühe, leidet die zwischenmenschliche Kommunikation und Kontakte schlafen ein. Auch ein ungepflegtes Aussehen und Mundgeruch können eine Isolation fördern.

Von zentraler Bedeutung ist daher die konsequente Pflege von Zähnen, Gingiva, Mukosa und von vorhandenem Zahnersatz. Dabei ist es wichtig, Pflegende in die zahnärztliche Betreuung einzubeziehen.

Die Einsicht der Patienten und ihrer Angehörigen in die Notwendigkeit und den Nutzen der Mundpflege bzw. die regelmäßige zahnärztliche Betreuung kann nicht als grundsätzlich gegeben vorausgesetzt werden. Sehr häufig ist es erforderlich, zuerst aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren [3].

Empfehlungen für die Mund- und Zahnpflege

Eine konsequente Mundhygiene kann den genannten Risiken vorbeugen, wobei Pflegende bei der Mund- und Zahnersatzpflege helfen oder diese vollständig übernehmen. Sie sollten geschult sein, auf Veränderungen im Mund zu achten und gegebenenfalls den Zahnarzt einzubeziehen [4].

Spezielle Hilfsmittel und Produkte können den Erfolg der Maßnahmen fördern. Das Putzen erleichtert eine gut in der Hand liegende Zahnbürste mit kleinem, abgerundetem Bürstenkopf und weichen oder mittelharten synthetischen Borsten. Nach dem Verwenden ist die Zahnbürste immer gründlich mit Wasser zu spülen und danach an der Luft trocknen zu lassen. Mindestens einmal im Monat ist sie durch eine neue zu ersetzen. Für Pflegende oder manuell eingeschränkte Patienten empfehlen sich elektrische Zahnbürsten, da die mit der Handzahnbürste erforderlichen Bewegungen entfallen.

Aufgrund der Einnahme von Medikamenten leiden viele Patienten unter Mundtrockenheit und empfindlicher Schleimhaut. In diesen Fällen kann zum Beispiel Fluor Protector Gel von Ivoclar Vivadent die Zahnpflege ergänzen oder die Zahnpasta ersetzen [5]. Neben 1.450 ppm Fluorid enthält das Gel zusätzlich Calcium, Phosphat und Xylit. Der weitere Inhaltsstoff Provitamin D-Panthenol pflegt Zahnfleisch und Schleimhaut. Falls Zähneputzen nicht möglich ist, empfiehlt es sich, Fluor Protector Gel einmal am Tag mit dem Finger oder einem Wattestäbchen auf den Zähnen zu verteilen.

Die Mundpflege umfasst auch die Lippen. Vaseline oder ein milder Lippenbalsam sorgen für ein Wohlgefühl und erleichtern die weitere Behandlung. Zur Gesunderhaltung der Gingiva und Mukosa oder bei hohem Kariesrisiko kommen Pflegeprodukte mit Chlorhexidin infrage [6]. Ein milder Geschmack erhöht die aktive oder passive Anwendungsbereitschaft. Diese Anforderung können zum Beispiel das Mundpflege-Gel Cervitec Gel und die Mundspüllösung Cervitec Liquid von Ivoclar Vivadent erfüllen [7,8].

Gepflegter Zahnersatz

Die Funktion von herausnehmbarem Zahnersatz ist unbedingt zu erhalten. Auf keinen Fall sollte es dazu kommen, dass er nicht mehr eingesetzt wird. Die Folgen für die Ernährung und den allgemeinen Gesundheitszustand wären fatal. Schmerzende Druckstellen darf es nicht geben. Eine Korrektur der auslösenden Prothesenbereiche erfolgt möglichst zeitnah. Das Abklingen einer Schleimhautirritation unterstützt die Verwendung eines Mundpflege- Gels (Abb. 1 u. 2) [9].

Nach jeder Mahlzeit werden mit einer Prothesenbürste unter fließendem Wasser Speisereste entfernt. Zusätzlich erfolgt einmal am Tag eine gründliche Komplettreinigung des Zahnersatzes. Auch hier erweist sich das chlorhexidinhaltige Mundpflege-Gel als nützlich. Es lässt sich zügig auf der Prothesenbasis verteilen und schäumt kaum, was das Reinigen vereinfacht (Abb. 3).

Schutz von Risikostellen

Zum Schutz von festsitzendem Zahnersatz und der Restzähne empfiehlt sich die risikoorientierte Anwendung eines Schutzlackes wie Cervitec F von Ivoclar Vivadent (Abb. 4) [10]. Dank seiner Inhaltsstoffe Fluorid, Chlorhexidin und CPC ermöglicht dieses Lacksystem Desensibilisierung, Fluoridierung und Keimkontrolle in einem Arbeitsschritt. Aufgrund der schnellen, einfachen Applikation eignet sich das Schutzlacksystem auch für den professionellen Einsatz außerhalb der Zahnarztpraxis.

Aktives Einbeziehen

Senioren mit Beeinträchtigungen benötigen Zeit und Zuwendung. Sehr oft erfolgt die Kommunikation nonverbal. Das Aufbauen einer Beziehung und das Einholen von Informationen über die Lebensgeschichte und das bisher Vertraute können dazu beitragen, passende Mundpflegemaßnahmen zu finden und umzusetzen. Die Betroffenen können sich eher aktiv beteiligen und ihre Mundgesundheit selber verbessern.


Literatur

[1] Statistisches Bundesamt: Statistik der schwerbehinderten Menschen. Wiesbaden 2018.

[2] Statistisches Bundesamt: Ältere Menschen in Deutschland und der EU. Wiesbaden 2016.

[3] Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter. Berlin 2010.

[4] Bayerische LandesZahnärzte Kammer: Zähne im Alter. München 2005.

[5] Todd J-C, Fischer K: Wissenschaftliche Dokumentation Fluor Protector Gel. Ivoclar Vivadent 2010.

[6] Kneist S: Plaquekontrolle mit Chlorhexidin. ZWR 2011;120:156–167.

[7] Fischer K, Sbicego S: Wissenschaftliche Dokumentation Cervitec Gel Ivoclar Vivadent AG 2010.

[8] Fischer K: Wissenschaftliche Dokumentation Cervitec Liquid. Ivoclar Vivadent AG 2010.

[9] Watzke R, Blankenstein F, Huwig A: Durch Anwendung eines Chlorhexidinpräparats unterstützte konventionelle Therapie einer Prothesenstomatitis. Quintessenz 2009; 60:425–434.

[10] Fischer K: Wissenschaftliche Dokumentation Cervitec F. Ivoclar Vivadent AG 2016.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gabriele David - Dr. Frank Zimmerling


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