Prophylaxe

Rechtzeitig handeln, um Implantatverlust zu vermeiden

Periimplantitis-Prophylaxe: Geschwindigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Abb. 1: Damit die Periimplantitis nicht wie im vorliegenden Fall zu einem deutlichen Knochenabbau führt, gilt es, schnell zu handeln./(c) Wiedenmann
Abb. 1: Damit die Periimplantitis nicht wie im vorliegenden Fall zu einem deutlichen Knochenabbau führt, gilt es, schnell zu handeln./(c) Wiedenmann

Als Ersatz für verlorengegangene Zähne sind Implantate heute kaum noch aus dem zahnheilkundlichen Alltag wegzudenken. Die zunehmende Zahl der Implantatpatienten geht allerdings mit neuen Herausforderungen einher. Immer häufiger sieht das Praxisteam periimplantäre Erkrankungen – denn Untersuchungen zufolge ist je nach Definition jeder vierte oder sogar jeder zweite Implantatpatient von einer Periimplantitis betroffen. Da es bislang jedoch keine verlässliche Möglichkeit gibt, dieser Erkrankung entgegenzuwirken, gilt es, einen Schritt früher anzusetzen und es erst gar nicht zur Entstehung einer Periimplantitis kommen zu lassen.

Die Behandlung von Implantatpatienten gehört heute für die meisten Teams zum Alltag. Selbst wenn in der eigenen Praxis nicht implantiert wird, ergeben sich beispielsweise durch Überweisungen oder etwa einen Zahnarztwechsel Berührungspunkte mit Implantatpatienten, die eine Auseinandersetzung mit dem Thema Periimplantitis erforderlich machen. Da es sich hierbei gewissermaßen um das periimplantäre Pendant zur Parodontitis handelt, ist es sinnvoll, sich zunächst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Erkrankungen vor Augen zu führen. Eine grundlegende und zugleich alarmierende Parallele lautet dabei: Beide Krankheiten enden im schlimmsten Fall mit einem Verlust – in einem Szenario verliert der Patient den natürlichen Zahn, im anderen das Implantat (Abb. 1). Zudem werden sowohl die Parodontitis als auch die Periimplantitis – zumindest anteilig – durch Bakterien im oralen Biofilm ausgelöst. Dementsprechend lautet in beiden Fällen die Devise: Weg mit dem Biofilm! 

Schwächen in der Abwehr

Wer diese Aufgabe mit Aussicht auf Erfolg angehen möchte, sollte die für die Prophylaxe entscheidenden Unterschiede zwischen einem natürlichen Zahn und einem Implantat im Blick haben: Im Gegensatz zum natürlichen Zahn hat man es beim periimplantären Gewebe gewissermaßen mit dem Narbengewebe zu tun, das als Bindegewebsmanschette mit dem Implantat sozusagen einen Fremdkörper umschließt. Wenngleich die Oberflächen moderner Implantate mitunter zu einer sehr guten Osseointegration beitragen, so ist doch der Übergang zwischen Mundhöhle und Knochen anders aufgebaut als beim natürlichen Zahn. Vereinfacht könnte man hier von Schwächen in der Abwehr sprechen, die einer Entzündung ein schnelleres Vordringen in apikaler Richtung ermöglichen. Solange sie noch in Form einer periimplantären Mukositis, der Vorstufe zur Periimplantitis, vorliegt, ist sie noch reversibel. Hat man es jedoch bereits mit einer Periimplantitis zu tun, sind die Behandlungschancen erfahrungsgemäß eher schlecht. Aus diesem Grund müssen Praxisteam und Patient in puncto Biofilm-Management rechtzeitig und konsequent handeln. Rechtzeitig heißt in diesem Kontext, dass bereits vor der Implantation für gute orale Voraussetzungen zu sorgen ist. Sowohl die professionelle als auch die häusliche Prophylaxe sind dabei mit einzubeziehen. Je nach Einzelfall sind auch bestimmte Verhaltensänderungen, wie beispielsweise eine Raucherentwöhnung, in Betracht zu ziehen. Dazu ist es von Vorteil, wenn man den Patienten bereits vor der Implantatinsertion, etwa im Rahmen einer Parodontitistherapie, betreut. Denn auf diese Weise kann man ihm schon im Vorfeld der Implantation die große Bedeutung der professionellen und häuslichen Prophylaxe für den Behandlungserfolg vermitteln und ihn auf eine enge Zusammenarbeit bei der Nachsorge vorbereiten.

Das Team als Schaltstelle zwischen Behandler und Patient

In diesem Kontext kann es durchaus auch die Aufgabe des Teams sein, den behandelnden Zahnarzt auf bestimmte Risikofaktoren aufmerksam zu machen. Da die Assistenz in vielen Fällen als erstes die Anamnese liest, können hier bereits die Weichen gestellt werden. Ist der Patient Raucher? Ist er womöglich ein schlecht eingestellter Diabetiker? Ist der Patient unter Umständen hohem beruflichen oder privaten Stress ausgesetzt? Da die Antworten auf diese Fragen nicht immer von vornherein vorliegen, kann hier mitunter das kommunikative Geschick des Praxisteams entscheidend sein. Wenn es gelingt, mithilfe der richtigen Gesprächstechnik, mit ehrlichem Interesse und offenen Fragen eine von Vertrauen geprägte Atmosphäre zu schaffen, gelangt man unter Umständen an Informationen, die für eine erfolgreiche Behandlung von großer Wichtigkeit sind. Sind die nötigen Vorbereitungen in dieser Form getroffen worden und ist die Implantation erfolgt, muss es das Ziel sein, die konsequente Vorgehensweise auf die nun folgende Nachsorge zu übertragen. Zu diesem Zweck muss der Patient in einen engmaschigen Recall eingebunden werden, um etwaige Entzündungsanzeichen möglichst früh erkennen zu können (Abb. 2). Regelmäßige Röntgen- und Verlaufskontrollen geben dem Team die Chance, bei entzündlichen Veränderungen schnell aktiv zu werden. Dazu stehen mit verschiedenen maschinellen und manuellen Instrumenten, Geräten für das Airpolishing oder mit Laseranwendungen diverse Optionen zur Verfügung. Welche davon am besten geeignet ist, gilt es mit Blick auf den jeweiligen Einzelfall zu entscheiden.

  • Abb. 2: Um der Entwicklung einer periimplantären Erkrankung frühzeitig entgegenzuwirken, ist die professionelle Prophylaxe im Rahmen eines engmaschigen Recalls von großer Bedeutung./(c) Wiedenmann

  • Abb. 2: Um der Entwicklung einer periimplantären Erkrankung frühzeitig entgegenzuwirken, ist die professionelle Prophylaxe im Rahmen eines engmaschigen Recalls von großer Bedeutung./(c) Wiedenmann

Häusliche Prophylaxe nicht vergessen

So hoch der Einsatz seitens des Praxisteams auch sein mag, ohne die Mithilfe des Patienten geht es nicht. Das sieht man schon beim Stichwort „engmaschige Recalls“ – schließlich lassen sich diese nur dann realisieren, wenn der Patient motiviert ist. Beim häuslichen Biofilm-Management wird diese Compliance jeden Tag auf die Probe gestellt. Hier zahlen sich gute Motivations- und Instruktionsarbeit aus. Denn um den Behandlungserfolg zu sichern, sollte der Patient einerseits motiviert sein und andererseits wissen, welche Hilfsmittel zur täglichen Mundpflege er in welcher Weise anwenden sollte (Abb. 3). Im Prinzip gibt es dabei keinen wesentlichen Unterschied zur Mundpflege am natürlichen Zahn, allerdings sollte ein Implantat tendenziell noch intensiver gepflegt werden. In diesem Zusammenhang haben sich elektrische Zahnbürsten bewährt. Grundsätzlich sollte immer das Hilfsmittel empfohlen werden, mit dem der Patient auf Dauer die besten Ergebnisse erzielt.

  • Abb. 3: Im Idealfall sollte ein Implantat noch intensiver gepflegt werden als ein natürlicher Zahn – in diesem Zusammenhang sind Motivation und Instruktion des Patienten sowie die Wahl der richtigen Hilfsmittel entscheidend./(c) Wiedenmann

  • Abb. 3: Im Idealfall sollte ein Implantat noch intensiver gepflegt werden als ein natürlicher Zahn – in diesem Zusammenhang sind Motivation und Instruktion des Patienten sowie die Wahl der richtigen Hilfsmittel entscheidend./(c) Wiedenmann

Fazit

Eine Periimplantitis lässt sich nur dann effektiv bekämpfen, wenn man ihre Entstehung verhindert. Um dieses Ziel zu erreichen, ist sowohl im Vorfeld der Implantation als auch im Nachgang ein schnelles und konsequentes Vorgehen gefragt. Das Praxisteam kann dabei nicht nur bei der professionellen Prophylaxe, sondern auch auf kommunikativer Ebene – insbesondere mit Blick auf die Informationsgewinnung, die Vertrauensbildung und die Empfehlung zur häuslichen Mundpflege – eine Schlüsselrolle einnehmen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Ulrike Wiedenmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: Ulrike Wiedenmann