Prophylaxe


Kariesprophylaxe: Einheitliche Fluoridempfehlungen bei Kleinkindern

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Fluorid in Tablette oder Zahnpasta? Beides zu seiner Zeit! Darauf konnten sich Pädiater und Zahnärzte nun einigen. Für die Jüngsten gibt es Fluoridtabletten zur Kariesprophylaxe. Nach dem Durchbruch des ersten Zahnes erfolgt nach und nach die Umstellung auf das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta.

25 Jahre lang herrschte zwischen Zahnärzten und Pädiatern Uneinigkeit darüber, ob Fluorid in die Zahnpasta gehört oder in die Tablette. In der Vergangenheit wurden in Deutschland unterschiedliche Fluoridanwendungen im Säuglings- und frühen Kindesalter empfohlen, was eine effektive Beratung erschwerte und Eltern verunsicherte: Kinderärzte lehnten die Anwendung fluoridierter Zahncreme im Vorschulalter ab und sahen stattdessen die Gabe von Tabletten mit altersangepasstem Fluoridgehalt vor, während Zahnärzte auf fluoridierte Zahnpaste setzten [1].

Alle für die Vermittlung der Kariesprävention relevanten Fachgesellschaften und -organisationen haben sich nun auf gemeinsame Handlungsempfehlungen geeinigt und erhoffen sich davon einen Rückgang der Karieserfahrung bei Kleinkindern. Neben der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ), der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) sowie wissenschaftlichen und berufsständischen Verbänden der Pädiater waren auch die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) sowie Hebammenverbände beteiligt. Unter Koordinierung des Netzwerks „Gesund ins Leben“, das an der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angesiedelt ist, gelang nun eine Einigung auf gemeinsame Empfehlungen.

Ab dem ersten Geburtstag sollen alle mit Fluorid-Zahncreme putzen

Die neuen, gemeinsamen Empfehlungen beinhalten altersabhängige Vorgehensweisen, die aus Abbildung 1 ersichtlich sind. Fluorid wird ab Geburt zunächst als tägliche Tablette mit 0,25 mg Fluorid in Kombination mit Vitamin D empfohlen. Bei Bedarf darf die Tablette in ein paar Tröpfchen Wasser aufgelöst werden.

  • Abb. 1: Die einheitlichen Empfehlungen zur Fluoridzufuhr bei Säuglingen und Kleinkindern.
  • Abb. 1: Die einheitlichen Empfehlungen zur Fluoridzufuhr bei Säuglingen und Kleinkindern.
    © BLE 2021/www.gesund-ins-leben.de

Ab Durchbruch des ersten Zahnes bis zum Ende des ersten Lebensjahres soll das Kind behutsam an das Zähneputzen herangeführt werden. Für die Fluoridgabe werden in diesem Zeitraum zwei Möglichkeiten zur Wahl gestellt: Tabletten mit Fluorid und Vitamin D können mit erstem Zähneputzen ohne Zahnpasta bzw. mit einer geringen Menge Zahnpasta ohne Fluorid kombiniert werden. Alternativ ist die Fluoridzufuhr über das Zähneputzen mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid bis zu zweimal täglich sicherzustellen; Vitamin D wird in dieser Variante als Tablette ohne Fluorid gegeben.

Ab dem ersten Geburtstag wird das 2-mal tägliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (1.000 ppm Fluorid) für alle Kinder empfohlen. Zunächst soll nur eine geringe Zahnpastamenge (in Reiskorngröße) auf die Bürste; ab 24 Monaten eine erbsengroße Menge (Abb. 2 und 3).

  • Abb. 2: Eine reiskorngroße Portion fluoridhaltige Zahnpasta reicht bis zum 2. Lebensjahr aus.
  • Abb. 3: Erbsengroße Zahnpastamenge ab dem 2. Lebensjahr.
  • Abb. 2: Eine reiskorngroße Portion fluoridhaltige Zahnpasta reicht bis zum 2. Lebensjahr aus.
  • Abb. 3: Erbsengroße Zahnpastamenge ab dem 2. Lebensjahr.

Ab dem Kitabesuch kann ergänzend ein drittes Zähneputzen mittags in der Einrichtung erfolgen. Die Eltern putzen die Kinderzähne solange nach, bis das Kind ungefähr im Alter von 8 Jahren selbstständig in der Lage ist, seine Zähne gründlich zu säubern [2].

Im Gegensatz zu den bisherigen Empfehlungen der DGKiZ von 2018 [3], ist nun keine Zahnpasta mit nur 500 ppm Fluoridgehalt mehr vorgesehen. Erhalten bleiben die Empfehlungen, eine 1.000 ppm fluoridhaltige Paste bis zum 2. Geburtstag in reiskorngroßer, danach bis zum 6. Geburtstag in erbsengroßer Menge anzuwenden. Fluoridtabletten spielten in den Empfehlungen von 2018 noch keine Rolle.

Reiskorn oder Erbse – genau dosieren

Für die gemeinsamen Empfehlungen wurde der kariespräventive Nutzen von Fluoriden gegenüber dem bei systemischer Aufnahme bestehenden Fluorose-Risiko abgewogen. Um eine Fluorose auszuschließen, gilt für Kinder bis 8 Jahre eine Tageshöchstmenge von 0,1mg Fluorid/kg Körpergewicht; um das Kariesrisiko wirksam zu vermindern, sollte der Wert ungefähr 0,05mg/kg KW/Tag erreichen [2].

Damit der Höchstwert nicht überschritten wird, sollten Eltern die Zahnpasta genau dosieren, was in den zahnärztlichen Frühuntersuchungen mit den Eltern eingeübt werden kann. Themen dieser frühen Prophylaxe ab dem ersten Zahn sollten zudem die zahngesunde Ernährung und eine praktische Anleitung zur Mundhygiene sein.

Rückgang der Milchzahnkaries erhofft

Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ startete den Konsensus-Prozess bereits im Jahr 2017. Zunächst wurde die vorliegende Evidenz evaluiert und eine Bewertung von Nutzen und Risiken systemischer und lokaler Kariesprophylaxe bei Säuglingen und Kindern durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Auftrag gegebenen [4]. Der nunmehr vorliegende Kompromiss konnte schließlich unter Berücksichtigung von Umsetzbarkeit und Erreichbarkeit von Familien mit erhöhtem Kariesrisiko erzielt werden.

Alle Beteiligten erhoffen sich davon einen Rückgang der Karieserfahrung im Milchzahngebiss. Denn: Fast die Hälfte der Sechs- bis Siebenjährigen ist heute noch von Karies betroffen – besonders häufig Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien [5]. Rund 14% der Dreijährigen hat bereits Karieserfahrung; im Durchschnitt sind bei betroffenen Kindern 3,5 Zähne kariös [6].

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Ulrich Schiffner


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