Prophylaxe


Allergien und ihre Auswirkungen auf die dentale Prophylaxesitzung

23.05.2016

In unserem Praxisalltag werden wir fast täglich mit Patienten konfrontiert, die uns im Beratungsgespräch eine bestehende Überempfindlichkeit oder eine Allergie bestätigen. Beim regelmäßigen Besprechen der allgemeinen Anamnese ist es gerade in Bezug auf die Prophylaxebehandlung und die zum Einsatz kommenden Materialien zunehmend wichtig, Rückfragen zu allergischen Reaktionen in der Vergangenheit oder zum Vorhandensein von mitgeführten Notfallmedikamenten (Antiallergika) zu stellen. Der folgende Beitrag soll Hilfestellung geben und Alternativen aufzeigen, um künftig der Patientengruppe der Allergiker professionell und mit einem breiteren Basiswissen begegnen zu können.

Eine Allergie ist eine Immunreaktion des Körpers auf nicht infektiöse Fremdstoffe (Antigene/Allergene). Der Köper reagiert mit einer überschießenden Abwehr oder mit bestimmten Entzündungszeichen und der Bildung von Antikörpern; dies bezeichnet man als Antigen-Antikörper- Reaktion. Grundsätzlich kann jeder Stoff aus der Umwelt zum Allergieauslöser (Allergen) werden. Dabei kann es sich um Pflanzen, z. B. Gräser/Pollen, Tierprodukte, z. B. Tierhaare/Bienengift, aber auch um Metalle, Chemikalien oder bestimmte Zusatzstoffe handeln. Unsere Patienten können sich häufig erst nach gezielten Rückfragen an die „Reaktion“ in der Vergangenheit erinnern. Angaben zu Hautirritationen im Bereich der Mundschleimhaut und extraoral, beispielsweise im Bereich der Lippen (Abb. 1-3), sind hierbei ebenso wichtig für unseren Arbeitsbereich wie Asthma oder eine auftretende Atemnot. Die allgemeine Anamnese sollte vor jeder Prophylaxesitzung aktualisiert werden, um auf mögliche Veränderungen gezielt reagieren zu können. Ist ein Allergiepass vorhanden, sollte eine Kopie oder das eingescannte Duplikat in den Patientenunterlagen abgelegt werden.

Basis-Rückfragen:

Hatten Sie bereits eine allergische Reaktion in der Vergangenheit?
Wann und wodurch wurde diese ausgelöst?
Besitzen Sie einen Allergiepass?
Haben Sie Notfallmedikamente dabei? (Ist der Notfallkoffer in der Praxis ausreichend bestückt?)

Welche Allergien und Unverträglichkeiten haben Auswirkungen auf die dentale Prophylaxesitzung?

Kontaktallergien in der dentalen Prophylaxebehandlung können ausgelöst werden durch (Abb. 4):

  • Abb. 1: Beispiele für Hautirritationen im Bereich der Lippen ...
  • Abb. 2: ... möglicherweise ausgelöst durch eine allergische Reaktion bzw. bestehende Überempfindlichkeit auf dentale Materialien.
  • Abb. 1: Beispiele für Hautirritationen im Bereich der Lippen ...
  • Abb. 2: ... möglicherweise ausgelöst durch eine allergische Reaktion bzw. bestehende Überempfindlichkeit auf dentale Materialien.

 

Mögliche Allergene

Alternativen

Verschiedene Metalle:

 

z. B. Nickel in dentalen Instrumenten

• hochwertige Instrumente ohne Nickel

• Mundspiegel/Messsonde aus Kunststoffmaterial

• Küretten/Scaler, z. B. farb-/goldbeschichtet

Patientenumhang mit Metallkettchen

• Patientenumhang mit Band aus Kunststoff (Abb. 5)

• Einmalprodukt aus Papier

Metallkern der Interdentalraumbürste

• kunststoffummantelte Interdentalbürsten

• nickelfreier Metallkern

Metallschaft der Prophylaxebürste/ des Prophylaxekelches

• metallfreie Alternativen mit Kunststoff

NEM (Nichtedelmetall)-Zahnersatz

• Rücksprache bezüglich der Materialeigenschaften mit dem Dentallabor

Latex:

 

Medizinische Einmalhandschuhe

• latexfreie alternative Materialien wie Nitril

Prophylaxekelch

• Prophylaxebürste/Soft

Kofferdam

• latexfrei, z. B. beim Versiegeln von Zahnfissuren

Zusatzstoffe wie Duft-, Geschmacks-, Konservierungs- und Farbstoffe/Lebensmittelfarbstoffe: Zusatzstoffe sind z. B. Gluten, Laktose, Schaumstoffe der Zahnpasta, Harze; Geschmacksstoffe wie z. B. Aromen, Menthol oder Minzöl, Fruchtaroma; Duftstoffe wie z. B. Perubalsam-Duftstoffmix

 

Fruchtaromen, z. B. Apfel

• auf Prophylaxepasten mit natürlichem Apfelaroma verzichten

Plaquefärbelösung

• auf Lebensmittelfarbstoffe verzichten: Mundhygienestatus ohne Anfärben der Zähne erstellen

Prophylaxepasten

• Prophylaxepasten ohne Zusatzstoffe, z. B. Hawe Neos (Kerr Dental, Rastatt)

Prophylaxekelche

• Prophylaxekelche, die ohne Prophylaxepaste eingesetzt werden können (z. B. Hawe Neos Pasteless Prophy)

Zahnpasta, Empfehlung zur häuslichen Mundhygiene bei Überempfindlichkeiten

• z. B. Enzycal Zero (Curaden Swiss, Stutensee)

• Zahnpasta in der Apotheke mischen lassen

• Zahnpasta bei guter Verträglichkeit besser nicht austauschen oder durch Alternativpräparate ersetzen

• auf SLS/NLS in Zahnpasta verzichten

• mentholfreie sensitive Pasten verwenden

• Zahnpasta, die häuslich zum Einsatz kommt, zur Oberflächenpolitur bei PZR verwenden

Luft-Pulver-Wasserstrahl

• Bei Asthmatikern sollte auf eine Behandlung mittels LPW-Gerät verzichtet werden; aufgrund der Aerosolbildung und der Pulverzusätze könnte ein Asthmaanfall ausgelöst werden. Eine manuelle Instrumentation kann ratsam sein.

Lokalfluoridierung/Chlorhexidin

• evtl. auf zusätzliche Mechanismen verzichten (Gel, Lack, Spüllösungen)

• bei Allergien gegen Harz (auch Bestandteil brauner Pflaster) Vorsicht bei der Anwendung von Fluoridlack; Achtung Duraphat-Lack: Kolophoniumallergie!

• bei Allergien gegen Nelkenöl kein CHX Direkt Gel (GlaxoSmithKline Consumer Healthcare, Bühl) applizieren

Tabelle: Potenzielle allergieauslösende Materialien, die in der Prophylaxebehandlung zum Einsatz kommen und einige Alternativbeispiele.

 

  • Abb. 3: Schwellung der Unterlippe nach Anwendung einer Zahnpasta.
  • Abb. 4: Als Alternative zu einem Patientenumhang mit Metallkettchen, hier mit einem Band aus Kunststoff.
  • Abb. 3: Schwellung der Unterlippe nach Anwendung einer Zahnpasta.
  • Abb. 4: Als Alternative zu einem Patientenumhang mit Metallkettchen, hier mit einem Band aus Kunststoff.

  • Abb. 5: Zahnpflegeutensilien zur häuslichen Anwendung für Allergiker (Soft-Zahnbürsten, weiche Interdentalbürsten, Mundspiegel zur Schleimhautkontrolle etc.).
  • Abb. 6: Beispiele dentaler Absaugkanülen zur Anwendung bei Allergikern.
  • Abb. 5: Zahnpflegeutensilien zur häuslichen Anwendung für Allergiker (Soft-Zahnbürsten, weiche Interdentalbürsten, Mundspiegel zur Schleimhautkontrolle etc.).
  • Abb. 6: Beispiele dentaler Absaugkanülen zur Anwendung bei Allergikern.

 

 

 

Fazit

Die Thematik der allergischen Reaktionen bis hin zum Auslösen eines anaphylaktischen Schocks ist in der Zahnarztpraxis ein wichtiger Gesprächsbestandteil für die regelmäßigen Teamsitzungen. Das Handeln im Notfall, aber auch einer unerwünschten Reaktion vorzubeugen durch den gezielten Umgang mit Allergikern im dentalen Praxisalltag hat oberste Priorität. Eine regelmäßige Kontrolle des Inhaltes des Notfallkoffers, ein gewissenhafter Umgang mit Notfallmedikamenten, die der Patient bei sich trägt, sowie eine professionelle Unterweisung hinsichtlich des Handelns im Notfall (Notfalltraining) sind für das Team einer Zahnarztpraxis daher sehr wichtig. Ich hoffe, Ihnen mit meinem Artikel gute Hinweise und Anregungen für den Praxisalltag gegeben zu haben. Viel Spaß beim Umsetzen in der Praxis!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabrina Dogan

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabrina Dogan