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4. Zukunftskongress Beruf & Familie: Erfolgreich, gefragt und vielleicht wichtiger denn je

22.01.2018

Referenten und Veranstalter des 4. Zukunftskongresses Beruf & Familie (v. l.): Ingmar Dobberstein, Dr. Juliane Gösling, Dr. Susanne Fath, FZÄ Sabine Steding, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Dr. Doris Seitz, Martin Boost sowie Prof. Dr. Christoph Benz.
Referenten und Veranstalter des 4. Zukunftskongresses Beruf & Familie (v. l.): Ingmar Dobberstein, Dr. Juliane Gösling, Dr. Susanne Fath, FZÄ Sabine Steding, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Dr. Doris Seitz, Martin Boost sowie Prof. Dr. Christoph Benz.

Der Deutsche Zahnärztetag 2017 in Frankfurt widmete sich fachlichen und berufspolitischen Fragestellungen. Was jedoch den jungen Kolleginnen (und übrigens auch Kollegen) darüber hinaus unter den Nageln brennt – Fragen zu Anstellung und/oder Niederlassung, Schwangerschaft und Praxis, Familie und Beruf – beantwortete einmal mehr der „Zukunftskongress Beruf & Familie“. In der zwischenzeitlich 4. Auflage erfreute sich die Veranstaltung, die von Bundeszahnärztekammer und dem Dentista e.V. intiiert und vom BdZA, dem Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni tatkräftig unterstützt wurde, enorm wachsenden Zuspruchs: Die Location wurde gewechselt, und wieder gab es für einige nur noch Stehplätze.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, eröffnete den Kongress seitens der BZÄK mit den Worten, er stehe nun hier vor der Zukunft des Berufsstandes: jung, weiblich, und unsicher, ob die berufliche Zukunft in der Niederlassung zu suchen sei – oder doch im Angestelltenverhältnis. Es sei Aufgabe der Kammern, auf die Veränderungen im Berufsstand zu reagieren. An die Teilnehmerinnen appellierte er eindringlich: „Holen Sie sich hier Appetit auf die Niederlassung!“

Auch Dr. Susanne Fath, Präsidentin des Dentista e. V., machte den Anwesenden in der Begrüßung seitens Dentista Lust auf die eigene Praxis: „Es ist wirklich etwas Besonderes, niedergelassen in eigener Praxis für sich und seine Mitarbeiter Verantwortung zu übernehmen – und für seine Patienten da sein zu können. Wagen Sie den Schritt, es lohnt sich!“

FZÄ Sabine Steding, stellvertretende Vorsitzende des BZÄK-Ausschusses Beruflicher Nachwuchs, Familie und Praxismanagement, moderierte den Zukunftskongress. Auch sie „möchte Ihnen allen Mut machen für die Niederlassung“ und versprach Unterstützung. Die BZÄK habe zusammen mit dem Dentista e. V. verschiedene Ratgeber herausgegeben – unter anderem „Verträge mit Herz & Hirn“ sowie „Schwangerschaft“, die den Kolleginnen Hilfestellung in schwierigen Fragen geben könne.

Senioren – die Patienten der Zukunft

Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der BZÄK, stellte vor allem die Zukunftsaussichten der Zahnmedizin in den Fokus seines Referats. Die „dramatische demographische Entwicklung“ bringe es mit sich, dass schon heute jeder Patient über 65 Jahre alt sei. „Wenn Sie also jetzt auf eine wachsende Patientengruppe setzen möchten, eröffnen Sie eine Praxis für Senioren!“ Hilfreich könne hier zum Beispiel sein, ältere Mitarbeiter zu beschäftigen – so könne man Augenhöhe herstellen, auch als junge Zahnärztin. Dass eine Praxis heute barrierearm geplant werden sollte, sei eigentlich selbstverständlich. Und auch Prof. Benz appellierte: „Lasst den zahnärztlichen Beruf in freier Praxis nicht sterben!“ Eine Praxisneugründung müsse nicht zu teuer sein. Bei Übernahme einer bestehenden Praxis könne beispielsweise zunächst mit „Akzenten“ gearbeitet werden, um die eigene Linie zu etablieren. „Zu viel Kredit macht immer unentspannt. Also: Planen Sie kreativ!“

Dr. Juliane Gösling, Referentin der BZÄK für zahnärztliche Berufsausübung, traf mit ihrem Vortrag „Praxis, Familie und Schwangerschaft“ auf großes Interesse. Gerade für Zahnärztinnen, die sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wünschten, sei die Frage nach der Niederlassung in eigener Praxis nicht leicht zu beantworten. Einerseits böte die Selbständigkeit natürlich erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten, auch, was die Zeiteinteilung beträfe. Andererseits trage die Praxischefin natürlich auch Verantwortung für Mitarbeiter und Patienten. Die Feststellung „Ich bin schwanger“ habe in der zahnärztlichen Praxis noch weitreichendere Konsequenzen als anderswo. „Ist Ihre angestellte Zahnärztin schwanger, tritt zum Schutz des ungeborenen Kindes sofort das Beschäftigungsverbot in Kraft.“ Dieses können auch nicht umgangen werden „auch nicht, wenn die Schwangere dies ausdrücklich wünscht!“ Ausnahme seien hier die selbständigen Kolleginnen, diese könnten so lange arbeiten, wie sie dies für richtig hielten. Detailliert ging Dr. Gösling auf Fragen des Kündigungsschutzes während Schwangerschaft und Mutterschutz ein. Auch Dr. Gösling verwies auf den zuvor durch Sabine Steding vorgestellten BZÄK-/Dentista-Ratgeber zum Thema Schwangerschaft, der viele dieser Fragen beantworte.

Ingmar Dobberstein, Vorsitzender des Bundesverbandes der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland e. V. (BdZA), brachte die Anwesenden in „Work-Life-Balance“. Die Bedeutung des Begriffs hätte sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während noch die letzte Generation darunter verstanden hätte „Wie viel Freizeit bekomme ich im Leben unter“ stelle sich heute auch in Deutschland vielen die Frage „Wie viele Jobs brauche ich, um leben zu können? Und heute wachsen bereits Menschen auf, die morgen Jobs machen, die wir jetzt noch gar nicht kennen!“

Mehr Frauen in die Standespolitik

Zurück im Hier und Jetzt eröffnete Dr. Gudrun Kaps-Richter, Mitglied der Vertreterversammlung KZV BW, ihren Vortrag mit der provokanten Frage „Brauchen wir heute überhaupt noch Standespolitik?“ Die Antwort sei ein klares „Ja – vor allem für uns Frauen!“. Frauen stellten an Berufstätigkeit spezielle Ansprüche, und diese gelte es zu vertreten. Beim Blick in die ein Stockwerk höher tagende Bundesversammlung falle auf, dass in der Berufspolitik nach wie vor überwiegend Männer über Zukunftsfragen des Berufsstandes entschieden, die immer mehr Frauen beträfen. „Das liegt aber nicht allein an den Männern – es fehlen einfach die Frauen, die sich zur Verfügung stellen. Deshalb bitte ich Sie: Kandidieren Sie! Es geht um Ihre Zukunft!“

Dies bekräftigte auch Moderatorin FZÄ Sabine Steding. Sie selbst sei seit vielen Jahren standespolitisch engagiert, „neben Praxis und Familie“. Unterstützt habe sie ein „sehr gutes Zeitmanagement und ein tolles privates Netzwerk“, dann sei ein solches Engagement zwar immer noch nicht einfach, „aber machbar. Die Strukturen sind ja da – haben Sie einfach Vertrauen in sich!“

Die sich anschließende, intensive Diskussion zwischen Auditorium und Gesprächsforum mit Kolleginnen aus der Praxis zeigte, wie viele Fragen rund ums Thema „Beruf & Familie“ den jungen Zahnärztinnen auf der Seele liegen. So ging am späten Nachmittag ein sehr erfolgreicher 4. Zukunftskongress im Rahmen des Deutschen Zahnärztetags zu Ende.

Quelle: Dentista e. V.

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