Wohlfühlen


Prophylaxe für den Rücken

23.06.2015

© Sergej23/pixelio.de
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Nicht nur die Zähne der Patienten brauchen ein stimmiges Prophylaxe-Konzept, auch der Rücken der Praxismitarbeiter ist für Vorbeugung dankbar – und zwar im Sinne vielfältiger Bewegung: Ein paar Treppenstufen im Alltag oder eine gemeinsame bewegte Pause in der Praxis. Wir möchten dem gesamten Team im Folgenden einige Anregungen zur Rückengesundheit geben.

„Wer sich keine Zeit für Bewegung nimmt, wird sich künftig ganz viel Zeit für seine Krankheiten nehmen müssen“, sagt Prof. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln [1]. Was der Gesundheitswissenschaftler damit pointiert zum Ausdruck bringt: es lohnt sich ungemein, ein wenig Zeit in die Rückengesundheit zu investieren, nicht zuletzt um auch im Beruf belastbar zu bleiben. Denn: Rückenschmerzen gelten als eine „Volkskrankheit“, mehr als zwei Drittel der Deutschen leiden früher oder später darunter. Etwa jeder zehnte Krankheitstag in Deutschland ist auf ein „Rückenleiden“ zurückzuführen; etwa ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage auf Muskel-Skelett- Erkrankungen. Auch das Team in der Zahnarztpraxis ist gefährdet, durch häufiges Sitzen und Stehen sowie einseitige Beugehaltungen am Behandlungsstuhl Rückenleiden zu entwickeln. Woher der Schmerz eigentlich kommt, wissen viele nicht. Für mehr als 90 % aller Rückenschmerzen ist die Rückenmuskulatur verantwortlich und nicht die Wirbelsäule, wie häufig fälschlich angenommen wird. Prof. Froböse vergleicht den Rücken mit einem komplizierten System, dessen „Motor“ unsere Muskeln sind. Dieser Motor werde in den meisten Fällen unterfordert, was sich negativ auf die Biochemie auswirke und letztendlich zu Schmerzen führe. Genetisch habe der Mensch ein riesiges Potenzial für Bewegung, das er im modernen Leben kaum nutze. Aber auch eine zu hohe einseitige Belastung kann zu Beschwerden führen.

Doppelstrategie: Überlastungen meiden und aktiv kräftigen

Um Rückenleiden zu vermeiden, empfiehlt sich eine Doppelstrategie: Einerseits dem Rücken keine zu hohen Belastungen bei der Arbeit zumuten und andererseits den Rücken kräftig und beweglich halten. Schonen kann man den Rücken bei der Arbeit, indem man beim längeren Arbeiten im Stehen ab und zu Bewegungspausen mit kleinen Dehnübungen macht, bei dauerhaftem Sitzen auf eine richtige Einstellung des Stuhles achtet und zumindest zeitweilig auf das Arbeiten im Stehen übergeht. Gerade die Variation der Haltung und Bewegung entlastet den Rücken. Auch Entspannungsverfahren wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Tai-Chi und Qigong sorgen für eine Erholung der Rückenmuskulatur, denn Stress schlägt sich auf den Rücken nieder.

Gezielte Vorbeugung besteht vor allem in der Kräftigung der Rückenmuskulatur, einerseits im Alltag (siehe „5 Tipps für einen gesunden Rücken“ unten), andererseits durch spezielle Übungen. Dafür geben wir hier eine Auswahl von Dehnübungen an die Hand, die ohne Hilfsmittel zuhause, aber auch in der Praxis durchgeführt werden können. Wenn das gesamte Team einschließlich Zahnärztin oder Zahnarzt aktiviert wird, macht die sportliche Pause noch mehr Spaß und stärkt nicht nur den Rücken, sondern auch den Teamgeist!

Sportliche Ideen für die Zahnarztpraxis

Bewegte Pausen
Schon 10 bis 15 Minuten täglich reichen aus: die sportliche Einheit mit Ausgleichsgymnastik sollte täglich zu einer vorher festgelegten und kommunizierten Zeit angeboten werden. Dafür bieten sich einfache Übungen an, die in Arbeits- bzw. Alltagskleidung ausgeführt werden können und für alle Altersklassen passend sind. Wenn es in der Praxis einen passenden Raum gibt, kann dieser für die „bewegte Pause“ regelmäßig genutzt werden.

Ansonsten reicht ein breiter Flur oder Hof aus, oder die Wiese hinter dem Haus. Ein Tipp für Praxisinhaber: Engagieren Sie einen externen Trainer oder eine externe Trainerin zur Anfangsbetreuung. Informieren und motivieren Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Ausbildung zum Übungsleiter.

Charity-Lauf
Die Praxis spendet für jeden gelaufenen Kilometer seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – bspw. bei einem Stadtmarathon – einen bestimmten Betrag. Der Erlös kommt einer gemeinnützigen Einrichtung zugute. Eine solche gemeinsame Unternehmung stärkt den Gemeinschaftssinn des Teams und kann zudem für eine positive Außenwirkung genutzt werden. Größere Praxen oder Gesundheitszentren können auch eigene Charity-Läufe veranstalten.

5 Tipps für einen gesunden Rücken

  1. Die Gesundheit des eigenen Rückens testen. Dazu gibt es einen kurzen Test mit Prof. Ingo Froböse unter www.jwsl.de/aktion2013/video/rueckentest.php
  2. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch (bzw. lange am Empfang) sitzt, kann immer wieder mal im Stehen telefonieren.
  3. Wenigstens einmal pro Woche das Auto so weit weg von der Praxis parken oder so früh aus Bus oder Bahn aussteigen, dass man noch einen Fußweg von 15 Minuten vor sich hat.
  4. An zwei festen Tagen pro Woche konsequent auf Rolltreppen und Fahrstühle verzichten. Treppen gibt es überall.
  5. Überzeugen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen bzw. das Team, einmal pro Woche vor Arbeitsbeginn 5 Minuten leichte Rückengymnastik zu treiben oder eine gesunde Pause einzuführen.

Schicken Sie uns Ihre Ideen!

Ein kleiner Einsatz für den Rücken hat große Auswirkung auf die Gesundheit und Fitness im Alltag. Falls Sie auf unsere Anregung hin Fitnessaktionen in der Praxis einführen, schreiben Sie uns gerne: Wir sind gespannt auf Ihre Umsetzung und auf neue Ideen, die wir auch gerne in kommenden Heften bzw. auf unserem Onlineportal www.pnc-aktuell.de veröffentlichen.

 

 

 

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