Wohlfühlen

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Die 5 Säulen der Ergonomie

24.10.2012

Was erwartet man von einem Buch, das diesen Titel trägt? Natürlich Hinweise für eine optimale Arbeitshaltung, zur richtigen Patientenlagerung sowie zur optimalen Technik beim Absaugen oder Abhalten. Und das offenbar nicht nur für die (eine) Wirbelsäule, sondern gleich auf fünf Säulen?

Nun – diese Fünf-Säulen-Einteilung wirkt ein wenig bemüht. Zwei davon kennen wir: Erstens die Verhaltensergonomie, in der es um die korrekte Haltung beim Behandeln und die optimale Patientenlagerung geht. Aber das Kapitel enthält mehr als das: Auch die Arbeitsplätze am Rechner und an der Rezeption werden behandelt und dazu gibt es zwei große Kapitel zur „Rückenschule“ und zum „körperlichen Ausgleich“, die den kleinen Rahmen der Zahnarztpraxis auf angenehme Weise sprengen. Mit diesen Ratschlägen lässt sich der gesamt Alltag vom morgendlichen Aufstehen an gut analysieren und verbessern – unbedingt empfehlenswert!

Zweitens folgt die Verhältnisergonomie: Da geht es zunächst um den direkten Arbeitsbereich mit den vier verschiedenen Basiskonzepten rund um den Behandlungsstuhl, also die Positionen des unmittelbar genutzten Mobiliars, jeweils ausgehend von der Zahnarztposition. Ein hochinteressantes Unterkapitel beschäftigt sich mit den sogenannten Arzthockern. Diese Analyse verschiedener Behandlungseinheiten und Arztstühle kann die Auswahl des Praxis-Equipments durchaus erleichtern und gleichzeitig den Rücken belohnen. Danach folgen die so oft vernachlässigten Themen Beleuchtung, Klima und Lärm in wohltuender Ausführlichkeit. Dann aber stutzt die Rezensentin, denn nun werden auch die geopathologischen Verhältnisse unter der Praxis und das dafür gut geeignete diagnostische Wünschelrutengehen ernsthaft beschrieben, welches – vom Profi ausgeführt – zu reproduzierbaren Ergebnisse führen soll. Immerhin taucht der Hinweis auf, dass Vorkommen und Folgen der Erdstrahlen durchaus sehr umstritten sind.

Zwei weitere Säulen befassen sich dann, ein wenig überlappend, mit Stressmanagement, Pausengestaltung und körperlichem Ausgleich. Vom Verfasser werden sie Selbstmanagement und Beschwerdefreiheit genannt, wobei eine gewisse Redundanz unvermeidlich ist. Diese Abschnitte gehen weit über die Ergonomie im engeren Sinne hinaus und bieten fast schon eine allgemeine Lebenshilfe für den modernen Stadtmenschen.

Die letzte der fünf Säulen ist schließlich die Ernährung. Das überrascht und macht nach Meinung der Rezensentin dieses Buch um 28 Seiten zu lang. Die Begründung für dieses Kapitel ist grundsätzlich korrekt: „Ernährung ist enorm wichtig, damit der Mensch funktioniert.“ Aha! Einer kurzen Begriffsklärung physiologischer Grundlagen folgen dann Diätregeln von Montignac über Ayurveda, traditionelle Sinologie, Blutgruppendiät bis zur „Instincto-Therapie“: Essen, was schmeckt. Die Abschnitte über „richtiges“ Salz und „richtiges“ Wasser enden mit dem Hinweis auf das „Energetisieren“ des Wassers mithilfe von Quarzkristallen. Diese Enttäuschung wird dann immerhin durch einen gut strukturierten Anhang wettgemacht.

Fazit

Das Buch ist kaum zum schnellen „Mal-eben-Nachsehen“ geeignet. Wer aber in seiner Praxis Grundsatzentscheidungen vorbereitet oder eine fundierte Prophylaxe der typischen Zahnarztleiden betreiben will, der sollte sich die nötige Zeit für vier dieser fünf Säulen nehmen und dabei auch genug Zeit haben, um einige Skurrilitäten lächelnd mitzunehmen.


Dr. Juliane Ernst, Berlin

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Bibliografische Angaben

Manfred Just: Die 5 Säulen der Ergonomie. Prävention und Anwendung für das zahnärztliche Team
zfv Zahnärztlicher Fach-Verlag Herne 2011
256 Seiten, gebunden
Bestell-Nr.: 64205
ISBN: 978-3-941169-22-7
Preis: 49,00 €


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