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Praxis und Familie - Finanzen während der Elternzeit

25.02.2016
aktualisiert am: 01.03.2016

Schon vor der Geburt eines Kindes sollte man sich um die finanziellen Auswirkungen kümmern. © 2016 ARDENT Group, Tino Broyer
Schon vor der Geburt eines Kindes sollte man sich um die finanziellen Auswirkungen kümmern. © 2016 ARDENT Group, Tino Broyer

Baby da – und nun? Bereits eine Schwangerschaft hat für die Arbeit in der Zahnarztpraxis gravierende Konsequenzen. Nicht anders sieht es für die Zeit nach der Geburt des Kindes aus. Und wieder sehen die Regelungen für die Praxisinhaberin einerseits und die angestellte Zahnärztin und das Team andererseits unterschiedlich aus. Selbstständige gehen beim Mutterschaftsgeld meist leer aus, können beim Elterngeld jedoch viele Aspekte lenken. Angestellte bekommen Mutterschaftsgeld, können von einem Beschäftigungsverbot betroffen sein und ihre Elterngeldansprüche sind klar geregelt. Im folgenden Beitrag werden die gesetzlichen Regelungen von Rechtsanwältin Melanie Neumann detailliert erläutert.

Die Geburt eines Kindes ist ein bedeutender Einschnitt im Leben der Eltern. Die meisten werdenden Eltern packt ein „Nestbautrieb“, der sie veranlasst, vieles im Vorfeld der Geburt zu regeln. Angesichts der komplizierten gesetzlichen Regelungen erscheint es sinnvoll, auch die finanzielle Situation bereits abzustecken und die Alternativen abzuwägen.

In einem vorangegangenen Beitrag wurde bereits auf das Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft und die finanziellen Auswirkungen hingewiesen (siehe www.pncaktuell. de/schwanger). Die wichtigste gesetzliche Grundlage für Schwangere in der Zahnarztpraxis ist in diesem Zusammenhang das Mutterschutzgesetz (MuSchG). Es ist ein Arbeitnehmerschutzgesetz, sodass es ausschließlich auf Angestellte anwendbar ist. Das MuSchG soll die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind vor Gefahren am Arbeitsplatz schützen. Aus diesem Grund führen die Regelungen des MuSchG faktisch zu einem Beschäftigungsverbot in der Zahnarztpraxis in sämtlichen Bereichen mit erhöhter Infektionsgefahr, jedoch ohne finanzielle Einbußen. Auf schwangere Praxisinhaberinnen ist dieses Gesetz nicht anwendbar. Diese können also, sofern sie dies möchten, bis unmittelbar vor und auch direkt nach der Geburt ohne Einschränkungen arbeiten. Wird die Tätigkeit nicht ausgeübt, gibt es keinerlei staatliche Ausgleichszahlungen (siehe ebenfalls www.pnc-aktuell.de/schwanger). Wie sieht es nun aber nach der Geburt des Kindes aus? Hier sind verschiedene Phasen zu unterscheiden.


Mutterschutzfrist: Wer bekommt Mutterschaftsgeld?

Zunächst läuft die Mutterschutzfrist nach § 6 Abs. 1 MuSchG bis 8 Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis 12 Wochen nach der Entbindung. Bei Frühgeburten addiert sich zudem die vor der Geburt nicht in Anspruch genommene Zeit auf die Zeit nach der Geburt, sodass Mütter mit Frühchen nicht finanziell schlechter gestellt werden. Während dieser Zeit haben gesetzlich versicherte angestellte Mütter Anspruch auf Mutterschaftsgeld und den Zuschuss durch den Arbeitgeber, wie dies auch bereits in den 6 Wochen der Mutterschutzfrist vor der Geburt geregelt ist. Die Krankenkasse zahlt in dieser Zeit ein Mutterschaftsgeld in Höhe von maximal 13 Euro pro Tag (die tatsächliche Höhe ist abhängig vom durchschnittlichen Nettoeinkommen der letzten drei abgerechneten Monate), welches vom Arbeitgeber auf den Nettolohn aufgestockt wird. Die Höhe der Zuzahlung errechnet sich aus dem durchschnittlichen Nettogehalt der letzten drei Monate vor Beginn des Mutterschutzes, in denen abgabenpflichtig gearbeitet wurde. Auch Überstunden und Umsatzanteile zählen dazu. Konnte die Angestellte vor Eintritt in die Mutterschutzfrist aufgrund eines Beschäftigungsverbotes, wie es in Zahnarztpraxen in der Regel ausgestellt werden muss, nicht arbeiten, so zählt das während des Beschäftigungsverbots gezahlte Gehalt. Anderes gilt lediglich, wenn das Durchschnittsgehalt unter 390 Euro netto pro Monat liegt. In diesem Fall übernimmt die Krankenkasse den Gesamtbetrag, der Arbeitgeber, also die Zahnarztpraxis, hat damit keine Zuzahlung mehr zu leisten.

Privat versicherte Angestellte erhalten während der Mutterschutzfrist ihr Nettogehalt minus 13 Euro pro Tag vom Arbeitgeber, da private Krankenversicherungen kein Mutterschaftsgeld bezahlen. Die Mutter kann jedoch bei der Mutterschaftsgeldstelle des Bundesversicherungsamts ein einmaliges Mutterschaftsgeld in Höhe von bis zu 210 Euro beantragen.

Wer geringfügig und sozialversicherungsfrei beschäftigt ist, erhält ebenfalls 210 Euro Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt. Dies gilt auch, wenn die Mutter über den Ehemann familienversichert ist.

Selbstständige Mütter erhalten Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes, wenn sie freiwillig gesetzlich mit einem Anspruch auf Krankengeld versichert sind. Dies gilt, solange während der Mutterschutzfrist keine Tätigkeit ausgeübt wird. In dieser Zeit wird die gesetzliche Krankenversicherung zudem beitragsfrei. Für privat Versicherte gibt es diese Möglichkeit leider nicht. Das heißt, die meisten Praxisinhaberinnen bekommen kein Mutterschaftsgeld.

Wenn sich die Mutter während der Mutterschutzfrist noch in Elternzeit wegen eines älteren Kindes befindet, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen auch in dieser Zeit ein Mutterschaftsgeld in Höhe von bis zu 13 Euro pro Tag. Der Arbeitgeber hingegen ist zu keiner Zahlung verpflichtet. Läuft jedoch die Elternzeit während der Mutterschutzfrist aus oder schließt sich die Mutterschutzfrist nahtlos an die Elternzeit an, so hat der Arbeitgeber für die verbleibende Zeit erneut die Zuzahlung zu leisten. Hat die nun dem Mutterschutz unterliegende Frau während der Elternzeit jedoch bereits Teilzeit gearbeitet (was in Zahnarztpraxen ja trotz weiterer Schwangerschaft z. B. im Bereich Abrechnung und Verwaltung möglich ist), so hat sie sich erneut einen Anspruch auf Zuzahlung erarbeitet. Dieser richtet sich nach dem Verdienst der Teilzeittätigkeit, und zwar selbst dann, wenn der Mutterschutz vollständig in die Elternzeit wegen des älteren Kindes fällt. Wer jedoch während der Elternzeit einen Minijob ausübt, erhält lediglich die 210 Euro vom Bundesversicherungsamt, wenn die Mutterschutzfrist vollständig in die Elternzeit fällt. Liegt ein Teil der Mutterschutzfrist jedoch nach der Elternzeit, so zahlt die Krankenkasse wieder bis zu 13 Euro pro Tag, und der Arbeitgeber hat auf das Nettogehalt aufzustocken, das die Mutter vor Geburt des ersten Kindes erhalten hatte.


Stillzeit: Wann wird ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen?

Möchte die angestellte Mutter nach Ablauf des Mutterschutzes nicht in Elternzeit gehen, stillt aber ihr Kind, kommt wiederum das MuSchG zum Tragen. Nach Ablauf der Schutzfrist muss sich der Arbeitgeber vergewissern, ob seine Angestellte bei Aufnahme der Arbeit ihr Kind regelmäßig oder in wesentlichem Umfang stillt. Kommt der Arbeitgeber dieser Pflicht nicht nach, kann er sich unter Umständen wegen Verstoßes gegen ein Beschäftigungsverbot strafbar machen! Zum Stillen zählt auch, wenn die Muttermilch abgepumpt und dann an das Kind verfüttert wird. Bejaht die Mutter dies, so hat der Arbeitgeber wie auch bei Bekanntwerden der Schwangerschaft zu überprüfen, ob nicht ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden muss. Nach § 6 Abs. 3 MuSchG ist hierfür ein ähnlich strenger Maßstab wie für das Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft anzulegen, sodass in den meisten Zahnarztpraxen eine Beschäftigung der stillenden Mutter auf einem infektionsfreien Arbeitsplatz nicht möglich sein wird. In diesem Fall kann der Arbeitgeber erneut die Erstattung des von ihm zu bezahlenden Lohns über das Umlageverfahren 2 der Krankenkasse der Mutter (U2-Umlageverfahren) beantragen. Berechnungsgrundlage sind die letzten drei Monate, in denen sozialversicherungspflichtiges Gehalt bezogen wurde.


Wie oft und wie lange darf die Mutter in der Praxis stillen?

Muss kein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden, da die stillende Mutter z. B. an einem Arbeitsplatz mit reiner Verwaltungstätigkeit beschäftigt werden kann, ist ihr nach § 7 MuSchG jedoch die erforderliche Stillzeit einzuräumen. Diese beträgt mindestens zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal täglich eine Stunde. Weitere Sonderregeln gibt § 7 Abs. 1 MuSchG vor. Durch die Inanspruchnahme der Stillzeit darf der Mutter kein Verdienstausfall entstehen, d. h. die Stillzeit darf weder vom Lohn abgezogen werden noch darf sie vor- oder nachgearbeitet oder auf allgemein vorgeschriebene Ruhezeiten angerechnet werden.

Dieser Anspruch steht teilzeitbeschäftigten Müttern jedoch möglicherweise nicht zu, wenn sie bei einer z. B. nur dreistündigen täglichen Arbeitszeit ausreichend Zeit hätten, ihr Kind außerhalb der Arbeitszeit zu stillen. Dies wäre jedoch im Einzelfall zu entscheiden; so müssen z. B. auch Fahrtzeiten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte berücksichtigt werden. Bei der Festlegung der Stillzeiten hat der Arbeitgeber die Belange von Mutter und Kind hinreichend zu berücksichtigen. Die stillende Mutter soll jedoch durch zumutbare und organisatorisch mögliche Maßnahmen die Stillzeit in angemessenen Grenzen halten und die betrieblichen Belange berücksichtigen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Ernährung des Kindes mit Muttermilch zwischenzeitlich nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Bis zu welchem Alter Stillzeiten zu genehmigen sind, ist gesetzlich nicht geregelt. Manche Gerichte gehen von einer Angemessenheit in einem Rahmen von bis zu 1,5 Jahren aus. Ob dies richtig ist, ist streitig, da der Gesetzgeber die Entscheidung, ob ein Kind gestillt wird, in welchem Umfang und bis zu welchem Alter, ausschließlich der Mutter überlässt. Es kommt gerade nicht darauf an, ob und wie weit im konkreten Fall das Stillen (noch) nützlich oder erforderlich ist (das Gesetz spricht nur von der „erforderlichen Zeit“). Es ist also immer im Einzelfall zu entscheiden, ob der Arbeitnehmerin Stillzeiten während der Arbeitszeit zustehen. Wird die berechtigte Stillzeit übrigens nicht gewährt, so kann die Arbeitnehmerin die Leistung entsprechend verweigern, ohne eine Minderung ihres Lohnes befürchten zu müssen.

Verlangt der Arbeitgeber einen Nachweis, dass tatsächlich gestillt wird (z. B. durch ein Attest der Hebamme), so hat er die hierfür entstehenden Kosten zu übernehmen. Stellt die Arbeitnehmerin das Stillen ein, so hat sie dies dem Arbeitgeber auch mitzuteilen, sofern dies nicht durch die Weiterführung der Arbeit ohne Pausen hinreichend deutlich zu erkennen ist.


Elternzeit: Basiselterngeld oder „Elterngeld Plus“?

Während der Elternzeit ruht das Arbeitsverhältnis, sodass Eltern keinen Lohn vom Arbeitgeber erhalten. Aus diesem Grund kann für maximal 14 Monate Elterngeld („Basiselterngeld“) als Lohnersatzleistung beantragt werden. Alternativ besteht bei Kindern, die nach dem 01.07.2015 geboren wurden bzw. werden, die Möglichkeit, Elterngeld Plus zu beantragen und so über den doppelten Zeitraum jeweils 50 % des Basiselterngelds zu erhalten. Während der Elternzeit können Eltern bis 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig sein. Dies ist vor allem beim Bezug von Elterngeld Plus interessant. Das durch die Teilzeittätigkeit erzielte Einkommen wird bei der Berechnung des Elterngeldes berücksichtigt. Da Elterngeld Plus die Teilzeittätigkeit fördern soll, erfolgt hier jedoch eine geringere Anrechnung, sodass insgesamt trotz gleichem Zuverdienst in der Regel mehr Elterngeld ausgezahlt wird. Diese Variante ist auch für Praxisinhaberinnen interessant, da es häufig zu fortlaufendem Einkommen durch nachlaufende Zahlungen (v. a. bei Kassenzahnarztpraxen) kommen wird. Als Zuverdienst gilt im Übrigen auch die – private – Weiternutzung des auf die Praxis laufenden PKW und/ oder Mobilfunkvertrags, oder der laufende Gewinn, den eine Photovoltaikanlage auf einer im Eigentum stehenden Immobilie abwirft. Das fortlaufende Einkommen wird beim Basiselterngeld in der Regel voll angerechnet, bei Elterngeld Plus möglicherweise nicht oder nur geringfügig. Bei einer Anrechnung kann es schnell passieren, dass nur das Mindestelterngeld in Höhe von 300 Euro gewährt oder gar Elterngeld zurückgefordert wird. Neben dem Elterngeld wird für Geschwisterkinder eventuell ein Geschwisterbonus gezahlt. Dieser ist u. a. abhängig vom Alter des Geschwisterkindes.


Wie errechnet sich das Elterngeld?

Elterngeld beträgt bei Angestellten in der Regel 67 % des bisherigen bereinigten Einkommens, also Lohn abzüglich Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträgen und Werbungskosten, in den letzten 12 Monaten vor der Geburt. Der Maximalbetrag beträgt 1.800 Euro („Kappungsgrenze“ beim Einkommen: 2.770 Euro). Der Bezug von Mutterschaftsgeld oder anderen Ersatzleistungen während der ersten zwei Lebensmonate des Kindes wird auf das Elterngeld angerechnet.

Wichtig ist, dass bei höherem Einkommen und lediglicher Gewährung des Maximalbetrags ein Zuverdienst nicht mit der Gehaltseinbuße durch die Deckelung verrechnet wird, sondern vollständig auf den Maximalbetrag angerechnet wird! Wurde daher Basiselterngeld bei einem ursprünglichen Einkommen von z. B. 5.000 Euro beantragt und soll der Verdienstausfall durch eine Teilzeittätigkeit, die mit 2.500 Euro vergütet wird, abgefangen werden, so berechnet sich das Elterngeld nicht dadurch, dass zunächst von den 5.000 Euro die 2.500 Euro abgezogen werden (und somit das eigentliche durch die Elternzeit relevante Fehleinkommen berechnet wird), und daraus dann 67 % Elterngeld gezahlt werden. Das Elterngeld beträgt stattdessen wegen Überschreitung der Kappungsgrenze fix 1.800 Euro, der Zuverdienst wird auf die Kappungsgrenze angerechnet, so dass letztlich lediglich ein Anspruch auf Elterngeld aus einem Betrag in Höhe von 270 Euro, somit auf 175,50 Euro Elterngeld bestünde. Aufgrund des gesetzlich geregelten Mindestbetrags bliebe damit ein monatliches Elterngeld in Höhe von 300 Euro bestehen.

Das Elterngeld von Selbstständigen berechnet sich in der Regel nicht nach den letzten 12 Monaten vor der Geburt, sondern anhand des letzten Veranlagungszeitraums, d. h. des vorangegangenen Kalenderjahres, und beträgt 67 % des bisherigen durchschnittlichen monatlichen Gewinns nach Abzug von Steuern und eventuellen Beiträgen zur Sozialversicherung. Anderes gilt nur, wenn im vorangehenden Jahr nicht von Anfang an eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt wurde. Dann zählt der Gewinn der letzten 12 Monate vor der Geburt. Dies sollte bei Planung und Rechnungstellung bzw. beim Forderungsmanagement berücksichtigt werden, denn es gilt das Zuflussprinzip. Das bedeutet, dass zum Gewinn zählt, was im fraglichen Zeitraum tatsächlich auf dem Konto gelandet ist, nicht aber z. B. noch nicht eingegangene Zahlungen für Rechnungen über Leistungen, die im fraglichen Zeitraum erbracht und abgerechnet wurden. Daher sollten Selbstständige darauf achten, Rechnungen in diesem Zeitraum zügig zu schreiben und die Zahlungspflichtigen zu einer kurzfristigen Zahlung anzuhalten. Auch kann es sinnvoll sein, Teilrechnungen zu stellen, wenn Leistungen noch nicht vollständig, aber bereits teilweise abrechenbar sind. Insbesondere größere Investitionen sollten ins Geburtsjahr geschoben werden, da damit der Gewinn für das zur Berechnung herangezogene Jahr steigt. Wird die Investition erst während des Elterngeldbezugs getätigt, reduziert dies den Gewinn, der eventuell auf das Elterngeld angerechnet wird. Auch Fortbildungen während der Elternzeit reduzieren den Gewinn, wenn die Gebühren hierfür erst während der Elternzeit gezahlt werden. Informieren Sie sich daher, ob in Fällen eines Anmeldeschlusses vor Beginn der Elternzeit eine Zahlung der Kursgebühr dennoch erst während der Elternzeit möglich ist (eventuell verlieren Sie dadurch jedoch einen Frühbucherrabatt).

Ebenfalls zu berücksichtigen – und wenn möglich frühzeitig zu optimieren – sind regelmäßige Ausschüttungen, die Partner in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) erhalten, da diese in der Regel während der Elternzeit nicht mehr oder nur schwer beeinflussbar (und dem Amt dann plausibel zu machen) sind.

Auch für Selbstständige gilt die Kappungsgrenze von 2.270 Euro und die oben dargestellte Folge bei zu hohem Zuverdienst!

Es gibt jedoch zwei Möglichkeiten, auch bei längerer selbstständiger Tätigkeit auf den 12-Monats-Zeitraum vor der Geburt abstellen zu können, was sinnvoll ist, wenn in diesem Zeitraum wesentlich mehr Geld erwirtschaftet wurde als im vergangenen Veranlagungszeitraum (weil dieser z. B. direkt nach der Gründung lag und noch viele gewinnschmälernde Investitionen getätigt wurden):

  • Eine Alternative besteht, wenn die selbstständige Tätigkeit innerhalb der 12 Monate vor der Geburt kurzzeitig (d. h. etwa 2 Monate) unterbrochen wurde. Vorstellbar wäre dies z. B. durch Krankheit oder zwischenzeitliche Angestelltentätigkeit; Letzteres ist bei Praxisinhaberinnen möglich, wenn sich beispielsweise zwei bislang in Einzelpraxen tätige Kolleginnen oder Ehepartner – u. a. aufgrund der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf – zu einer BAG zusammenschließen: die bereits schwangere Kollegin könnte ihren Anteil zunächst auf die/den künftige/n Praxispartner/in übertragen und erst etwas zeitversetzt in die Gemeinschaftspraxis einsteigen; alternativ bietet sich der Ausstieg aus einer BAG und Wechsel zur Einzelpraxis oder in eine andere BAG an.
  • Die zweite Option ist, den Gewinn in den Monaten vor der Geburt extrem in die Höhe zu treiben, z. B. indem in höherem Umfang gearbeitet wird oder z. B. durch eine Fortbildung eine spezialisierte und damit höher zu vergütende Behandlung angeboten (und auch abgerechnet!) wird. In diesem Fall lässt sich argumentieren, dass die enorme Gewinnsteigerung die Annahme rechtfertigt, dass eine völlig andere Tätigkeit als im Jahr zuvor ausgeübt wurde, sodass das Kalenderjahr vor der Geburt ausnahmsweise nicht repräsentativ ist. Diese Möglichkeiten sollten im Einzelfall möglichst frühzeitig geprüft und umgesetzt werden.
    • Schon vor der Geburt eines Kindes sollte man sich mit den rechtlichen Gegebenheiten rund um Mutterschaftsgeld, Beschäftigungsverbot und Elterngeldansprüchen beschäftigen.
© 2016 ARDENT Group, Tino Broyer

    • Schon vor der Geburt eines Kindes sollte man sich mit den rechtlichen Gegebenheiten rund um Mutterschaftsgeld, Beschäftigungsverbot und Elterngeldansprüchen beschäftigen. © 2016 ARDENT Group, Tino Broyer

Da im Gegensatz zu Angestellten bei Selbstständigen aus den genannten Gründen vorab häufig keine exakte Berechnung des Elterngeldanspruchs und somit auch des nicht anzurechnenden Zuverdienstanteils möglich ist, ist es im Interesse einer bestmöglichen Absicherung wichtig, möglichst zeitnah zumindest eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung vorlegen zu können.


Wie weisen Selbstständige Arbeitszeit während der Elternzeit nach?

Da Selbstständige die Beschränkung auf 30 Stunden Arbeitszeit pro Woche nicht wie Angestellte durch die Vorlage einer Arbeitgeberbestätigung dokumentieren können, müssen sie selbst bekunden, dass sie nicht mehr gearbeitet haben, und erläutern, wie dies geschehen ist. In einer Zahnarztpraxis ist dies beispielsweise durch die Einschränkung der Praxiszeiten, durch die Beschäftigung eines Vertreters oder durch Angestellte oder beauftragte Unternehmen (z. B. auch für die bislang selbst durchgeführte und nun an eine Angestellte oder ein Abrechnungsunternehmen ausgegliederte Abrechnung und das zugehörige Forderungsmanagement) möglich. In BAGs kann auch mit der Umverteilung auf andere Praxispartner argumentiert werden. Dass zusätzliche Ausgaben für diese Umorganisation zudem den Gewinn schmälern, kommt noch dazu.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Angabe von zu erwartenden niedrigen Gewinnen bei Antragstellung in der Regel unproblematisch ist, da man von Selbstständigen häufig erwartet, dass diese zumindest zum Teil auch unentgeltlich arbeiten, um „den Laden am Laufen zu halten“. Sollten Sie also während der Elternzeit innerhalb der 30 Stunden hauptsächlich Patienten behandeln und wenig Zeit haben, Rechnungen zu schreiben, so wäre es unschädlich, wenn sie dies (selbstverständlich unter Beachtung einer möglichen Verjährung!) erst zu einem späteren Zeitpunkt tun, denn auch hier gilt das Zuflussprinzip: Zahlungen, die für Tätigkeiten während der Elternzeit erst nach Beendigung der Elternzeit eingehen, dürfen nachträglich nicht mehr negativ berücksichtigt werden. Sollten Sie während der Elternzeit jedoch tatsächlich höhere Gewinne erzielen als angegeben, müssen Sie dies dem Amt mitteilen, sobald Sie davon Kenntnis haben, um u. U. ein Bußgeld von bis zu 2.000 Euro zu vermeiden.


Was müssen Arbeitgeber beachten?

Während der Elternzeit herrscht absolutes Kündigungsverbot für Arbeitgeber. Eine Kündigung, die während der Elternzeit ausgesprochen wird, ist auch dann unwirksam, wenn der Kündigungstermin außerhalb der Elternzeit liegt. Bei einer Aufteilung der Elternzeit besteht zwischen den Elternzeiten kein Kündigungsverbot. Befristete Verträge, die während der Elternzeit auslaufen, enden jedoch, wenn ein fixes Enddatum bestimmt ist. Lediglich bei offenen Formulierungen wie „befristet auf das Ende der Assistenzzeit“ ruht das Arbeitsverhältnis und setzt sich nach Ende der Elternzeit um die Ruhenszeit fort. Für jeden Monat, in dem wegen Elternzeit (auch nicht in Teilzeit) gearbeitet wird, kann der Urlaubsanspruch um 1/12 gekürzt werden.


Fazit

Insbesondere Selbstständige sollten aufgrund der finanziellen Problematik nicht nur eine Schwangerschaft, sondern auch die Zeit nach der Geburt gut und möglichst frühzeitig bedenken und planen. Auch für den Zeitraum des Elterngeldbezugs können die Weichen bereits vor Beginn der Schwangerschaft gestellt werden. Ansonsten geben die Monate der Schwangerschaft in der Regel noch genügend Gestaltungsspielraum, der nach guter Beratung auch ausgeschöpft werden kann und sollte.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dipl.-Jur. (Univ.) Melanie Neumann

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dipl.-Jur. (Univ.) Melanie Neumann