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Geldwerte Vorteile oft attraktiver als Gehaltserhöhung

31.10.2012

© knipseline/pixelio.de
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Als Arbeitgeber sehen Sie sich oft außerstande, einem Mitarbeiter eine (längst fällige) Gehaltserhöhung zu gewähren. Es kommt hinzu, dass ein Großteil des Mehrverdienstes durch Steuern aufgezehrt wird. Leichter durchsetzbar und für den Arbeitnehmer attraktiver ist die Gewährung sog. geldwerter Vorteile. Dabei lässt sich die hohe Abgabenlast spürbar mildern. Auch der Betrieb kann die Ausgaben von der Steuer absetzen und spart sich hohe Sozialabgaben, die bei einem Gehaltsplus anfallen würden. Wir geben eine Übersicht über diese Möglichkeiten.

Altersvorsorge: Pro Jahr können Sie 2.544 Euro zur Altersvorsorge Ihres Mitarbeiters beisteuern. Je nach Wahl des Vertrages sind noch einmal 1.800 Euro zusätzlich möglich. Steuern und Sozialabgaben auf diese Beträge fallen erst im Rentenalter an.

Arbeitgeberdarlehen: Eine gute Möglichkeit, den Arbeitnehmer langfristig an den Betrieb zu binden, ist das Arbeitgeberdarlehen. Wird das Darlehen zum marktüblichen Zins vergeben, entfällt die Lohnsteuer.

Beihilfen in besonderen Fällen: Aus besonderem Anlass kann eine steuerfreie Beihilfe ausgezahlt werden. Sie darf bis zu 600 Euro im Kalenderjahr betragen, darüber hinaus tritt Steuerpflicht ein. Ein höherer Betrag kann allerdings bei einem „besonderen Notfall“ weiterhin steuerfrei bleiben. Für die Beurteilung werden Einkommensverhältnisse und Familienstand zugrunde gelegt. Steuerfreiheit besteht, wenn die Unterstützung dem Anlass nach gerechtfertigt ist. Beispiele: Krankheit, Unglücksfall.

Betriebliche Gesundheitsförderung:
Pro Arbeitnehmer können Sie bis zu 500 Euro steuer- und sozialabgabenfrei für Maßnahmen zur Gesundheitsförderung aufwenden. Das gilt sowohl für innerbetriebliche Aktionen (z.B. Kurs „Stressbewältigung am Arbeitsplatz“) als auch für extern durchgeführte Maßnahmen (z.B. Raucherentwöhnung).

Direktversicherung:
Bei Direktversicherungen zahlen Sie die monatlichen Prämien für die Lebensversicherung Ihres Arbeitnehmers. Solche Beiträge können bis zu einer bestimmten Höhe (ab 2009 bis zu 1.800 Euro im Jahr) pauschaliert mit 21,1 % (Lohnsteuer plus Soli) versteuert werden.

Fahrkostenzuschuss:
Zusätzlich zum Arbeitslohn können Sie Ihren Mitarbeitern einen Zuschuss für die Nutzung des eigenen Pkw für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte gewähren und hierfür bei Freiheit von Sozialabgaben die Lohnsteuer mit pauschalierten 15 % selbst übernehmen.

Firmenwagen: Zunehmend wird Mitarbeitern ein Geschäftswagen nach dem Prinzip der Gehaltsumwandlung angeboten. Dabei verzichtet der Arbeitnehmer auf Teile des Gehalts und erhält dafür einen geleasten Dienstwagen, den er auch privat nutzen darf. Er spart so die Finanzierung des Autos und profitiert von den Großkunden-Leasingkonditionen des Arbeitgebers. Wenn er den Wagen auch privat nutzt, muss er den privat genutzten Anteil als geldwerten Vorteil versteuern.

Gelegenheitsgeschenke: Freiwillige Sachzuwendungen, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer oder dessen Angehörigen aus besonderem Anlass gewährt (z.B. Blumen, Pralinen, Bücher, CDs zu persönlichen Ereignissen wie Geburtstag, Hochzeit, Beförderung oder bestandene Prüfung) sind bis zu 40 Euro lohnsteuerfrei. Dazu gehören auch Getränke und Genussmittel, die der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern im Betrieb unentgeltlich oder teilentgeltlich überlässt. Merke: Geldgeschenke sind stets steuerpflichtig!

Gutscheine: Erhalten Arbeitnehmer neben dem Arbeitslohn von Ihnen Gutscheine für Waren oder Dienstleistungen zur Einlösung bei Dritten, sind diese Zuwendungen grundsätzlich lohnsteuer- und sozialabgabenpflichtig. Sie bleiben nur dann steuer- und beitragsfrei, wenn alle vergleichbaren Sachbezüge beim Arbeitnehmer insgesamt 44 Euro im Kalendermonat nicht übersteigen.

Kinderbetreuung: Zusätzlich zum Arbeitslohn erbrachte Leistungen des Arbeitgebers zur Unterbringung und Betreuung nicht schulpflichtiger Kinder bleiben steuerfrei. Hierzu zählt auch eine kostenlose Betreuung in firmeneigenen Einrichtungen. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer müssen hierfür Steuern und Sozialabgaben entrichten. Der Betrieb kann die Ausgaben sogar gewinnmindernd von der Steuer absetzen.

Kommunikation:
Grundsätzlich steuerfrei bleiben Vorteile aus der privaten Nutzung betrieblicher Computer, Internet- oder Telefoneinrichtungen sowie für Mobiltelefone im Auto. Auch die vom Arbeitgeber getragenen laufenden Kosten sind befreit. Wichtig: Die Ausstattung nur leihen, nicht schenken!

Mahlzeiten: Wenn die Mitarbeiter mit einem kostenlosen Mittagessen versorgt werden, müssen diese für den Betrag von maximal 2,87 Euro (2012) pro Tag Steuern und Abgaben leisten. Tipp: Sie können den Vorteil auch pauschal mit 15 % versteuern. Dann bleiben die Zuwendungen sozialversicherungsfrei.

Tankgutscheine: Damit die Tankfüllung steuer- und abgabenfrei bleibt, müssen Arbeitgeber einige Regeln beachten. Der Betrieb darf bis 44 Euro im Monat für Tankgutscheine ausgeben. Darüber hinausgehende Beträge werden zu steuer- und abgabepflichtigem Lohn. Auf dem Gutschein müssen die Tankstelle wie auch die Art und Menge des Treibstoffs angegeben sein. Ein fester Eurobetrag darf dort nicht stehen. Tipp: Tankgutscheine nur gegen Quittung mit Datum und Unterschrift aushändigen.

Fazit

Geldwerte Vorteile sind für den Arbeitnehmer meist günstiger als entsprechende Gehaltserhöhungen und wirken sich nicht selten auch für den Arbeitgeber positiv aus.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Klaus Linke

Bilder soweit nicht anders deklariert: Klaus Linke