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Die PZR ist eine zahnärztliche Leistung

© Gerd Altmann/pixelio.de
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Im Rahmen einer Auseinandersetzung zwischen Patientin und Zahnarzt um ein nicht vollumfänglich in Anspruch genommenes PZR-Abo wurde darüber hinaus geklärt, dass eine PZR keine rein kosmetische, sondern eine zahnärztliche Leistung im Sinne der Ausübung des Zahnheilkundegesetzes ist. Sie ist aber auch eine delegierbare Leistung. Wie sehr die Delegation vom konkreten Inhalt der zu erbringenden Leistung abhängt, zeigt dieses Beispiel.

Kernaussage

Die PZR ist eine zahnärztliche Leistung (Beschluss des Berufsgerichts für Heilberufe Münster, 4. Kammer, vom 07.12.2011, Az. 18 K 1721/10.T).

Der Fall

In diesem Verfahren ging es um verschiedene Dinge, über die ein Zahnarzt mit einer Patientin stritt. In einer dieser Fragen wurde im Rahmen des Verfahrens bestätigt, dass es sich bei der PZR um eine zahnärztliche Leistung im Sinne des § 1 ZHG und im Sinne der GOZ handelt.

Aus den Entscheidungsgründen

„[D]er Antragsteller [kann sich] nicht mit Erfolg darauf berufen, das von ihm angebotene ‚PZR-Abo‘ sei von vornherein berufsrechtlich nicht relevant, weil er die professionelle Zahnreinigung nicht als zahnärztliche Leistung im Sinne der Gebührenordnung für Zahnärzte, sondern als zusätzliche kosmetische Wahlleistung anbiete. Entgegen dieser Auffassung kann die professionelle Zahnreinigung nicht lediglich als rein kosmetische Leistung angesehen werden. Vielmehr handelt es sich hierbei um Ausübung der Zahnheilkunde im Sinne von § 1 Abs. 3 Satz 1 des Gesetzes über die Ausübung der Zahnheilkunde – ZHG – (vom 16. April 1987, BGBl. I S. 1225) und damit um eine zahnärztliche Leistung im Sinne von § 4 Abs. 2 GOZ.

Ausübung der Zahnheilkunde liegt vor, wenn die Tätigkeit nach allgemeiner Auffassung medizinische Fachkenntnisse voraussetzt und wenn die Behandlung gesundheitliche Schädigungen verursachen kann. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die Tätigkeit ausschließlich kosmetische Zwecke verfolgt. Die kosmetische Zielsetzung eines Eingriffs kann die Bewertung nicht ausschließen, der Eingriff sei der Ausübung der Heilkunde zumindest gleichzustellen. Maßgeblich ist die Erkenntnis, dass auch Eingriffe, die zu ästhetischen Zwecken vorgenommen werden, gesundheitliche Schädigungen verursachen können und daher dem Schutzzweck des Gesetzes über die Ausübung der Zahnheilkunde unterfallen. […]

Hiervon ist bei der professionellen Zahnreinigung auszugehen. Diese ist eine Intensivreinigung mit Spezialinstrumenten, mit dem Ziel, alle krank machenden oder kosmetisch störenden Beläge auf der Zahnoberfläche zu entfernen. Dabei kommen verschiedene Geräte und Instrumente zum Einsatz. Unter anderem werden mittels Schallschwingungen, Pulver-Wasser-Spray sowie durch den Einsatz von Handinstrumenten Beläge von der Zahn- und der erreichbaren Zahnwurzeloberfläche sowie der Zahnzwischenräume entfernt. Vgl. Patienteninformation ‚Professionelle Zahnreinigung (PZR)‘ der Bundeszahnärztekammer – www.bzaek.de .

Auch wenn dabei eine möglichst schonende Belagentfernung erreicht werden soll, können gesundheitliche Schädigungen durch die professionelle Zahnreinigung nicht ausgeschlossen werden. So führt etwa die Anwendung des Airflow-Verfahrens auf kariesfreiem Zahnschmelz zwar zu keinen Beschädigungen der Schmelzoberfläche. Einschränkungen ergeben sich insoweit jedoch in Bezug auf Zahnschmelz mit einer initialen Demineralisation, welcher durch die Bearbeitung mit Wasser-Pulverstrahlgeräten so beschädigt werden kann, dass eine Remineralisation nicht mehr möglich ist. Bei Patienten mit hohem Plaqueaufkommen und erhöhtem Kariesrisiko dürfen Beläge auf den Zähnen nicht primär mit einem Wasser-Pulverstrahlgerät entfernt werden. Um dies zu erkennen, sind medizinische Kenntnisse im oben genannten Sinne erforderlich. Darüber hinaus handelt es sich bei einer irreversiblen Demineralisation des Zahnschmelzes um einen erheblichen Eingriff in die körperliche Integrität des Patienten mit der Folge, dass die Tätigkeit grundsätzlich dem Zahnarztvorbehalt unterfällt. Problematisch stellt sich auch die Anwendung von Wasser-Pulverstrahlgeräten auf Dentin, dem Zahnbein, dar, da dieses wesentlich weicher als Zahnschmelz ist und eine erheblich geringere Resistenz gegen Abrasionsbeanspruchung aufweist. Dieser Umstand setzt, ebenso wie der weitere Umstand, dass die Anwendung von Wasser-Pulverstrahlgeräten auf Restaurationen zu Schäden führen kann, ein auf zahnärztlich wissenschaftliche Erkenntnisse gestütztes medizinisches Wissen voraus und unterliegt damit ebenfalls dem Zahnarztvorbehalt. Des Weiteren besteht auch bei Patienten mit z.B. Blutgerinnungsstörungen oder einem Endokarditisrisiko eine erhebliche Gefahr, dass es durch die Anwendung von Wasser-Pulverstrahlgeräten zu Mikroverletzungen des Zahnfleisches und zu Blutungen bzw. zu einer Herzentzündung kommen kann. Dasselbe gilt auch für Patienten mit Hepatitis oder HIV.“

Fazit

Bei zahnärztlichen Leistungen (im Sinne der Ausübung des Zahnheilkundegesetzes) ist immer die Frage zu stellen, ob die Leistung delegierbar ist. Bei der PZR ist dies regelmäßig zu bejahen.


Aus: Susanna Zentai, Frank Heckenbücker: „Die Delegation in der zahnärztlichen Behandlung“, Spitta Verlag 2013


Anmerkung der Redaktion:
Das Thema Delegation ist bereits seit Jahren durch das ZHG und die Stellungnahmen der BZÄK (Delegationsrahmen der Bundeszahnärztekammer für Zahnmedizinische Fachangestellte. Novelliert und beschlossen vom Vorstand der Bundeszahnärztekammer am 16. September 2009) klar definiert. Das hier angeführte Urteil zeigt deutlich, dass Gerichte in ihrer Urteilsfindung dieser vorgegebenen Linie folgen. Umso unverständlicher erscheint es daher in diesem klar definierten Handlungsrahmen, dass es Kollegen gibt, die entweder in Unkenntnis oder Selbstherrlichkeit gegen diese Richtlinien verstoßen.
Fazit: Wer delegiert, sollte sich vorher mit der rechtlichen Grundlage vertraut machen. Die PZR als kosmetische Leistung zu bezeichnen ist juristisch und wissenschaftlich mehr als kurzsichtig.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Susanna Zentai - RA Frank Heckenbücker

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Susanna Zentai , RA Frank Heckenbücker