Rechtstipps

Zahnaufhellung kann Teil einer umsatzsteuerfreien Heilbehandlung sein

Bleaching nicht immer umsatzsteuerpflichtig

22.06.2015

(c)Klicker/pixelio.de
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Bleaching-Behandlungen gehören gemeinhin zu den zahnärztlichen Leistungen, die der Umsatzsteuer unterliegen. Dies meint zumindest die Finanzverwaltung. Doch Bleaching ist nur dann umsatzsteuerpflichtig, wenn es aus rein kosmetischen Gründen erbracht wird. Dies ist der Fall, wenn ein Bleaching auf den individuellen Wunsch eines Patienten durchgeführt wird, um seinen gesunden Zähnen ein helleres Erscheinungsbild zu verschaffen, das vom natürlichen Aussehen seiner Zähne abweicht. Oftmals soll aber auch Verfärbungen der Zähne durch Rotwein, Tee oder Nikotin entgegengewirkt werden.

Es ist sicher nicht abzustreiten, dass jedes Bleaching auch eine kosmetische Komponente hat. Doch diese ist nicht immer ausschlaggebend. Wird mit einer Zahnaufhellung ein therapeutisches Ziel verfolgt, so kann es sich um eine umsatzsteuerfreie Heilbehandlungsleistung handeln. Entscheidend ist zwar, ob eine Behandlung medizinisch notwendig ist und darauf abzielt, einen Zahn wiederherzustellen.

Dunkelfärbung von Zähnen kann krankheitsbedingt sein

Zähne können durch eine Erkrankung, aber auch im Zuge der Behandlung einer Zahnerkrankung dunkler werden. So kann es nach einer Wurzelbehandlung infolge eines nicht mehr umkehrbaren entzündlichen Prozesses zu einer sehr deutlichen Dunkelfärbung des Zahnes kommen. Das Bleaching hat in diesen Fällen ein unmittelbares therapeutisches Ziel, nämlich dem ursprünglichen, gesunden Zustand möglichst nahezukommen. In einem vom Finanzgericht Schleswig-Holstein zu entscheidenden Fall hatte ein Zahnarzt einige Monate nach dem erfolgreichen Abschluss einer Wurzelbehandlung eine Zahnaufhellung an den nervtoten Zähnen durch Einbringen eines Bleichmittels durchgeführt und die Entgelte als umsatzsteuerfrei behandelt.

Bleaching kann umsatzsteuerfrei sein

Das Bleachen entfaltet zwar auch bei einem erkrankten und nach erfolgreicher Wurzelbehandlung nachgedunkelten Zahn keine über das Aufhellen des Zahnes hinausgehende therapeutische Wirkung, wie z. B. den Schutz gegen (erneute) Zahnerkrankungen. Auch konnte in dem entschiedenen Fall die vorangegangene Zahnbehandlung ohne das Bleaching durchgeführt und abgeschlossen werden. Dennoch behandelten die Finanzrichter das Bleaching als umsatzsteuerfrei. Sie betonten, dass eine umsatzsteuerfreie Heilbehandlung auch dann vorliegen kann, wenn durch sie die (optischen) Folgen einer Krankheit oder einer medizinisch indizierten Heilungsmaßnahme beseitigt werden. Die Behandlung muss also einen Teil einer gegebenenfalls auch zeitlich gestreckten Gesamtbehandlung der Gesundheitsstörung bilden, mit der – soweit möglich – der Status quo ante des behandelten Körperteils wiederhergestellt wird.

Hinweis

Die Voraussetzungen für eine medizinische Indikation im umsatzsteuerrechtlichen Sinne sind also nicht nur dann erfüllt, wenn eine Behandlung die Ursache einer Gesundheitsstörung beseitigt. Sie sind auch dann erfüllt, wenn deren Folgen beseitigt werden. Dies gilt zwar selbst dann, wenn diese in einer optischen Beeinträchtigung wie dem Dunkelfärben der Zähne zu sehen sind. Ob auch die obersten Finanzrichter diese Auffassung teilen werden, bleibt jedoch abzuwarten. Bis zu einer Entscheidung des Bundesfinanzhofes empfehlen wir Zahnärzten, sich auf das anhängige Revisionsverfahren zu berufen und Zahnaufhellungen im Nachgang zu erfolgreich abgeschlossenen Wurzelbehandlungen als umsatzsteuerfrei zu behandeln.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Daniel Lüdtke

Bilder soweit nicht anders deklariert: Daniel Lüdtke