Praxisorganisation


Berühren, informieren, überzeugen: Videobotschaften aus der Zahnarztpraxis – so geht es!

© parsmedia GmbH – parsmedia.info
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Ein Blick in die Weiten des Internets zeigt: Videos sind in! Bewegte Bilder flimmern auf allen Kanälen und Portalen. Ihre Botschaften transportieren sie auf vielfältige Art und Weise und mit deutlich unterschiedlicher Qualität. Eins haben sie dabei – in der Regel – alle gemeinsam: Videos erhöhen die Aufmerksamkeit und lenken die Blicke auf das Wesentliche! Das gilt natürlich auch für die Kommunikation der Zahnarztpraxis. Aber worauf sollte man achten, wenn die Praxis, das Team und die Patienten mit bewegten Bildern in Szene gesetzt werden sollen? Der frühere TV-Journalist Klaus Schenkmann, heute Geschäftsführer der parsmedia Gesellschaft für Dentale Kommunikation, gibt im folgenden Beitrag eine Einführung in die Welt der Videoproduktion.

Vielleicht kennen Sie diese Filme ja auch? Einem wackeligen Schwenk aus heiterem Himmel folgt das erste aussagekräftige Standbild – das Praxisschild! Dort steht exakt das, was uns der Sprecher (gerne Dr. Mustermann selber) parallel dazu vorliest: „Herzlich willkommen in unserer Gemeinschaftspraxis für Implantologie und ästhetische Zahnheilkunde in Musterstadt!“ Es folgen mehrere Minuten unterschiedlicher Bilder und Impressionen. Hier erleben wir dann den Versuch, sämtliche Informationen einer kompletten Praxisbroschüre und der Internetseite der Praxis unterzubringen. Da werden endlose Sätze auf beliebige Bilder gesprochen und der überraschte Zuhörer erfährt, dass die Praxis erstaunlicherweise das „gesamte Spektrum der modernen Zahnheilkunde“ anbietet.

Zielführend und damit erfolgreich sind solche Videoproduktionen in der Regel nicht. Es wird übrigens nicht besser, wenn der Praxis die teils hohen Produktionskosten mit einem sinnlosen „Extra-Clip“ auf irgendwelchen Internetportalen versüßt werden – auch diese Angebote sind dem einen oder anderen Zahnmediziner sicher bekannt. Hier sagen wir ganz klar: Finger weg!

Wir können auch anders ... !

Die sehr direkte Ansprache via Bild, Ton, Grafik und Animation bietet unbestrittene Vorteile und Möglichkeiten. Bewegte Bilder, die Emotionen und Informationen direkt in die Köpfe und Herzen der Betrachter schicken, zahlen auf unterschiedliche Ziele der Praxis ein:Die Marke und das Image der Praxis werden gestärkt.

  • Die Bekanntheit der Praxis und die ihrer Leistungen werden erhöht.
  • Patienten und Mitarbeiter werden angesprochen und an die Praxis gebunden.
  • Potenzielles Personal wird auf die Praxis aufmerksam.
  • Video-Content hält Besucher auf der Internetseite der Praxis und hat einen positiven Einfluss auf die Suchmaschinen.
  • Die Reichweite von Themen und Botschaften in den sozialen Netzwerken wird erhöht.
  • Online-Anzeigen erhalten mehr Aufmerksamkeit und die Klickraten steigen.

„Na, das ist ja toll!“, werden Sie jetzt denken. Ist es auch, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die zentrale Frage lautet dabei nicht, welche Art von Video wir benötigen, sondern wen wir mit unseren Botschaften erreichen möchten. Sie können der 25 Jahre alten Single-Frau auf Partnersuche eine professionelle Zahnaufhellung nahebringen und die aktive, aber zahnlose Rentnerin von einer hochwertigen Implantatversorgung überzeugen.


Mit jedem einzelnen Video müssen Sie die Bedürfnisse und Erwartungen Ihrer zuvor definierten Zielgruppe erfüllen! Darin unterscheidet sich das bewegte Bild nicht von den Texten Ihrer Internetseite oder von Ihrer Praxisbroschüre.


Was ist also nötig, damit das „Projekt Praxisfilm“ nicht zum audiovisuellen Flop wird? Am Beispiel der potenziellen Implantat-Patientin werden die wichtigsten Fragen rund um eine Videoproduktion beantwortet:

  • Wen und was möchten Sie mit Ihrem Video erreichen?
  • Welche Art von Video benötigen Sie dafür?
  • Was müssen Equipment und Technik leisten?
  • Wird ein Autor und Regisseur benötigt?
  • Welche Darsteller benötigen wir?
  • Wie verbreiten wir unser Video im Internet?

Und ganz zum Schluss beantworten wir – vielleicht – auch die Frage nach den Kosten.

So planen Sie den Praxisfilm richtig: Wissen, für wen und warum!

Wenn wir nicht wissen, wohin wir wollen, dann finden wir auch nicht den richtigen Weg. Das gilt für jede Form der Kommunikation – auch für das Praxisvideo! Also schauen wir uns die rüstige Rentnerin und die implantologisch tätige Zahnarztpraxis einmal genauer an:

Die Ausgangssituation: Die Praxis bietet ihren Patienten eine hochwertige implantologische Versorgung für den zahnlosen Kiefer an. Die Behandlungsmethode für „Feste Zähne an einem Tag“ kann für die Betroffene eine lange Zeit mit stark eingeschränkter Lebensqualität beenden – sofern die Voraussetzungen stimmen.

Auf regelmäßigen Informationsabenden erläutern der Arzt und sein Team die Vorteile der Methode und den Ablauf der Behandlung. Die Internetseite der Praxis bietet auf einer speziellen Unterseite („Landingpage“) alle Informationen zur Behandlungsmethode. Eine Facebook-Seite und ein YouTube-Kanal sind online und werden regelmäßig bespielt.

Aufgabe der Kommunikation: Im Vordergrund stehen weniger die Informationen zu den technischen Abläufen und medizinischen Hintergründen einer Implantation. Patienten, die viele Jahre mit der lockeren Totalprothese durch das Leben gegangen sind, suchen keine technischen Abläufe. Sie wollen nicht wissen, dass man ihnen mit mehreren Schrauben im Kiefer den Zahnersatz befestigt. Diese Patienten suchen eine Lösung für Genuss und Spaß am Leben!

Das Ziel der Videobotschaft: Menschen, die eine Alternative zur Totalprothese suchen, sollen sich in den Patienten-Interviews wiedererkennen. Sie sollen sehen, dass es Lösungen gibt und dass anderen Menschen schon geholfen werden konnte. Durch die emotionalen Botschaften der Patienten-Interviews entsteht so der Wunsch nach genau dieser Lösung, nach dieser Behandlungsmethode. Die Implantologen und Teams der Praxis müssen diesen Aspekt auf ihren Patientenveranstaltungen nicht mehr erläutern – ein großer Teil aufwendiger Überzeugungsarbeit kann so entfallen.

  • © parsmedia GmbH – parsmedia.info

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Das geeignete Videoformat: Das authentischste und wirkungsvollste Format ist das Patienten-Interview. In einer Länge von bis zu zwei Minuten erzählen die Patienten in prägnanten und emotionalen Aussagen über das neue Lebensgefühl durch „festen Zahnersatz auf Implantaten“!

Vorteile

+ hohe Glaubwürdigkeit und Wiedererkennung beim Betrachter

+ ein sehr gutes Verhältnis von Produktionsaufwand und Anzahl möglicher Videos

+ die quadratische Darstellung ist problemlos möglich und der mobile Einsatz auf Portalen wie Instagram und Facebook deutlich optimiert

+ vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Praxis und im Internet

Nachteile

- ohne Ton geht es nicht

Die Patientenauswahl: Die Auswahl der geeigneten Protagonisten ist für viele Praxen zunächst einmal eine Herausforderung. Nicht jeder Patient möchte gerne von seiner Zahnlosigkeit und den damit verbundenen Gefühlen erzählen. Auch eine gewisse Scheu vor dem unbekannten Medium – der Kamera – muss überwunden werden.

Wir haben aber im Laufe der Zeit eine wichtige Erfahrung gemacht: Viele Patienten sind dankbar, dass ihnen geholfen wurde. Sie möchten der Praxis etwas zurückgeben und anderen Menschen erzählen, dass es Lösungen gibt. Suchen Sie für Ihre Produktion Patienten mit unterschiedlichen Geschichten, aus verschiedenen Altersgruppen und möglichst Frauen und Männer – so sprechen Sie diverse Zielgruppen und Patiententypen an!


Wichtig: Die Praxis benötigt von jedem Patienten eine Abtretung der Bildrechte und eine Freigabe zur Nutzung im Internet und vor allem auf Netzwerken wie Facebook und Co. Agenturen und Produktionsfirmen haben solche Erklärungen in der Regel vorbereitet!


Das Produktionsteam: Das Interview ist eine der Grundlagen des journalistischen Handwerks. Hier sollten Sie darauf achten, dass die Produktion von einem erfahrenen Redakteur begleitet wird. Die Patienten müssen sicher und emotional durch das Gespräch geführt werden, um letztlich die passenden Aussagen zu treffen. In der Regel bietet der Redakteur auch eine telefonische Vorbereitung und Abstimmung mit den Patienten im Vorfeld der Produktion an.

Solange es nur um die Aufnahme einzelner Videos geht, reicht in der Regel das klassische Ein-Mann-Team für die technische Umsetzung aus. Erfahrene Produzenten sind versiert im Umgang mit Kamera, Licht und Ton. Auch der nötige Puder, um glänzende Gesichter etwas zu mattieren, gehört zur Grundausstattung.

Die Produktion: Ein einzelner Produktionstag (ca. acht Stunden) reicht aus, um vier bis sechs Patienten-Interviews entspannt und professionell in Szene zu setzen. Je nach Anzahl der Patienten können zudem einige Impressionen und Szenen in der Praxis gedreht werden, um filmische Übergänge zu den einzelnen Aussagen der Patienten zu schaffen. Hier besprechen Sie die Möglichkeiten und Voraussetzungen mit dem Produktionsteam im Vorfeld.

Idealerweise steht ein Raum zur Verfügung, in dem Tonaufnahmen ungestört möglich sind. Dann kann der Praxisbetrieb weiterlaufen, wenn keine weiteren Szenen in der Praxis gedreht werden sollen. Sollte keine Vorbesichtigung der Praxis möglich sein, schicken Sie dem Produktionsteam Fotos Ihrer Räumlichkeiten – so können sich die Profis schon einmal ein Bild machen.

Die Postproduktion: Nachdem der Redakteur das Drehmaterial gesichtet und die relevanten Aussagen mit der Praxis abgestimmt hat, montiert der Produzent die einzelnen Szenen am Schnitt-Computer. In der Regel werden pro Drehtag zwei Schnitt-Tage kalkuliert – bei reinen Interview-Formaten kann es auch mal schneller gehen. Erläuternde Grafiken, Untertitel und unterstützende Musik geben den einzelnen Clips dann den letzten Schliff.


Es gibt viele Möglichkeiten, Musik kostenfrei im Internet herunterzuladen. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass sie für jeden Zweck lizenzfrei genutzt werden darf. Lassen Sie sich hier von Ihrer Agentur beraten!


Videos im Einsatz: Aus der Praxis in die Online-Welt

Sind alle Videos fertig produziert, stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es weiter? Neben dem Einsatz in der Praxis oder im Rahmen von Veranstaltungen geht es v. a. um die strategische Nutzung der Clips im Internet. Zu Beginn sind daher folgende Punkte wichtig:

  • Positionierung der Videos mit den relevanten Suchbegriffen und Informationen für Suchmaschinen (Google) und Suchende (Patienten)!
  • Integration in vorhandene Strukturen der Website für mehr Relevanz bei Nutzern und Suchmaschinen!
  • Verteilung der Clips im Internet für Reichweite und Aufmerksamkeit!

Auch hier gibt es sicher verschiedene Möglichkeiten und Verfahren – je nach Strategie. Beraten Sie sich hierzu mit der Agentur, die Sie rund um Ihren Online-Auftritt und Ihre Reputation im Internet betreut. Grundsätzlich sollte der folgende Weg eingehalten werden:

 

 

  1. Online auf dem YouTube-Kanal der Praxis: Es gibt heute diverse Videoplattformen, auf denen Filme online präsentiert werden können. Der Google-Kanal „YouTube“ – mit Google und Amazon das größte Suchportal weltweit – bietet beste Voraussetzungen, um auch mit den Videos im Netz gefunden zu werden.
  2. Einbindung in die Praxis-Website: Platzieren Sie die Videos dort, wo Sie auf Ihrer Website die höchste Aufmerksamkeit für bestimmte Themen erzielen wollen. Im Idealfall gibt es eine informative Unterseite oder eine Landingpage zum Thema „Implantate/fester Zahnersatz“. Hier erhöhen Sie mit Video-Content die Verweildauer der Besucher und damit auch die Relevanz der Seite für Google. Mit der Telefonnummer oder dem Kontaktformular direkt neben dem Video kann der Patient dann den direkten Kontakt zur Praxis herstellen.
  3. Verbreitung via Facebook und Co.: Wenn niemand Ihre Videos bewusst sucht, wird er sie auch nur schwer finden. Also nutzen Sie Netzwerke wie Facebook oder Instagram, um Ihre interessanten Inhalte zu teilen. Gerade Videos werden online gerne weiterverbreitet und gelten aktuell als der Content mit der größten Viralität (Verbreitung) und Interaktion im Netz. Auch Online-Anzeigen erzielen höhere Klickraten, wenn sie durch bewegte Bilder Aufmerksamkeit erzielen.

Klappe, die letzte: Zum guten Schluss!

Sie haben einen wichtigen Aspekt vermisst in diesem Artikel? Richtig, jetzt möchten Sie wissen, was so eine Videoproduktion denn kostet. Diese Frage ist ganz leicht zu beantworten – mit einer Gegenfrage: „Was kostet ein Auto?“ Es kommt halt immer darauf an, wohin die Fahrt gehen soll und wen Sie so alles mitnehmen möchten.

Um Praxen und Patienten professionell in Szene zu setzen, gibt es natürlich unterschiedliche Formate: von der immer beliebteren Form der Erklärvideos im Comic-Style bis zur 360°-Präsentation der gesamten Praxis. Letztlich entscheiden Strategien und Budgets über die Möglichkeiten einer Videoproduktion.

Und ja – es ist natürlich möglich, mit dem eigenen Smartphone Videos aufzunehmen. Die Technik moderner Handkameras produziert Videos in höchster Qualität und diverse Apps und Programme lassen der Kreativität bei Dreh und Schnitt grenzenlosen Raum. Aber auch hier sollte der Umgang mit der kleinen Kamera geübt sein und das Ergebnis wird ansehnlich. Denn so, wie Ihre Außendarstellung wahrgenommen wird, werden Sie auch als Zahnarztpraxis wahrgenommen. Die Qualität Ihrer Videos oder Ihrer Website wird dann schnell mit der Behandlungsqualität gleichgesetzt.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Klaus Schenkmann


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