Praxismangement


Konsensuspapier zum Biofilmmanagement im Praxisalltag

Abb. 1: Das Air-Flow Master Piezon® von EMS für eineeffektive Biofilmreinigung.
Abb. 1: Das Air-Flow Master Piezon® von EMS für eineeffektive Biofilmreinigung.

Am 07. Juni 2012 fand während der 7. Europerio in Wien eine Konsensuskonferenz zum Thema mechanisches Biofilmmanagement statt. Diese hatte zum Ziel, einen Überblick über die aktuelle Literatur hinsichtlich Evidenz und klinischer Relevanz der Anwendung des subgingivalen Air-Polishing zu geben sowie Empfehlungen für die tägliche Praxis auszusprechen. Die Konferenz wurde von der ADIC (Association for Dental Infection Control) mit Sitz in Cheserex/Schweiz veranstaltet*.

In den vergangenen Jahren hat sich die Indikation für den Einsatz der „Air-Polishing-Therapie“ durch die Entwicklung neuer Geräte und die Einführung gering abrasiver Pulver vom rein supragingivalem zum subgingivalem Biofilmmanagement rasant weiterentwickelt. Eine Vielzahl von Studien zum Gebrauch der neuen Geräte in Verbindung mit den neuen Pulvern beim subgingivalen Biofilmeinsatz sind veröffentlicht worden. Das Konsensuspapier fasst hierzu die wichtigsten Rückschlüsse und Ergebnisse für den Zahnarzt im Praxisalltag zusammen [1].

Auszug aus dem Konsensuspapier

1. Die epidemiologisch bedeutendsten Erkrankungen der Mundhöhle (Karies, Gingivitis und Parodontitis) werden durch bakterielle Biofilme hervorgerufen.

2. Bei der Vorbeugung/Bekämpfung dieser Erkrankungen spielt das mechanische Management bakterieller Biofilme eine entscheidende Rolle.

3. Bakterielle Biofilme, Zahnstein und Verfärbungen können durch Handinstrumentierung unter Verwendung von Scalern und Küretten und durch elektrische Instrumentierung unter Verwendung von (piezokeramischen oder magnetostriktiven) Schall- oder Ultraschallgeräten von supra- und subgingivalen Zahnoberflächen entfernt werden. Pulverstrahlgeräte haben sich im Entfernen von supra- und subgingivalem Biofilm und supra- und subgingivalen Verfärbungen als effizient erwiesen. Die unterschiedlichen Instrumentierungstechniken können separat oder in Kombination angewandt werden.

4. Piezokeramische Technologien zeichnen sich aufgrund einer Reihe von Vorteilen gegenüber manuellen Reinigungsmethoden unter Verwendung von Scalern oder Küretten aus:

  • Durch Ihre höhere Effizienz im Vergleich zu Handinstrumenten ermöglichen Sie kürzere Behandlungssitzungen [2, 3, 4].
  • Sie rufen im Vergleich zu Küretten eine geringere Reizung der Nervenwurzel beim Patienten hervor und können daher höhere Akzeptanz bei Patienten finden [3, 5].
  • Bei der Behandlung von Parodontitis gibt es keine Unterschiede in den klinischen Ergebnissen zwischen Débridement durch Handoder Ultraschallinstrumente [3, 5, 6].
  • Es ist jedoch festzustellen, dass die oben genannten Vorteile nur dann zum Tragen kommen, wenn gut ausgebildete Behandler diese Verfahren durchführen.

5. Die Indikationen für die Anwendung von Pulverstrahlgeräten wurden in den vergangenen Jahren vom supragingivalen Air-Polishing (Air-Flow) auf das subgingivale Air-Polishing (Perio-Flow) ausgeweitet (Abb. 1). Insbesondere die Entwicklung neuer niedrigabrasiver Pulver auf Glycin-Basis und Geräte mit Subgingivaldüsen bieten besseren Zugang zu subgingivalen Bereichen und Zahnzwischenräumen.

Studien haben Folgendes gezeigt:

  • In flachen Taschen (bis zu 4 mm Sondierungstiefe) entfernen supragingival angewendete niedrigabrasive Pulver, welche (unter Verwendung eines Air-Flow-Handstücks) in die Taschen eingebracht werden, subgingivalen Biofilm erheblich wirksamer als Küretten [7].
  • In mitteltiefen Taschen (? 5 mm Sondierungstiefe) entfernen subgingival angewendete niedrigabrasive Pulver (unter Verwendung eines Perio-Flow- Handstücks mit Subgingivaldüse) subgingivalen Biofilm erheblich wirksamer als Küretten [8].
  • Bei den klinischen und mikrobiologischen Ergebnissen bis zu 3 Monaten nach der Behandlung gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen subgingival angewendetem Air-Polishing mit Glycin-Pulver (Perio-Flow-Handstück) (Abb. 2), Ultraschall-Débridement oder Débridement mit Handinstrumenten [9, 10].
    • Abb. 2: Perio-Flow-Airpolishing in der Erhaltungstherapie.

    • Abb. 2: Perio-Flow-Airpolishing in der Erhaltungstherapie.
  • Es hat sich gezeigt, dass Glycin-Pulver-Air-Polishing des gesamten Mundraums zu einem erheblich verringerten Auftreten von Porphyromonas gingivalis im Mundraum führt [8].
  • Bei Verwendung von subgingival angewendetem Air-Polishing mit Glycin-Pulver (Perio-Flow-Handstück) kann subgingivaler Biofilm in einer deutlich kürzeren Zeit entfernt werden als mit subgingivalem Debridement durch Hand- oder Elektroinstrumente [9, 10].
  • Air-Polishing auf Glycin-Basis wird im Allgemeinen als komfortabler als elektrische Instrumentierung oder Handinstrumentierung wahrgenommen [9, 10, 11].
  • Die Evidenz der Wirksamkeit von Air-Polishing mit Glycin-Pulver leiten sich aus Studien ab, in die Patienten aufgenommen wurden, die eine parodontale Erhaltungstherapie erhielten.
  • Mineralisierte Ablagerungen (Zahnstein) müssen durch elektrische Instrumente oder Handinstrumente entfernt werden.
  • Subgingivales Air-Polishing mit Glycin-Pulver ist bei empfehlungsgerechter Anwendung sicher [8, 9, 12, 13] (Abb. 3). 

 

  • Abb. 3: Air-Flow-Pulver auf Glycinbasis sind besonders feinkörnig.

  • Abb. 3: Air-Flow-Pulver auf Glycinbasis sind besonders feinkörnig.
Im nächsten Teil lesen Sie – basierend auf der Konsensuskonferenz auf der Europerio 2012 – die Ergebnisse über das Zahnstein- und Biofilmmanagement sowie die Implantatbetreuung.

*Teilnehmer an der Konferenz unter Leitung von Dr. Klaus-
Dieter Bastendorf und Christian Becker (beide ADIC Association for Dental Infection Control) waren: Bernita Bush (Bern); Prof.Johannes Einwag (Stuttgart); Prof Thomas Flemming (Seattle); Carmen Lanoway (München); Prof. Ursula Platzer (Hamburg); Prof. Petra Schmage (Hamburg); Brigitte Schoeneich (Zürich); Prof. Anton Sculean (Bern); Dr. Clemens Walter (Basel); Prof. Jan Wennström (Göteborg).

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Klaus-Dieter Bastendorf

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Klaus-Dieter Bastendorf