Prophylaxe


Xylitol – Zur sinnvollen Ergänzung der Prophylaxe

28.11.2018

Ob Kaugummis, Lutsch-Drops oder Pulver: Hager & Werken bietet ein breites Portfolio an Produkten mit Xylitol.
Ob Kaugummis, Lutsch-Drops oder Pulver: Hager & Werken bietet ein breites Portfolio an Produkten mit Xylitol.

Die Gesundheitsministerien von Finnland, Italien und Japan und eine wachsende Anzahl nationaler europäischer Zahnarztverbände empfehlen es bereits für eine aktive Mundgesundheitsvorsorge: Xylitol (Xylit). Aber was ist so besonders an Xylitol? Sind die positiven Eigenschaften wie antikariogene Wirkung und Remineralisierung des Zahnschmelzes evidenzbasiert?

Diese und andere Fragen beschäftigen momentan die Fachwelt. Fakt ist, dass die sehr umfangreich angelegte Turku-Studie (1970–1976) eine Reduktion von Karies um 85% im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte [1] und seitdem eine Welle weiterer Studien ausgelöst hat. Diese bestätigen, unter der Schirmherrschaft der WHO, die signifikante Reduktion von Karies um 50–85% [2–4]. 

Keine künstliche Geschmacksverlängerung

Aber warum hat Xylitol nicht schon längst Einzug in unseren Alltag gehalten und wird immer noch kritisch hinterfragt? Eine mögliche Erklärung könnte neben fehlender Aufklärung auch ein wirtschaftlicher Faktor sein. Der Rohstoff Xylitol ist rund zwanzigmal teurer in der Herstellung als herkömmlicher Haushaltszucker und auch vielfach teurer als andere Zuckerersatz- und Zuckeraustauschstoffe. Seine Verarbeitung ist nicht nur aufwendiger, sondern auch kostspieliger.

Außerdem kann Xylitol im Gegensatz zu den synthetischen Süßungsmitteln wie Aspartam und Acesulfam den Geschmack nicht künstlich verlängern. Ausschließlich mit Xylitol gesüßte Kaugummis verlieren daher ihr natürliches Aroma nach ca. 5 Minuten, während ihre Gegenspieler dieses teilweise länger beibehalten können. Aber: Ein mit 100% Xylitol gesüßter Kaugummi hat bereits nach 5 Minuten seine volle Wirkung entfaltet und den durch Mahlzeiten signifikant herabgesetzten pH-Wert wieder neutralisiert.

Xylitol und Fluorid ergänzen sich

Neben den oben genannten evidenzbasierten Studien zu Xylitol besteht noch weiterer Forschungsbedarf zu bisher erkannten positiven Charakteristika des Zuckeraustauschstoffes. Emjoo Park et al. [5] gehen z.B. auf die entzündungshemmende Eigenschaft von Xylitol bei Porphyromonas gingivalis ein. Uittamo et al. [6] beschreiben die Wirkung von Xylitol auf Candida albicans und die Hemmung der kanzerogenen Wirkung von Acetaldehyd in der Mundhöhle, was besonders für Raucher interessant sein dürfte.

Xylitol kann Fluorid nicht ersetzen, viel wichtiger ist, es als sinnvolle Ergänzung zur Prophylaxe zu sehen. Kritiker weisen in Verbindung mit Xylitol gerne auf die Wirksamkeit von Fluoriden hin, verkennen dabei aber, dass die beiden Stoffe sich prima ergänzen. Xylitol, z.B. in Kaugummiform, ist auch dann leicht zur Hand, wenn keine Zahnbürste greifbar ist.

Nicht ohne Grund hat die Europäische Food Safety Authority (EFSA) zu 100% mit Xylitol gesüßten Kaugummis eine hohe Wirksamkeit gegen Karies zugebilligt, die antikariogene Wirkung offiziell bestätigt [7] und eine Lebensmittel-Gesundheitsaussage (Health Claim) zugelassen. Grundsätzlich sollten im Praxisalltag möglichst viele Produkte mit Xylitol eingesetzt werden. Um besonders gute Ergebnisse  für die Patienten zu erzielen, bieten sich u.a. zu 100% mit Xylitol gesüßte Kaugummis an. Das belegen von der EFSA ausgewertete Studien. Eine Analyse des Magazins Öko-Test (Ausgabe 09/2015) hat eine Vielzahl von Kaugummis untersucht und ausschließlich die reinen Xylitol-Kaugummis mit „sehr gut“ und „gut“ bewertet.

  • Forschungsergebnisse rund um Xylitol.
  • Forschungsergebnisse rund um Xylitol.
    © Hager & Werken

Neben Kaugummis gibt es noch zahlreiche gute Alternativen wie z.B. Lutsch-Drops oder Xylitolpulver, das in seinen Eigenschaften und der Süßkraft dem Haushaltszucker fast 1:1 gleicht. Grundsätzlich wird eine gewisse Grundmenge von 5 g täglich empfohlen, um von den positiven Eigenschaften voll zu profitieren. Bis zu einer Menge von 50 g bei Erwachsenen und 30 g bei Kindern gilt Xylitol als gut verträglich. Um sicherzustellen, dass die verwendeten Produkte auch ausschließlich 100% Xylitol als Süßungsmittel enthalten, lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe.

Dr. Deborah Horch, Düsseldorf

Weitere Informationen:

www.hagerwerken.de 

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Literaturverzeichnis

[1] Scheinin A, Mäkinen KK, Ylitalo K.: Turku sugar studies. V. Final report on the effect of sucrose, fructose and xylitol diets on the caries incidence in man,Acta Odontol Scand. 1976;34(4):179–216.

[2] Mäkinen, K.: Der steinige Weg von Xylitol bis zu seiner klinischen Anwendung, J. Dentistry 79(2000):1352–1355.

[3] Mäkinen, K.: Zuckeralkohole als Alternative zu Haushaltszucker mit besonderer Berücksichtigung von Xylitol, Med Pract Prinz 20(2011):302–320.

[4] Mäkinen, K.: Xylitol-Kaugummis und Kariesrate, eine 40 monatige Kohortenstudie, J Dent Res. 74-12(1995):1904–1913:

[5] P ark, E. et al.: Xylitol, an anticaries agent, exhibits potent inhibition of inflammatory responses in human THP-1-derived macrophages infected with Porphyromonas gingivalis, J Periodontol. 2014 Jun, 85(6):212–223.

[6] U ittamo J. et al.: Xylitol inhibits carcinogenic acetaldehyde production by Candida species, Int J Cancer. 2011 Oct 15;129(8):2038–2041.

[7] The EFSA Journal (2008) 852:1–15: Xylitol chewing gum/pastilles and reduction of the risk of tooth decay, Scientific substantiation of a health claim related to xylitol chewing gum/pastilles and reduction the risk of tooth decay pursuant to Article 14 of Regulation (EC) No 1924/20061, Scientific Opinion of the Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (Question No EFSA-Q-2008-321) Adopted on 30 October 2008 by written procedure.


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