Prophylaxe


Wissenswertes über Zahnpasten – Auf die Zutaten kommt es an

21.09.2017

Eine Empfehlung für eine Zahnpasta sollte sich immer nach den Bedürfnissen des Patienten richten.
Eine Empfehlung für eine Zahnpasta sollte sich immer nach den Bedürfnissen des Patienten richten.
© Jürgen Fälchle/fotolia.de

Kariesschutz, frischer Atem, Hilfe bei Zahnfleischentzündung oder schmerzempfindlichen Zähnen: Patienten wünschen sich von ihrem Praxisteam häufig die Empfehlung einer Zahnpasta, die ihren individuellen Bedürfnissen entspricht oder bestimmte Probleme mindert. Neben dem Grundrezept sorgen die verschiedenen Inhaltsstoffe in Zahnpasten dafür, dass diese unterschiedliche Effekte bewirken. Eine optimale Beratung des Patienten setzt das Wissen um diese Inhaltsstoffe voraus. Je nach Indikation kann dann eine auf den Patienten abgestimmte Empfehlung erfolgen.

Aus zahnmedizinischer Sicht muss eine Zahnpasta mindestens zwei Dinge leisten: Sie soll die mechanische Plaqueentfernung mit der Zahnbürste unterstützen und als Träger für aktive Inhaltsstoffe dienen. Generell erwartet man von einer Zahnpasta, dass sie vor Karies schützt. Hinzu kommen weitere Anforderungen wie die Verringerung von Mundgeruch oder die Prävention von Erkrankungen im Mundraum.

Der Schlüssel dafür, dass eine Zahnpasta auch solchen zusätzlichen Ansprüchen gerecht werden kann, liegt in der Zusammensetzung und dem physikalisch-chemischen Wechselspiel der Inhaltsstoffe. Wer Funktion und Konzentration der Inhaltsstoffe einer Zahnpasta und deren Wechselwirkungen untereinander kennt, kann einschätzen, wie ein Produkt wirkt, welche Eigenschaften sich daraus ableiten lassen und wie es sich von anderen Produkten unterscheidet. Das Grundgerüst einer Zahnpasta besteht aus Lösungs- und Feuchthaltemitteln, Abrasivstoffen, Verdickern und Gelbildnern, Tensiden sowie Geschmacksstoffen. Hinzu kommen gegebenenfalls Stabilisatoren und Hilfsstoffe, Emulgatoren, Farbstoffe und zum Teil Inhaltsstoffe mit konservierenden Eigenschaften. Über dieses Grundgerüst hinaus definieren zusätzliche aktive Inhaltsstoffe die zahnmedizinisch relevanten Eigenschaften einer Zahnpasta.

Die Pflicht: Ohne Kariesschutz geht es nicht

Der Einsatz von Fluorid gilt inzwischen als Goldstandard zum Schutz vor Karies. Es stehen verschiedene Fluoridverbindungen zur Verfügung, die – konzentrationsabhängig – alle einen vergleichbaren klinischen Kariesschutz bewirken. Am häufigsten kommen Natriumfluorid, Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid oder Zinnfluorid zum Einsatz. Heute geht man von einer nahezu linearen Dosis-Wirkungsbeziehung aus [1].

Grundsätzlich gilt: Je höher der Fluoridgehalt, desto größer der zu erwartende Effekt. Je 500 ppm Fluorid werden etwa 6 bis 8 % mehr klinischer Kariesschutz erreicht [2]. Aufgrund der europaweit festgesetzten Konzentrationsgrenzen für kosmetische Zahnpasten von 1.500 ppm enthalten Fluorid-Zahnpasten für Erwachsene in der Regel zwischen 1.000 und 1.500 ppm Fluoridionen. Damit lässt sich in einem Zweijahreszeitraum eine Verringerung des Karieszuwachses von etwa 24 % gegenüber einer fluoridfreien Zahnpasta erreichen [2].

  • Zahnpasta - auf die Inhaltsstoffe kommt es an.

  • Zahnpasta - auf die Inhaltsstoffe kommt es an.
    © CP GABA GmbH

Mit einem erweiterten Ansatz, der unter anderem in der elmex® KARIESSCHUTZ PROFESSIONALTM Zahnpasta verwendet wird, geht der Kariesschutz noch einen Schritt weiter. Die Technologie basiert neben dem Fluorideffekt zusätzlich auf einer Kombination aus der Aminosäure Arginin plus Calciumionen. Das Zusammenspiel der aktiven Inhaltsstoffe bewirkt eine Beeinflussung der Biofilm-Ökologie in Richtung einer weniger kariogenen Plaque, führt zu einer Neutralisierung der beim Kariesprozess aus Kohlenhydraten entstehenden Säuren und resultiert in einer besseren Remineralisierung initialer Läsionen sowie in einer Verringerung des Karieszuwachses von ca. 20 % gegenüber einer Zahnpasta mit gleichem Fluoridgehalt [3]. Mit einer Zahnpasta auf Basis der „Arginin-Calcium-Fluorid“-Technologie lässt sich also der Kariesschutz im Vergleich zu einer Standard-Fluoridzahnpasta nahezu verdoppeln.

Die Kür: für jede Indikation die richtige Spezialzahnpasta

Jenseits des „Pflichtprogramms“ Kariesschutz können moderne Zahnpasten, bei entsprechender Formulierung, eine Reihe weiterer klinisch relevanter Effekte und Wirkungen bieten. Zu den wichtigsten Indikationen zählen Gingivitis- und Parodontitis-Prävention, Dentinhypersensibilität (DHS), Erosion der Zahnhartsubstanz sowie Halitosis/Mundgeruch.

Gingivitis- und Parodontits-Prävention

Zur Prävention von Gingivitis und Parodontitis ist die mechanische Plaquekontrolle nach wie vor die Maßnahme der Wahl – also die Verwendung von Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta in Kombination mit Interdentalraumhygiene. In der Praxis stellen diese Maßnahmen für viele Patienten jedoch eine besondere Herausforderung dar und sind für eine effektive Prophylaxe oder als Unterstützung der zahnärztlichen Behandlung oft nicht ausreichend. Hier kommen geeignete antibakterielle Inhaltsstoffe zum Einsatz. Diese sind als chemische Plaquekontrolle eine sinnvolle Ergänzung für all jene, die ihre mechanische Plaqueentfernung verbessern wollen oder müssen [4, 5]. Für diesen Zweck haben sich eine Reihe von aktiven Inhaltsstoffen für den Einsatz in Zahnpasten (und auch Mundspülungen) bewährt.

Die Kombination aus Aminfluorid und Zinnionen (z. B. als Zinnfluorid oder Zinnchlorid) oder Zinnionen als Einzelstoff erweisen sich beispielsweise als ausreichend effektiv für eine klinisch relevante Verringerung von Plaque- und Blutungsindex. Auch die mindestens sechsmonatige Anwendung einer fluoridhaltigen Zahnpasta mit Triclosan-Copolymer führte nach den Erkenntnissen einer groß angelegten Metastudie zur Reduktion von Plaque, gingivaler Entzündung und gingivaler Blutung im Vergleich zu einer fluoridhaltigen Zahnpasta ohne Triclosan/Copolymer [6]. Ausschlaggebend für den klinischen Erfolg sind die Substantivität, also die Verweildauer der antiseptisch wirkenden Inhaltsstoffe, sowie die Galenik der Gesamtformel, die sicherstellen sollte, dass die Inhaltsstoffe in einer aktiven Form verfügbar bleiben. Der Effekt auf den Biofilm beruht meist auf einer Interaktion mit der bakteriellen Zellwand und ist in der Regel konzentrationsabhängig. Ein bakterizider Effekt wird häufig durch eine Ruptur der Zellwand bewirkt, eine Beeinträchtigung der Transportmechanismen durch die Zellwand resultiert in der Regel in einem bakteriostatischen Effekt.

Schmerzempfindliche Zähne

Bei der sogenannten Dentinhypersensibilität (DHS) sind schmerzempfindliche Zähne ein Problem, mit dem sie sich viele Menschen an ihr zahnärztliches Praxisteam wenden. Ursächlich ist meist eine Kombination aus Gingivarezession, gepaart mit erosiven und abrasiven Einflüssen an der Wurzeloberfläche, was letztlich zu freiliegendem Dentin und offenen Dentintubuli führt. In der Vergangenheit wurden bei DHS Kaliumsalze in Zahnpasten eingesetzt. Sie sollen die Reizschwelle anheben bzw. die Reizweiterleitung unterbinden [7].

Klinische Studien haben jedoch gezeigt, dass diese im Vergleich zur Formulierung mit der PRO-ARGIN® Technologie nur in geringerem Maße desensibilisierend wirken [8]. Die PRO-ARGIN® Technologie (Wirkkombination aus Arginin, Calcium und Fluorid), wie sie beispielsweise in elmex® SENSITIVE PROFESSIONALTM eingesetzt wird, trägt dazu bei, die offenen Dentinkanälchen zu verschließen, in dem in den Öffnungen der Tubuli eine neue, dentinähnliche Struktur aufgebaut und die Anlagerung mineralischer Substanzen gefördert wird. Der desensibilisierende Effekt tritt nach dem Einbürsten mit einem Polierkelch oder dem Auftragen mit der Fingerspitze nahezu augenblicklich auf und ist damit auch schneller und wirksamer als Strontium-haltige Zahnpasten [9].

Erosionen

Auch Erosionen, also dem Verlust von Zahnhartsubstanz nach der Einwirkung von starken Säuren (z. B. ernährungsbedingt oder durch Reflux), kann mit aktiven Inhaltsstoffen in Zahnpasten – und Mundspülungen – wirksam begegnet werden. Insbesondere Zinnionen spielen bei der Prävention von erosivem Zahnhartsubstanzverlust eine wichtige Rolle [10], während mit herkömmlichen Fluoridzahnpasten ohne Zinnionen durch Erosion bedingten Substanzverlusten nicht vorgebeugt werden kann. Der Effekt basiert auf der Auflagerung einer Zinnmineral-haltigen Schutzschicht, die eine Säurestabilität auch gegenüber höheren Säurestärken und niedrigeren pH-Werten besitzt und damit eine physikalische „Säureschutzbarriere“ aufbaut [11]. Dies konnte bei einer Zahnpasta mit einer Kombination aus Zinnchlorid und Aminfluorid (z. B. elmex® ZAHNSCHMELZSCHUTZ PROFESSIONALTM) gezeigt werden, die so den Verlust von aufgeweichtem Zahnschmelz beim Zähneputzen mindert.

Halitosis

Die Ursachen für Halitosis, den gesellschaftlich noch immer als Tabuthema geltenden Mundgeruch, liegen in vielen Fällen im Mundraum. Neben der Behandlung eventuell zugrundeliegender parodontaler Probleme oder Allgemeinerkrankungen können auch aktive Inhaltsstoffe in einer Zahnpasta dazu beitragen, den Mundgeruch zu bekämpfen. Dies gelingt vor allem dann, wenn Bakterien auf dem Zungenrücken, die flüchtige Schwefelverbindungen produzieren, der Auslöser des Geruchs sind. Neben Inhaltsstoffen, die das Bakterienwachstum beeinflussen und hemmen können, wie z. B. Zinnsalze, sind vor allem Zinksalze in der Lage, diese Schwefelverbindungen chemisch zu neutralisieren. In der Zahnpasta meridol® SICHERER ATEM wirkt neben dem neutralisierenden Zinklactat das duale Fluoridsystem aus Aminfluorid und Zinnfluorid zusätzlich antibakteriell.

Übrigens: die Sicherheit und Unbedenklichkeit von Inhaltsstoffen in kosmetischen Produkten, zu denen auch Zahnpasten zählen, sind europaweit gesetzlich geregelt. Sichere Grenzwerte werden auf Basis verfügbarer wissenschaftlicher Daten in Richtlinien festgelegt. Dazu wird die Datenlage in regelmäßigen Abständen neu bewertet und wenn nötig ergänzt bzw. geändert.

Quelle: CP GABA GmbH

 

 

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