Prophylaxe

Wundertüte oder Mogelpackung?

Wirkstoffe in der Kariesprävention

24.10.2012

Pro-Argin-Technologie bei Dentinhypersensibilität. Bild: GABA
Pro-Argin-Technologie bei Dentinhypersensibilität. Bild: GABA

Seit einiger Zeit drängen immer mehr Präparate zur Kariesprävention auf den Markt. Sie sollen statt unterschiedlicher Maßnahmen zur Fluoridierung eingesetzt werden oder diese entsprechend ergänzen. Was aber ist von den Werbeaussagen zu halten?

So vergleicht beispielsweise ein Hersteller sein Produkt mit „flüssigem Schmelz“, ein weiterer verspricht die „Reparatur von Rissen und Porositäten“. Da Fluoride nicht ausschließlich auf Befürworter in der Patientenkartei treffen, wäre es ein Traum, stünde ein adäquates Mittel zur Verfügung! Denn in zahlreichen Internetforen finden sich Beiträge mit Überschriften wie „Fluoride sind Gift“. Manche Patienten fühlen sich durch ähnliche Online-Beiträge „wachgeküsst“ und wollen auf Alternativen in puncto Fluoridierung setzen. Nun ist die Wirksamkeit der Fluoride in Hinsicht auf die (Re-)Mineralisation umfassend geklärt und bewiesen – halten denn die neueren Wundermittel, was ihre Hersteller versprechen?

Die Produkte auf Kalziumphosphat-Basis wirken durch den enthaltenen Casein-Phosphopeptid-Komplex (CPP) sowie durch nichtkristallines amorphes Kalziumphosphat (ACP). Sie sollen die demineralisierte Läsion penetrieren, um dann Calcium und Phosphate zur Remineralisation freizusetzen. Auch wird angenommen, dass die Bindung des Wirkstoffs an das Pellikel zu einer Reduktion der bakteriellen Besiedelung führen könne [1, 2, 3]. Das remineralisierende Potenzial wurde in verschiedenen Studien unter klinischen Bedingungen nachgewiesen. Überwiegend stammen diese Studien allerdings aus der Arbeitsgemeinschaft des Patenthalters für Recaldent. Einige wenige Studien zeigten, dass der Gebrauch von Tooth Mousse oder MI Paste (Firma GC) zusätzlich zu den Fluoridierungsmaßnahmen die Remineralisation initialer Kariesläsionen optimiert [4, 5]. Hochkonzentrierte Fluoridpräparate waren dem jedoch weitaus überlegen [6]!

NovaMin-Präparate (Kalzium-Natrium-Phosphosilikat), wie z.B. die Miradent nanosensitive hca der Firma Hager & Werken, sollen bei Dentinhypersensibilität positive Ergebnisse erzielen. Die Studien zeigten allerdings widersprüchliche Ergebnisse [7, 8].

Bei der Anwendung von Nanohydroxylapatit-Präparaten (z.B. Dr. Wolffs Biorepair) kam es zwar zu einer Steigerung der Oberflächen-Mikrohärte, eine Remineralisation der Läsion konnte aber nicht beobachtet werden [9].

Der Wirkstoff Pro Argin verspricht eine Schmerzminimierung bei Dentinhypersensibilität bereits mit der ersten Anwendung. Prof. Michael Noack (Zahnerhaltung und Parodontologie Köln) beschreibt die Neuartigkeit der Pro-Argin-Technik vor allem im Hinblick auf die Sicherheit und Schnelligkeit des Wirkeintritts. Bei hypersensiblen Zahnhälsen wird das Präparat gerne zur Schmerzausschaltung eingesetzt.

Der Wirkstoff Chitosan in der Spüllösung Elmex Erosionsschutz soll den Abbau des Zahnschmelzes bei Erosionen verhindern. Dieses natürlich vorkommende Polyaminosaccharid wird hauptsächlich aus der Schale der Garnele gewonnen. Chitosane können an das Pellikel absorbieren und eine hydrophobere Oberfläche bilden [10]. Umfassende Studien zum Wirksamkeitsnachweis sind hierzu noch nicht vorhanden [10].

Zusammenfassend kann berichtet werden, dass nach wie vor ein gleichmäßiges Fluoridniveau ideal für eine hochwirksame Kariesprävention ist. Fluoridgele können sowohl in der Praxis als auch zu Hause ergänzend angewandt werden. Die Wirksamkeit ist klar belegt: Es zeigt sich eine durchschnittliche Kariesreduktion von 26 % oder mehr [11, 12]. Demnach wird bei kariesanfälligen Gebissen ein hochkonzentriertes Fluorid im Rahmen einer vierteljährlichen Zahnprophylaxe appliziert und die unter Beobachtung stehenden demineralisierten Läsionen mit Laserfluoreszenztechnik (z.B. Diagnodent, Fa. KaVo) kontrolliert. Für die häusliche Anwendung wird ergänzend zur täglichen Benutzung von Zahnseide eine fluoridhaltige „Zahnkur“ für jeden Tag empfohlen. Die Zunge wird nur bei Bedarf gereinigt. Glänzt die Zunge durch einen blassrosa Zungenrücken, ist eine Reinigung überflüssig und kann dann sogar zur Entstehung von Aphten führen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Nicole Graw

Bilder soweit nicht anders deklariert: Nicole Graw