Prophylaxe

Professionelle Prophylaxe-Produkte und Dentinadhäsion

Wie beeinflussen Polierpasten und Prophylaxepulver die Haftkraft von Adhäsivsystemen an Dentin?

Im klinischen Alltag kommt es nicht selten vor, dass Dentinoberflächen vor dem Einsatz von Adhäsivsystemen und Kompositmaterialien von Plaque, Zementmaterial o.Ä. gereinigt werden müssen. Zu diesem Zweck können professionelle Prophylaxe-Produkte wie Polierpasten und Prophylaxepulver eingesetzt werden. Allerdings können diese Prophylaxe-Produkte – je nach Inhaltsstoff – die Haftkraft der Adhäsivsysteme an Dentin beeinträchtigen. Während Polierpasten unbedenklich erscheinen, kommt es bei Prophylaxepulvern auf die Inhaltsstoffe an, wie der folgende Beitrag vor Augen führt.

  • Abb. 1: Professionelle Prophylaxe-Produkte wie Polierpasten oder Prophylaxepulver für Pulver-Wasser-Strahlgeräte.

  • Abb. 1: Professionelle Prophylaxe-Produkte wie Polierpasten oder Prophylaxepulver für Pulver-Wasser-Strahlgeräte.
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Professionelle Prophylaxe-Produkte wie Polierpasten oder Prophylaxepulver (Abb. 1) werden grundsätzlich zur schonenden Reinigung der Zahnoberflächen verwendet. Mithilfe dieser Prophylaxe-Produkte können im Rahmen professioneller Zahnreinigungen unter anderem Plaque und Verfärbungen entfernt werden. Sie eignen sich allerdings auch, um im Rahmen einer restaurativen oder rekonstruktiven Therapie die präparierten Zahnoberflächen – meist mit überwiegendem Dentinanteil – zu reinigen: Ein Beispiel dafür sind nichtkariöse Defekte unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze wie etwa plaquebedeckte keilförmige Zahnhalsdefekte, die anschließend adhäsiv, also mit einem Adhäsivsystem und einem regulären Komposit zur Füllungstherapie, restauriert werden sollen.

Ein anderes Beispiel sind Kavitäten- oder Stumpfpräparationen, die vor einer definitiven adhäsiven Eingliederung der Rekonstruktion mit einem Kompositzement von eventuell vorhandenem provisorischen Zement, Resten von Provisoriumsmaterial bzw. von Blut oder Speichel gereinigt werden müssen. Bei der Reinigung beeinflussen diese Prophylaxe-Produkte unter Umständen die Haftkraft der anschließend verwendeten Adhäsivsysteme an Dentin, was zunächst für Polierpasten und anschließend für Prophylaxepulver diskutiert werden soll.

Reinigung mit Polierpasten erscheint unbedenklich

  • Abb. 2: Dentinoberfläche nach Verwendung einer Polierpaste. Kleines Bild im oberen rechten Bildrand zum Vergleich: Schmierschicht („smear layer“) nach der Verwendung einer feinkörnigen Diamantfräse.

  • Abb. 2: Dentinoberfläche nach Verwendung einer Polierpaste. Kleines Bild im oberen rechten Bildrand zum Vergleich: Schmierschicht („smear layer“) nach der Verwendung einer feinkörnigen Diamantfräse.
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In Abbildung 2 ist eine Dentinoberfläche nach Verwendung einer Polierpaste (Nupro Stain Removal, DENTSPLY) dargestellt. Die Oberfläche zeigt Kratzspuren, die auf eine rotierende und abrasive Behandlung des Dentins schließen lassen. Das Erscheinungsbild ähnelt demjenigen einer Schmierschicht („smear layer“) nach der Verwendung einer feinkörnigen Diamantfräse (Abb. 2, kleines Bild im oberen rechten Bildrand zum Vergleich). Die Dentintubuli sind dabei durch die Schmierschicht verschlossen.

Die Mehrzahl der vorliegenden Studien – allesamt In-vitro-Studien – konnte bei vorangehender Verwendung von Polierpasten keinen negativen Einfluss auf die Haftkraft von Adhäsivsystemen an Dentin finden. So zeigten in einer Studie sowohl das „three-step etchand-rinse“ Adhäsivsystem OptiBond FL (Kerr) als auch das „twostep self-etch“ Adhäsivsystem Clearfil SE Bond (Kuraray) nach vorangehender Verwendung einer Bimsstein-Polierpaste eine ähnliche oder sogar etwas höhere Dentinhaftkraft als an Dentin, das mit rotierenden oder oszillierenden Diamantinstrumenten bearbeitet wurde [13].

In einer anderen Studie zeigte Clearfil SE Bond nach Einsatz einer Bimsstein-Polierpaste eine signifikant höhere Dentinhaftkraft als diejenige an die standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen der Kontrollgruppe [10]. Das „one-step self-etch“ Adhäsivsystem Clearfil S3 Bond Plus (Kuraray) wies hierbei eine gleich hohe Dentinhaftkraft wie die Kontrollgruppe auf [10]. Leider fehlen in den zwei genannten Studien spezifische Informationen zu den verwendeten Bimsstein-Polierpasten.

In einer weiteren Studie erreichte aber auch das „one-step“ Universal-Adhäsivsystem Scotchbond Universal (3M ESPE) nach Anwendung der Polierpaste Nupro Stain Removal (DENTSPLY) eine gleich hohe Haftkraft wie diejenige an die standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen der Kontrollgruppe [4].

Alle drei genannten Studien untersuchten dabei die Haftkraft der verschiedenen Adhäsivsysteme in Kombination mit regulären Kompositen, die zur Füllungstherapie verwendet werden. In einer Studie allerdings hat die Reinigung mit einer Bimsstein-Polierpaste die Haftkraft von Adper Single Bond (3M ESPE) und regulärem Komposit signifikant verschlechtert, verglichen mit der Kontrollgruppe (ebenfalls mit standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen) [1]. Dies ist insofern erstaunlich, als dass dieses „twostep etch-and-rinse“ Adhäsivsystem als ersten Schritt eine Konditionierung mit Phosphorsäure beinhaltet und somit die durch die Bimsstein-Polierpaste entstandene (und eventuell die Haftkraft von Adper Single Bond negativ beeinflussende) Schmierschicht eigentlich hätte entfernen sollen.

Im Gegensatz zu den genannten Studien mit regulärem Komposit untersuchten zwei Studien die Dentinhaftkraft von Adhäsivsystemen in Kombination mit Kompositzementen. In der ersten Studie konnte gezeigt werden, dass die vorangehende Verwendung einer Bimsstein-Polierpaste zur gleichen Haftkraft des „twostep etch-and-rinse“ Adhäsivsystems Adper Single Bond 2 (3M ESPE) geführt hat wie diejenige an die standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen der Kontrollgruppe. Der verwendete Kompositzement war in dieser Studie RelyX ARC (3M ESPE) [11]. In der zweiten Studie haben Falkensammer et al. (2014) festgestellt, dass die vorangehende Verwendung der Polierpaste DEPURDENT (Dr. Wild & Co. AG) die Dentinhaftkraft des „two-step self-etch“ Adhäsivsystems AdheSE (Ivoclar Vivadent) in Kombination mit dem Kompositzement Variolink II (Ivoclar Vivadent) ebenfalls nicht negativ beeinflusste [3].

Einfluss von Prophylaxepulvern auf Dentinhaftkraft

Der Einfluss von Prophylaxepulvern auf die Dentinhaftkraft von Adhäsivsystemen hängt stark vom jeweiligen Inhaltsstoff des Prophylaxepulvers ab. Tabelle 1 gibt eine Übersicht zu den gängigen Inhaltsstoffen von Prophylaxepulvern und den jeweiligen Produkten.

  • Tab. 1: Inhaltsstoffe von Prophylaxepulvern und jeweilige Produkte.
  • Abb. 3: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Calciumcarbonat-Prophylaxepulvers.
  • Tab. 1: Inhaltsstoffe von Prophylaxepulvern und jeweilige Produkte.
  • Abb. 3: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Calciumcarbonat-Prophylaxepulvers.

Calciumcarbonat-Reinigung schwächt Dentinhaftkraft

In Abbildung 3 ist eine Dentinoberfläche nach Verwendung eines Calciumcarbonat-Prophylaxepulvers (PROPHYpearls, KaVo) dargestellt. Die Oberfläche weist ebenfalls eine Schmierschicht auf, welche die Dentintubuli verschließt. Diese zeigt allerdings im Gegensatz zu derjenigen Schmierschicht, die durch die Polierpaste entstanden ist (siehe Abb. 2), keine Kratzspuren, sondern präsentiert sich vielmehr als flächige Aufrauung der Dentinoberfläche.

Den Einfluss von Calciumcarbonat-Prophylaxepulver auf die Dentinhaftkraft von Adhäsivsystemen in Kombination mit einem regulären Komposit zur Füllungstherapie haben Frankenberger et al. (2007) in einer umfassenden Studie untersucht [6]. Die Autoren konstatierten, dass das verwendete Calciumcarbonat- Prophylaxepulver (PROPHYpearls) die Dentinhaftkraft aller zehn untersuchten Adhäsivsysteme negativ beeinflusste. Die Studie beinhaltete sowohl „etch-and-rinse“ Adhäsivsysteme (ein „fourstep“ [Syntac Classic, Ivoclar Vivadent], ein „three-step“ [Opti- Bond FL, Kerr] und ein „two-step etch-and-rinse“ Adhäsivsystem [Adper Single Bond Plus, 3M ESPE]) als auch „self-etch“ Adhäsivsysteme (vier „two-step“ [AdheSE, Ivoclar Vivadent; Clearfil SE Bond, Kuraray; Clearfil Protect Bond, Kuraray; OneCoat Self- Etching Bond, Coltène/Whaledent] sowie drei „one-step self-etch“ Adhäsivsysteme [Xeno III, DENTSPLY; Clearfil S3 Bond, Kuraray; G-BOND, GC]). Erstaunlicherweise hat bei allen drei „etch-andrinse“ Adhäsivsystemen wiederum die Phosphorsäurekonditionierung des Dentins (und somit die eigentlich zu erwartende Entfernung der Schmierschicht, die durch das Calciumcarbonat- Prophylaxepulver entstanden ist) nicht ausgereicht, um eine Haftkraft ähnlich derjenigen der Kontrollgruppe wiederherzustellen. Der Einfluss von Calciumcarbonat-Prophylaxepulver auf die Dentinhaftkraft verschiedener Adhäsivsysteme in Kombination mit Kompositzementen wurde ebenfalls untersucht. In der bereits erwähnten Studie von Falkensammer et al. (2014) führte der Einsatz des Calciumcarbonat-Prophylaxepulvers Prophy Mate cleaning powder (NSK) für AdheSE in Kombination mit Variolink II zu der niedrigsten Dentinhaftkraft aller Gruppen [3]. In einer anderen Studie wurde der Einfluss von PROPHYpearls auf die Dentinhaftkraft dreier Adhäsivsysteme (Syntac Classic [Ivoclar Vivadent], OptiBond FL [Kerr] und XP BOND [DENTSPLY]) in Kombination mit dem Kompositzement Calibra (DENTSPLY) untersucht. Dabei führte die Behandlung mit Calciumcarbonat-Prophylaxepulver für alle drei Adhäsivsysteme jeweils ebenfalls zu der niedrigsten Dentinhaftkraft – weit unter derjenigen der entsprechenden Kontrollgruppe [5].

Natriumbicarbonat-Reinigung: ebenfalls Beeinträchtigung der Dentinhaftkraft

  • Abb. 4: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Natriumbicarbonat-Prophylaxepulvers.

  • Abb. 4: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Natriumbicarbonat-Prophylaxepulvers.
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In Abbildung 4 ist eine Dentinoberfläche nach Verwendung eines Natriumbicarbonat-Prophylaxepulvers (AIR-FLOW CLASSIC, EMS) dargestellt. Ähnlich wie nach der Verwendung eines Calciumcarbonat- Prophylaxepulvers (siehe Abb. 3) weist auch diese Oberfläche eine Schmierschicht auf, die einerseits Dentintubuli verschließt und andererseits einer flächigen Aufrauung gleicht. Ebenfalls ähnlich wie bei Calciumcarbonat-Prophylaxepulvern scheint auch die vorangehende Verwendung von Natriumbicarbonat- Prophylaxepulvern einen negativen Einfluss auf die Haftkraft von Adhäsivsystemen an Dentin zu haben. In Kombination mit einem regulären Komposit zur Füllungstherapie hat das Adhäsivsystem Adper Single Bond in einer Studie eine signifikant niedrigere Haftkraft gezeigt, wenn die Dentinoberfläche mit dem Natriumbicarbonat-Prophylaxepulver Profi II (Dabi Atlante) behandelt wurde, als wenn die Dentinoberfläche standardisiert beschliffen wurde und danach unbehandelt blieb (Kontrollgruppe) [1]. Nach vorangehender Verwendung des gleichen Natriumbicarbonat- Prophylaxepulvers wie in der vorherigen Studie (d. h. Profi II) haben in einer anderen Studie (und ebenfalls in Kombination mit regulärem Komposit) sowohl das „three-step etch-andrinse“ Adhäsivsystem Adper Scotchbond Multi-Purpose (3M ESPE ) als auch Clearfil SE Bond eine niedrigere Haftkraft als die Kontrollgruppe (mit standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen) bewiesen [9]. Gleichermaßen hat in einer weiteren Studie Clearfil SE Bond in Kombination mit regulärem Komposit nach vorangehender Verwendung eines (nicht näher spezifizierten) Natriumbicarbonat- Prophylaxepulvers eine niedrigere Haftkraft als diejenige der Kontrollgruppe (wiederum mit standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen) gezeigt [7].

In einer letzten Studie war die Haftkraft aller vier untersuchten „one-step“ Universal-Adhäsivsysteme (Scotchbond Universal [3M ESPE], G-Premio BOND [GC], Adhese Universal [Ivoclar Vivadent] und All-Bond Universal [Bisco]) in Kombination mit regulärem Komposit ebenfalls signifikant niedriger an diejenigen Dentinoberflächen, die mit AIR-FLOW CLASSIC behandelt wurden, als an die standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen der Kontrollgruppe [12].

Der Einfluss von Natriumbicarbonat-Prophylaxepulver auf die Dentinhaftkraft eines Adhäsivsystems in Kombination mit einem Kompositzement wurde ebenfalls untersucht. Dabei wies Adper Single Bond in Kombination mit RelyX ARC die signifikant niedrigste Haftkraft im Vergleich zu allen anderen Gruppen auf [11].

Studienergebnisse für Glycin: uneinheitlich, Tendenz positiv

  • Abb. 5: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Glycin-Prophylaxepulvers.

  • Abb. 5: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Glycin-Prophylaxepulvers.
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In Abbildung 5 ist eine Dentinoberfläche nach Verwendung eines Glycin-Prophylaxepulvers (AIR-FLOW PERIO, EMS) dargestellt. Diese Oberfläche präsentiert sich gänzlich anders als die bisherigen drei Oberflächen (siehe Abb. 2–4). Hier ist keine Schmierschicht vorhanden und die Dentintubuli liegen frei.

Einige Studien haben den Einfluss von Glycin-Prophylaxepulvern auf die Dentinhaftkraft verschiedener Adhäsivsysteme in Kombination mit einem regulären Komposit zur Füllungstherapie untersucht. Dabei stellte sich in den meisten Fällen heraus, dass Glycin- Prophylaxepulver die Dentinhaftkraft von Adhäsivsystemen nicht negativ beeinflussten. So etwa zeigten neun der zehn Adhäsivsysteme der bereits erwähnten Studie von Frankenberger et al. (2007) keine signifikanten Unterschiede zwischen der Haftkraft an diejenigen Dentinoberflächen, welche mit Clinpro Glycine Prophy Powder behandelt wurden und der Haftkraft an die standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen der Kontrollgruppe [6].

In einer anderen Studie beeinflusste die vorangehende Verwendung des Glycin-Prophylaxepulvers AIR-FLOW PERIO die Haftkraft von Scotchbond Universal ebenfalls nicht negativ [4]. Dies steht etwas im Widerspruch zu der bereits erwähnten Studie, in welcher die Dentinhaftkraft von vier „one-step“ Universal-Adhäsivsystemen (darunter auch Scotchbond Universal) untersucht wurde [12]. Hierbei führte die vorangehende Verwendung von AIR-FLOW PERIO für alle vier Adhäsivsysteme zu einer signifikant niedrigeren Haftkraft, verglichen mit der Kontrollgruppe [12]. In einer anderen Studie bewirkte die Anwendung eines (nicht näher spezifizierten) Glycin-Prophylaxepulvers ebenfalls eine niedrigere Haftkraft von Scotchbond Universal als diejenige der Kontrollgruppe mit standardisiert beschliffenen Dentinoberflächen, wogegen die Dentinhaftkraft der anderen vier Adhäsivsysteme durch die Behandlung mit Glycin-Prophylaxepulver generell nicht negativ beeinflusst wurde (ebenfalls „one-step“ Universal-Adhäsivsysteme: Futurabond M+ [VOCO], Clearfil Universal Bond [Kuraray], G-Premio BOND [GC] und Peak Universal Bond [Ultradent]) [8].

In Kombination mit Kompositzementen zeigten Syntac Classic, OptiBond FL und XP BOND mit Calibra eine ähnliche Haftkraft wie diejenige der entsprechenden Kontrollgruppe [5]. Eine ähnliche Haftkraft verglichen mit derjenigen der anderen Gruppen besaß auch AdheSE in Kombination mit Variolink II [3]. In einer weiteren Studie zeigte schließlich Scotchbond Universal in Kombination mit dem Kompositzement RelyX Ultimate (3M ESPE) ebenfalls eine gleiche Haftkraft – ungeachtet dessen, ob das Dentin mit oder ohne Clinpro Glycine Prophy Powder behandelt wurde [2].

Erythritol: dünne Studienlage

  • Abb. 6: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Erythritol-Prophylaxepulvers mit 0,3% Chlorhexidin.

  • Abb. 6: Dentinoberfläche nach Verwendung eines Erythritol-Prophylaxepulvers mit 0,3% Chlorhexidin.
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In Abbildung 6 ist eine Dentinoberfläche nach Verwendung eines Erythritol-Prophylaxepulvers mit 0,3% Chlorhexidin (AIR-FLOW PLUS, EMS) dargestellt. Ähnlich wie nach der Verwendung eines Glycin-Prophylaxepulvers (siehe Abb. 5) weist auch diese Oberfläche keine Schmierschicht auf und die Dentintubuli liegen frei, wenngleich letztere etwas weniger abgegrenzt eröffnet erscheinen als diejenigen in Abbildung 5. Dies könnte allerdings auch durch eine unterschiedliche Dentinqualität bedingt sein.

Zum Einfluss von Erythritol-Prophylaxepulver auf die Haftkraft von Adhäsivsystemen sind zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels praktisch keine Studien vorhanden. Momentan hat einzig eine Studie den Einfluss der vorangehenden Verwendung eines Erythritol-Prophylaxepulvers (AIR-FLOW PLUS; Erythritol mit 0,3% Chlorhexidin) auf die Dentinhaftkraft untersucht. Dabei schien AIR-FLOW PLUS keinen negativen Effekt auf die Haftkraft von Scotchbond Universal in Kombination mit einem regulären Komposit zur Füllungstherapie zu haben [4].

Fazit

Wie beeinflussen Polierpasten und Prophylaxepulver die Haftkraft von Adhäsivsystemen an Dentin?

Die vorangehende Verwendung von professionellen Prophylaxe- Produkten kann sich auf die Dentinadhäsion auswirken. Polierpasten und Glycin-Prophylaxepulver scheinen die Haftkraft von Adhäsivsystemen an Dentin generell nicht negativ zu beeinflussen. Für Erythritol-Prophylaxepulver kann aufgrund der beschränkten Anzahl von Studien zum jetzigen Zeitpunkt kaum ein Fazit gezogen werden. Calciumcarbonat- bzw. Natriumbicarbonat-Prophylaxepulver sollten hingegen nicht angewendet werden, falls anschließend mit Adhäsivsystemen gearbeitet wird, weil sie die Haftkraft von Adhäsivsystemen an Dentin herabsetzen.

Abb. 2–6: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen von Dentinoberflächen. Jeweils 500-fache Vergrößerung; Dentin von extrahierten menschlichen Molaren.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: PD Dr. Simon Flury


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