Prophylaxe

Jede Altersgruppe verlangt individuelle Betreuung durch die ZMP

Prophylaxe individuell – „from the cradle to the grave“

Jede Altersgruppe hat individuelle Bedürfnisse.
Jede Altersgruppe hat individuelle Bedürfnisse.

Wirtschaftlichkeit, Qualität und Umsatz müssen neben dem Zahnerhalt für den Patienten auch klare Ziele des Praxisteams sein. Die Qualität im Prophylaxebereich ist abhängig von fundiertem Wissen, handwerklichem Geschick und kommunikativer Kompetenz der ZMP, aber auch von der Individualität im Prophylaxekonzept. Gezielt auf die verschiedenen Altersgruppen und Bedürfnisse unserer Patienten eingehen zu können setzt Fortbildungsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und konzeptionelle Organisation voraus. Schwangere, Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche, junge Erwachsene, Ü40-Patienten und „best ager“ (Senioren) sind – jede Gruppe für sich – eine Herausforderung für das Praxisteam.

Schwangere

Die werdenden Mütter kommen mit verschiedenen Beschwerden in die Praxis: Zahnfleischbluten, thermische Empfindlichkeit, Zungenbelag, neue kariöse Läsionen, Parodontitis, Säureerosionen nach Erbrechen und Verfärbungen durch Eisenpräparate. Bei Schwangeren mit Parodontitis liegt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche bei 4,45 % und bei 7,07 % vor Vollendung der 32. Woche. Die Patientinnen fragen häufig nach Hilfsmitteln aus der Natur, hier könnte bei parodontaler Problematik ein Aromatogramm mit ätherischen Ölen unterstützend zur parodontalen Therapie eingesetzt werden. Häufige PZR mit gezielter Keimzahlreduktion, Mundhygienetraining und Ernährungsberatung sollten zum Anfang der Schwangerschaft angeboten werden, zum Ende macht eine zusätzliche Beratung zur Pflege der ersten Milchzähne, zur Schnullerauswahl und zuckerfreien Babynahrung die Prophylaxe rund.

Klein- und Schulkinder

Die Früherkennungsuntersuchung ab 2,5 Jahren und die IP-Leistungen ab 6 Jahren bringen uns die kleinen Patienten in die Praxis. Mundhygienetipps, Elternberatung, Fluoridierungsmaßnahmen und Ernährungslenkung sollten parallel zur zahnärztlichen Untersuchung genauso wie die Fissurenversiegelung delegiert und von der ZMP durchgeführt werden. Auch bei den kindlichen Patienten kann die ZMP Selbstzahlerleistungen wie Kinderzahnreinigung, Prämolarenversiegelung und Speichelanalysen etablieren.

Jugendliche und junge Erwachsene

Die PZR ist vor allem bei Jugendlichen in Kfo-Behandlung im kurzen Recall anzubieten. Fluoridschiene und Sportschutz sollten im Prophylaxekonzept ihren festen Platz haben. Junge Erwachsene brauchen regelmäßig Unterstützung bei der Pflege ihrer Zähne mit Retainer im Frontbereich. Der junge Patient zeigt häufig schon die ersten säurebedingten Zahnschäden, ebenso wie Abrasionen und Putzdefekte. Rechtzeitiges Erkennen und Handeln rettet die Zahnsubstanz. Hier zeigt sich die konzeptionelle Zusammenarbeit von Zahnarzt und ZMP. Erosion und Abrasion ist mit Ernährungslenkung und Putzdruckunterweisung sowie Remineralisierungsmaßnahmen gut zu managen, aber die Therapie von Attrition, Rezession und Parafunktion liegt in der Hand des Zahnarztes, so spielt die ZMP dem Zahnarzt z.B. den Ball für Schienentherapien zu.

Die über 40-Jährigen

Für diese Altersgruppe kommt bei jedem zweiten Patienten das PARO-Konzept unserer Praxis zum Einsatz. Professionelle Betreuung in Initial-, Therapie- und Erhaltungsphase ist gelebte Zahnerhaltung. Aber auch Bleaching wird in dieser Gruppe nachgefragt. Aus meiner Sicht trauen sich die ZMPs viel zu wenig, gezielt auf Bleaching anzusprechen. Auch im Behandlungszimmer sollte häufiger nachgefragt werden, ob Interesse an einer Aufhellung besteht, bevor z.B. eine Sanierung mit Komposit oder Keramikkronen begonnen wird.

Senioren

Aktuell gehören etwa 20 % der Bevölkerung der Altersgruppe 60 und älter an, im Jahre 2050 werden es mehr als 40 % sein. Der „best ager“ ist also der Patient der Zukunft. Darauf sollte jede Prophylaxekraft vorbereitet sein. Der gesunde ältere Mensch ist die Zielgruppe der Wirtschaft, häufig ist ein dickes Pensionspolster vorhanden, diese Patienten sind qualitätsbewusst, serviceorientiert und leisten sich gern mal ein „Extra“ zur Sicherung der Lebensqualität. Der immobile, eventuell multimorbide Senior verlangt unseren speziellen Service, Bereitschaft zu Hausbesuchen, eine behindertengerechte Praxiseinrichtung sowie geschultes und einfühlsames Personal. Die Verwaltungshelferin sollte ein regelmäßiges geriatrisches Screening organisieren, um Veränderungen und Einschränkungen oder auch Medikationen zu dokumentieren. Über 400 Medikamente können bei dauerhafter Einnahme als Nebenwirkung einen trockenen Mund zur Folge haben. Xerostomieberatung ist ein Muss für jede ZMP! Wo wenig Speichel fließt, ist die Remineralisierung eingeschränkt, Wurzelkaries entsteht schneller. Auch eine Ernährungsberatung zur Steuerung des Zuckerkonsums und über kauaktive Nahrung kann eine Prophylaxesitzung bereichern. Über 80 % der Senioren haben heute ein parodontales Problem, auch diese Patientengruppe braucht professionelle Betreuung, Motivation und Compliance. Regelmäßige Messung der Taschentiefen, Deep Scaling und Full Mouth Disinfection durch die ZMP, Röntgenkontrollen, aber auch parodontalchirurgische Eingriffe mit Gewebsregeneration durch den Zahnarzt erhalten „das letzte Kapital“. Aufgabe der ZMP ist, optimale orale Verhältnisse zu schaffen, um die Prothetikplanung und ZE-Eingliederung für den Zahnarzt vorzubereiten.

Fehlende Zähne werden immer öfter mit Implantaten ersetzt. Infektionsprophylaxe und risikoorientierte Implantaterhaltung fordern die Umsicht der ZMP, setzen aber auch ein modernes Equipment im Prophylaxezimmer voraus. Biofilmmanagement mit moderner Pulverstrahltechnik, spezielle PEEK-Aufsätze zur schonenden Reinigung der Implantate und professionelle Techniken zur Säuberung der Suprakonstruktion lassen die ZMP qualitativ hochwertig arbeiten. Sie muss vor jeder PZR bei einem Senior vieles bedenken und mit dem Chef im Team abklären: Nimmt der Patient Antikoagulanzien, bedarf es einer Endokarditisprophylaxe, gibt es Lagerungsschwindel, eventuell einen Herzschrittmacher? Rheuma, Diabetes und andere Allgemeinerkrankungen sollten berücksichtigt werden.

Um individuell auf die verschiedenen Altersgruppen der Patienten eingehen zu können, ist ein Schritt-für-Schritt-Prophylaxekonzept in jeder Praxis zu erarbeiten. Hierbei hilft die Mitarbeit eines Inhouse-Coachings, um die Behandlungsphilosophie des Zahnarztes mit der Qualifikation der Mitarbeiter und einer strukturierten Praxisorganisation zu verbinden.
Die gemeinsame Anstrengung von Zahnarzt, ZMP, Team und Patient schafft stabile und dauerhaft von Vertrauen geprägte Verhältnisse zwischen Arzt und Patient und bindet so den Patienten lebenslang an die Praxis. Ein zufriedener Patient empfiehlt uns weiter, ausgelastete Terminpläne und Empfehlungsmanagement machen unsere Prophylaxebereiche noch erfolgreicher. Erfolg bedeutet Spaß und Wertschätzung – genau dies ist es, was die Mitarbeiter jeden Morgen fröhlich in die Praxis zur Arbeit gehen lässt!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Matthaei

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Matthaei


Die Oberflächenpolitur als ein fester Bestandteil der Prophylaxe-Sitzung wird immer wieder thematisiert. Auch aufgrund der neuartigen Materialien, Mechanismen und Möglichkeiten kommt bei Prophylaxe-Profis häufig die Frage auf: „Ist eine abschließende Politur der Zahnoberflächen überhaupt noch sinnvoll & erforderlich?“

Anne Bastek und Sabrina Dogan geben Tipps aus der Praxis für die Praxis!

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