Prophylaxe

Die optimale Beratung und Betreuung in der Prophylaxesitzung

Der ältere Patient im Fokus

06.03.2015

Abb. 1: Ausgangssituation vor der Prophylaxesitzung.
Abb. 1: Ausgangssituation vor der Prophylaxesitzung.

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Bedingt durch regelmäßige zahnärztliche Kontrollund Prophylaxemaßnahmen ist es den Patienten möglich, zunehmend länger ihre natürlichen Zähne zu erhalten. Dies stellt die Prophylaxemitarbeiterinnen im zahnärztlichen Team täglich vor „neue“ Hürden. Im Folgenden werden anhand eines Patientenfalls hilfreiche sowie praktische Tipps zur Umsetzung einer optimalen Prophylaxesitzung im Praxisalltag aufgezeigt.

Eine 80-jährige Patientin mit dem Wunsch nach einer professionellen Zahnreinigung stellte sich in unserer Zahnarztpraxis vor (Abb. 1).

Die Anamnese

Die regelmäßige Anamneseerhebung zu jeder Behandlungssitzung, mindestens aber alle 2 Jahre wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, sollte bei älteren Patienten streng eingehalten werden. Die Anamnese gibt Ihnen Auskunft über das allgemeinmedizinische und dentale Befinden der Patientin. Hierbei erfragen Sie zunächst die allgemeine Anamnese. Im Vordergrund stehen Allgemeinerkrankungen wie z. B. Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Diabetes), Allergien, künstliche Gelenke, Transplantationen, ansteckende Krankheiten (HIV, Hepatitis), Strahlentherapie im Kopf- oder Halsbereich, Augenerkrankungen (grauer/ grüner Star), Seh- oder Hörhilfe usw. Zusätzlich ist das Erheben einer Medikamentenanamnese nötig, da viele ältere Patienten täglich mehrfach verschiedene Präparate einnehmen. Eine Kopie der Medikamentenliste vom behandelnden Allgemein- bzw. Facharzt kann Ihnen bei der Zuordnung des Krankheitsbildes und zur Dokumentation behilflich sein. Anschließend folgt die spezielle zahnärztliche Anamnese. Diese Fragen beziehen sich auf die Zahnhartsubstanz und die umgebenden Weichgewebe (z. B. Zahnschmerzen,gelockerte Zähne, Aufbissbeschwerden, Zahnfleischbluten, Mundtrockenheit, Zungenbrennen, Druckstellen vom Zahnersatz usw.). Auch Ernährungsfragen oder das Rauchverhalten können hierbei zusätzlich vermerkt werden.

Einführungsgespräch und Kontrolluntersuchung (intraoraler Befund)

Nach einem kurzen Einführungsgespräch halten wir die anamnestischen Daten fest. Die anfangs genannte Patientin nimmt täglich Medikamente gegen Bluthochdruck ein und es liegen Gelenkbeschwerden im Bereich beider Hände vor. Diese werden jedoch nicht medikamentös behandelt. Nach eigenen Angaben leidet die Patientin unter schmerzempfindlichen Zahnflächen. Zudem sind eine Seh- sowie eine Hörhilfe vorhanden. Nun können die Untersuchung der Mundhöhle und die Dokumentation der intraoralen Befunde beginnen. In unserem Fall liegen keine kariösen Läsionen vor und die Patientin trägt keinen herausnehmbaren Zahnersatz. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen beträgt generalisiert 2-3 mm, lokalisiert 4-5 mm. Die Zähne sind fest, weisen jedoch generalisierte Rezessionen von 3-7 mm auf, die mit überempfindlichen Zahnflächen einhergehen. Die Weichgewebe sind ohne Befund.

Der Mundhygienestatus

Nach einer Beratung und Besprechung der Befunde kann die Prophylaxebehandlung beginnen. Es ist wichtig, jeden Arbeitsschritt zu benennen und vorab anzukündigen. Beginnen Sie mit dem Mundhygienestatus, zu dem die Erhebung des Blutungs- und Plaque-Index gehört. Im Prophylaxeteam sollten Sie sich auf die Durchführung eines bestimmten Index festlegen, um eine bessere Reproduzierbarkeit sowie eine gleichartige Umsetzung gewährleisten zu können. Es ist sinnvoll, den Blutungs-Index vor dem Plaque-Index durchzuführen, da Blutungspunkte nach dem Einfärben der Zähne mittels einer Färbelösung nur schwer zu erkennen sind. Zusätzlich sollten Sie vor dem Anfärben zum Schutz vor Farbeinlagerungen im Bereich der Lippen und Mundwinkel etwas Vaseline auftragen. Nach der Dokumentation der Indizes können Sie mit der Patientenaufklärung beginnen (Abb. 2). Bei unserer Patientin ist die Zuhilfenahme einer Lesebrille und eines Vergrößerungsspiegels (2- bis 3-fache Vergrößerung) sinnvoll. Fangen Sie zunächst mit der positiven Bewertung bzw. mit den gut geputzten Zahnflächen an. Vermeiden Sie es möglichst, die Zähne als „schlecht geputzt“ oder „nicht gut/optimal gereinigt“ zu bezeichnen. Verwenden Sie stattdessen Umschreibungen wie: „… diese Stelle hat die Zahnbürste nicht so toll erreichen können.“ Da unsere Patientin ein Hörgerät trägt, achte ich darauf, langsam, klar und deutlich zu sprechen. Bei der häuslichen Zahnpflege sollten ältere Patienten durch gute „Sichtverhältnisse“ ein optimales Pflegeergebnis erzielen können. Hierbei helfen Kosmetikspiegel, Lesebrille oder eine gut beleuchtete Badezimmerzeile. Zusätzliche Hilfe kann eine Sitzmöglichkeit am „Zahnreinigungsplatz“ bieten.

Die professionelle Zahnreinigung

Mithilfe maschineller und manueller Instrumente werden alle weichen und harten Zahnbeläge vorsichtig entfernt (Abb. 3 u. 4). Bei eingeschränkter Mundöffnung, Schluckbeschwerden oder Würgereiz kann ein Aufbissbehelf oder Wangenhalter eingesetzt werden. Bei unserer Patientin führe ich anschließend sowohl eine Vor- als auch eine Feinpolitur durch (Abb. 5-7). Nach der professionellen Zahnreinigung folgen Mundhygieneinstruktion, parodontaler Screening-Index (PSI/- Messverfahren zur Beurteilung des Zahnfleischzustandes), Demonstration und Motivation. Für die professionelle Mundhygienedemonstration können Sie sich an folgendem Ablaufschema orientieren: 1. Demonstration am Modell, 2. Demonstration in der Mundhöhle und mittels Handspiegel, 3. Gemeinsames „Üben“ in der Mundhöhle der Patientin. Beschränken Sie sich bei der ersten Instruktion auf maximal 3 Empfehlungen (Beispiele): 1. Zahnbürste (Handzahnbürste oder elektrische), 2. Zahnpasta (bedarfsgerecht wählen), 3. Interdentalpflege (anpassen, demonstrieren und „üben“). Aufgrund der vorliegenden Gelenkprobleme im Bereich der Hände entscheide ich mich für den Einsatz einer Handzahnbürste mit Griffverstärkung und für Interdentalbürsten mit Daumenablage (z. B. von TePe, Hamburg). Alternativ ist die Anwendung einer elektrischen Zahnbürste möglich. Das Umsetzen einer rezessionsorientierten Putztechnik erscheint aufgrund der motorischen Einschränkungen im Bereich der Hände der Patientin nur schwer möglich. Um die empfindlichen Zahnhalsbereiche zu minimieren, werden ein weiches Borstenfeld und eine Sensitivzahnpasta empfohlen. Alle professionellen und häuslichen Maßnahmen sollten möglichst patientenverständlich übermittelt werden. Damit Patienten die Zusammenhänge verstehen, ist ein geeignetes Vokabular nötig. Ein Beispiel: Anstatt der Aussage „Es ist eine Gingivitis vorhanden …, das ist schlecht für Sie …, dagegen müssen Sie etwas tun …“, können Sie mit der Formulierung „Das Zahnfleisch ist entzündet …, dagegen werden wir gemeinsam was tun …“, Ihre Patienten viel eher motivieren und zum „Mitmachen“ bewegen.

  • Abb. 2: Durch das Einfärben der Zähne werden Beläge für die Patienten „sichtbar“ gemacht.
  • Abb. 3: Maschinelle und manuelle Entfernung harter und weicher Beläge.
  • Abb. 2: Durch das Einfärben der Zähne werden Beläge für die Patienten „sichtbar“ gemacht.
  • Abb. 3: Maschinelle und manuelle Entfernung harter und weicher Beläge.

  • Abb. 4: Maschinelle und manuelle Entfernung harter und weicher Beläge.
  • Abb. 5: Nach der Entfernung der Beläge folgt eine gründliche Politur.
  • Abb. 4: Maschinelle und manuelle Entfernung harter und weicher Beläge.
  • Abb. 5: Nach der Entfernung der Beläge folgt eine gründliche Politur.

  • Abb. 6:Nach der Entfernung der Beläge folgt eine gründliche Politur.
  • Abb. 7:Nach der Entfernung der Beläge folgt eine gründliche Politur.
  • Abb. 6:Nach der Entfernung der Beläge folgt eine gründliche Politur.
  • Abb. 7:Nach der Entfernung der Beläge folgt eine gründliche Politur.

  • Abb. 8: Auftragen eines Fluoridlacks zur Intensivfluoridierung.
  • Abb. 8: Auftragen eines Fluoridlacks zur Intensivfluoridierung.

Alternierende Fluorid- oder CHX-Lackapplikation zum Behandlungsende

Zum Abschluss der Behandlung trage ich auf alle freiliegenden Zahnflächen eine Intensivfluoridierung z. B. in Form eines Fluoridlackes auf (Abb. 8 u. 9). Nach Möglichkeit wähle ich hierbei Präparate mit einem guten Geschmack. So verlässt meine Patientin die Praxis mit einem guten Mundgefühl und behält die Prophylaxebehandlung positiv in Erinnerung. Verhaltenshinweise, beispielsweise das Verzichten auf Essen oder Trinken für die kommenden 30-60 Minuten, begründe ich mit dem davon ausgehenden Nutzen: „Der Schutzlack benötigt etwas Zeit, um gut einwirken zu können – das ist gut für Ihre Zähne!“

Verabschieden und Festlegen des Recall-Intervalls

Auch das Verabschieden will gelernt sein: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, daher können Sie zum Ende der Prophylaxesitzung mit einem kleinen Give-away punkten. Wenn Sie Zahnpflegeartikel weitergeben möchten, ist es sinnvoll, diese auf die intraorale Situation Ihres Patienten abzustimmen und mit einem Praxislogo (z. B. Aufkleber, Visitenkarte) zu versehen, um sich später wieder in Erinnerung zu rufen.

Fazit

Ältere Patienten stellen in der Zahnarztpraxis stets eine besondere Patientengruppe dar. Daher sollten Sie immer aufgeschlossen und gut geschult sein, um gezielt auf jeden Patiententyp eingehen zu können. Empathie, Geduld, eine gute Arbeitsplatzvorbereitung und auch das dafür nötige Zeitmanagement werden Ihnen helfen, auch bei Ihren älteren Patienten Prophylaxebehandlungen erfolgreich durchzuführen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabrina Dogan

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabrina Dogan