Prophylaxe


„Darf es mehr sein?“ – „Ja, bitte!“

Mit jedem neuen Patienten bekommen wir auch neue orale Behandlungsvoraussetzungen, denen wir erfolgreich und kompetent begegnen müssen: Es gibt Patienten mit massivem Zahnstein, mit vielen Konkrementen, mit besonderen anatomischen Strukturen, Patienten, die alle zehn Wochen zum Recall kommen möchten oder müssen oder deren Biofilmmanagement uns wirklich fordert. Allen diesen Aufgaben kann ein einziges Instrument nicht gewachsen sein. Häufig gönnen wir uns bzw. unseren Patienten nicht eine auf sie abgestimmte Auswahl an Inserts mit dem Argument, diese sei „zu schwierig“ oder gar „zu kostenintensiv“.

Cavitron® bietet mithilfe des Insert Use Guide eine sehr übersichtliche und klar verständliche Darstellung, mit welchem Insert bei welcher Indikation sich das beste Behandlungsergebnis erzielen lässt (Abb. 1). Die Verwendung von mehreren Inserts in der Praxis amortisiert sich sehr schnell. Denn mit den auf die Patienten abgestimmten Inserts lässt sich schneller, effizienter und ergonomischer behandeln. Der Verschleiß der Instrumente lässt sich ebenso verringern, wenn man sie ihrer Bestimmung nach einsetzt.

  • Abb. 1: Übersicht der verschiedenen Cavitron® Spezialinstrumente.
  • Abb. 1: Übersicht der verschiedenen Cavitron® Spezialinstrumente.

Das Arbeiten mit verschiedenen Formen von Inserts ist vergleichbar mit dem Einsatz unterschiedlicher Küretten oder Scaler. Auch dort arbeitet man mit einem Instrumentarium, das auf die Belagsituation und die anatomischen Verhältnisse des Patienten eingeht. Niemals würde man Konkremente in einer Taschentiefe von 4 mm mit einem H6/H7-Scaler entfernen. Dort greift man ja auch zu einer auf die Zahnform abgestimmten Kürette. In der Behandlung mit Ultrasonic Scaling sollte und kann man ebenso verfahren. Wir unterscheiden im Behandlungsverlauf zwei unterschiedliche Instrumentierungsphasen:

  • Das Scaling: Die Grobentfernung von mittelstarken bis starken Konkrementen; dort sind Standardeinsätze indiziert.
  • Das Débridement: Die Entfernung von leichteren Konkrementen, Biofilm und Endotoxinen; dort sind SlimLINE-/modifizierte Einsätze indiziert.

Welches Insert für welche Indikation?

Die Grobeinteilung ist nur der erste Schritt bei der Auswahl des richtigen Inserts und bestimmt, ob es effektiver ist, ein Standard- oder ein SlimLINEInstrument zu wählen. Die anatomischen Strukturen und die Zahnstellung des Patienten bestimmen dann innerhalb dieser Instrumentengruppen die Auswahl, welches Insert sich am besten für die Behandlung eignet. Die verschiedenen Cavitron® Inserts mit ihren Indikationen ermöglichen es, alle Flächen der Zähne in einem optimalen Winkel zu bearbeiten.

PowerLINE Inserts

Die PowerLINE Inserts eignen sich zur Grobentfernung von mittelstarken bis starken Konkrementen und Zahnstein mit rundem Querschnitt im supragingivalen Bereich. Das einfach gebogene Insert wurde für die Entfernung von leichten bis mittleren Belägen entwickelt, das zweifach gebogene Insert für den Einsatz bei moderaten oder starken Zahnsteinablagerungen und das dreifach gebogene erleichtert den Zugang zu lingualen bzw. palatinalen Zahnflächen. Ebenfalls in die Reihe der PowerLINE Inserts gehört der sogenannte Biberschwanz: Er dient zum Entfernen von sehr grobem Zahnstein oder massiven Überhängen.

SlimLINE Inserts

Mit den SlimLINE Inserts lassen sich leichte Konkremente, Biofilm und Endotoxine entfernen (Abb. 2). Dies geschieht bereits bei geringer Leistung. Die SlimLINE-Instrumente gibt es in gerade, dreifach gebogen sowie links- und rechtswinklig gebogen. Die Biegung verbessert die Adaption an die Konturen des Zahnes und die Furkationen. Das einfach gebogene Insert ermöglicht einen guten Tiefenzugang und das dreifach gebogene bietet eine deutlich verbesserte Interproximalanpassung. Die verschiedenen Insert-Formen sind notwendig, da zur Entfernung des Biofilms die aktive Spitze die Oberfläche des Zahnes berühren muss.

  • Abb. 2: SlimLINE an Wurzel.
  • Abb. 3: Das Spezialinstrument Cavitron® THINsert in der Anwendung.
  • Abb. 2: SlimLINE an Wurzel.
  • Abb. 3: Das Spezialinstrument Cavitron® THINsert in der Anwendung.

THINsert

Das THINsert ist deutlich – 40 % – dünner als das SlimLINE, gerade und erlaubt so eine maximale Zugänglichkeit bei straffem Gewebe, Approximalflächen und bei engen Wurzelabständen (Abb. 3). Ich benutze es auch nach jeder Reinigung und bei jedem Débridement zum Abschluss der Behandlung. Durch die Taktilität der feinen Spitze lassen sich sehr gut auch noch kleinste Konkremente ertasten und da das THINsert auf allen Leistungsstufen einsetzbar ist, können diese dann auch sofort ohne einen erneuten Instrumentenwechsel entfernt werden.

SofTip

Der Cavitron® SofTip ist zur sanften Entfernung von weichen Belägen und Konkrementen an Implantaten sowie Abutments konzipiert worden. So lassen sich auch die Vorteile von Irrigation und Acoustic Microstreaming bei der Reinigung von Implantaten nutzen. Ebenfalls eignet er sich hervorragend zur schonenden Reinigung von Vollkeramikversorgungen.

Bei den Cavitron® Geräten lässt sich die Amplitude, also die Leistungseinstellung, sehr einfach über einen Drehknopf regeln (Abb. 4). Geringere Leistung bedeutet kürzere, schwächere Hübe; eine höhere Leistung bedeutet längere, stärkere Hübe. In der Behandlung mit Ultraschall-Scaling genügen mittlere bis geringe Leistungen, da höhere Leistungen weder mehr Konkremente entfernen noch für ein besseres klinisches Ergebnis sorgen.

  • Abb. 4: Cavitron® JET Plus.

  • Abb. 4: Cavitron® JET Plus.

Für ein konstant gutes klinisches Ergebnis sorgt eine regelmäßige Kontrolle der Abnutzung der Instrumente, denn Abnutzung verringert die Effektivität. Cavitron® bietet Messkarten an, mit denen die Arbeitslängen der Inserts benutzerfreundlich bestimmt werden können.

Zusammenfassung

Ein vollständiger Pool von Inserts bietet also nicht nur ein auf den Patienten abgestimmtes Ultrasonic Scaling, sondern ist auch der richtige Weg, um sehr materialschonend zu arbeiten. In der Grobentfernung von Zahnstein ist die Nutzung des Biberschwanzes oder eines PowerLINE Inserts schnell und effektiv, während ein SlimLINE-Instrument dort wesentlich länger und umso belastender für den Patienten sowie das Material arbeiten müsste. Ein SlimLINE Insert wiederum kann einfach, sicher und problemlos die subgingivalen anatomischen Strukturen aufgreifen, während ein weniger auf die Anatomie abgestimmtes Instrument zu größeren Belastungen für den Patienten und zu einer weniger ergonomischen Arbeitshaltung des Behandlers führen würde.

 

 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Susanne Steindam


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