Prophylaxe


Burn-out-Prophylaxe

© Dieter Schütz/pixelio.de
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Burn-out wird ein immer wichtigerer Begriff in unserer Arbeitswelt. Gerade helfende Berufe sind gefährdet. In einer Zahnarztpraxis betrifft dies sowohl den Zahnarzt als auch die Mitarbeiter. Burn-out als Zustand der emotionalen und körperlichen Erschöpfung wird einerseits auf der individuellen Ebene beleuchtet, andererseits sind die Abläufe im Betrieb zu reflektieren. Auf der individuellen Ebene sind sowohl die Belastung am Arbeitsplatz als auch private Faktoren zu erfassen. Auf der betrieblichen Seite sind Arbeitsabläufe zu hinterfragen und Verbesserungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Burn-out hat sein physiologisches Korrelat in einer pathologischen Veränderung der Neurotransmitter und des Cortisolsystems. Hier können Psychopharmaka hilfreich sein. Beim Vollbild des Burn-outs ist zusätzlich eine spezielle Psychotherapie, evtl. in einer Burn-out-Klinik, nötig.

Gerade helfende Berufe sind gefährdet, an einem Burn-out zu erkranken. Nach mehreren Untersuchungen kann der Prozentsatz in diesem Bereich bei 20 % und mehr liegen [1–5]. Umso wichtiger ist es, sich mit diesem Krankheitsbild auseinanderzusetzen. Wenn ein Mensch ausgebrannt ist, verursacht dieser Zustand einerseits persönliches und familiäres Leid, andererseits sind die finanziellen Folgen für den Betrieb und die Gesellschaft enorm.

Unter den vielen verschiedenen Definitionen [6] soll hier die treffendste ausgewählt werden: Burn-out bezeichnet den Zustand einer körperlichen und emotionalen Erschöpfung, meist verbunden mit einer Selbstentfremdung (Depersonalisation) und einer Leistungsunzufriedenheit. Die Selbstentfremdung der betroffenen Person kann sich in Distanziertheit, Gefühlskälte, aber auch Zynismus äußern und ist meist verknüpft mit einer verminderten Leistungsfähigkeit. Der Zusammenbruch des Selbstbildes ist oft mit schweren Depressionen und Verzweiflung verbunden.

Historie

Den Begriff Burn-out beschrieb Freudenberg 1974 wissenschaftlich, gefolgt von der Sozialpsychologin Christina Maslach 1976. Das Phänomen war schon früher bekannt. Thomas Mann hat z.B. in den „Buddenbrooks“ den langsamen Kräfteschwund des strahlenden Thomas Buddenbrook in allen Facetten festgehalten, Graham Greene nahm in seinem Roman „A Burnt-Out Case“ sogar den Namen vorweg.

Entstehung

Freudenberger beschreibt eine Spirale, die in mehreren Stufen zum Vollbild der Krankheit führt. Er zeigt eine mögliche Entwicklung, die hier zum besseren Verständnis beschrieben werden soll, obwohl sie nur eine von vielen Varianten ist. Am Anfang stehen besonders engagierte und pflichtbewusste Menschen. Gefährdet ist, wer sich selbst oder jemandem anderen etwas beweisen will. Dies kann an einer besonderen Leistungsbetonung in der Erziehung liegen oder in einer Abwertung durch einen Elternteil. Gefährdet sind auch Perfektionisten, besonders Ehrgeizige oder Idealistische. Auch die in der Kindheit vermittelte Botschaft, dass man sich ganz in den Dienst einer Sache zu stellen habe, kann eine wichtige Rolle spielen. Entscheidend ist allerdings die Summe aller Belastungen, die auf einen Menschen einwirken.

In der zweiten Stufe dieser Spirale kommt es zu einem verstärkten Einsatz. Man ist besonders engagiert und wichtig, kann Aufgaben schlecht delegieren, möchte alles selber machen. Weil die Bedeutung der Arbeit immer mehr in den Vordergrund rückt, werden eigene Bedürfnisse immer mehr vernachlässigt. Ruhebedürfnisse werden negiert, man hat nicht einmal mehr die Zeit, aufs Klo zu gehen, es kommt zu einer Umschichtung von Prioritäten. Alles wird dem Diktat der Arbeit unterstellt. Familiäre Beziehungen werden vertröstet, Freunde spielen eine geringere oder keine Rolle mehr, einst wichtige Hobbys werden vom Terminkalender gestrichen, weil keine Zeit dafür bleibt. Auch der Suchtaspekt darf nicht unterschätzt werden: Einerseits besteht eine Arbeitssucht, andererseits wird durch Aufputschmittel wie Kaffee oder Nikotin die Leistungsfähigkeit gesteigert. Da in dieser Phase oft schon Schlafstörungen auftreten, wird Alkohol gerne als schlaffördernde Substanz eingesetzt. Unangenehme Körpersensationen werden oft mit Spirituosen „weggespült“. Nachfolgend auftretende Konflikte werden verdrängt. Die Betroffenen sind Argumenten von Ehepartnern oder Familie, von Freunden und Mitarbeitern schlecht zugänglich. Später kommt es zu unterschiedlichen Verhaltensveränderungen. Die Reaktionsweisen können von ungeduldig, aggressiv, zynisch, distanziert, abwertend bis hin zu ängstlich und depressiv gehen. Der Betroffene beginnt selbst sein eigenes Tun zu hinterfragen. Plötzlich wird alles sinnlos und leer. Der Spaß an der Aufgabe ist schon längst erloschen. Man spürt in Bezug auf die eigene Person eine Entfremdung, eine Depersonalisation. Die Betroffenen schildern, dass sie sich wie in einer Röhre empfinden. Sie sind nicht in der Lage, Schönes zu erleben. Die innere Seelenlandschaft gleicht einer verdorrten Gegend, ohne Leben, ohne Farbe. Oft sind diese Zustände mit schweren Depressionen verknüpft, mit dem Gefühl der völligen Erschöpfung. Im Verlauf dieses Krankheitsgeschehens sind meist auch körperliche Symptome zu erkennen. Im Prinzip können alle Organe und Organsysteme betroffen sein: Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Herzrasen, Atemnot, Schwindelgefühle, weiche Knie bis hin zu Gangstörungen, Ticks, Sensibilitätsstörungen, Zucken und Reißen in den Gliedmaßen, Bluthochdruck, Muskelverspannungen mit entsprechenden Schmerzen im Rücken, aber auch Kopfschmerzen und Sexualstörungen. Das erste Warnsignal sind meist die Schlafstörungen.

Burn-out und Stress

Der Begründer der modernen Stressforschung, Hans Selye, unterscheidet zwischen Eustress und Dysstress. Stress muss also nicht unbedingt krank machen, im Gegenteil: Bei richtiger Dosierung erhält er gesund, lebendig, neugierig und kreativ. Dieser gesundmachende Eustress wirkt sich nicht nur psychisch im Sinne einer positiven subjektiven Befindlichkeit aus. Er wirkt auch körperlich. In genauen Untersuchungen des Hirnstoffwechsels zeigte sich, dass unter Eustress die Nervenzellen besser durchblutet sind und neue Verästelungen ausbilden. Auch die Synapsen vermehren sich, die Gedächtnisleistung verbessert sich und auch die Sexualfunktion wird positiv beeinflusst. Auf der biochemischen Ebene bedeutet dies, dass die notwendigen Neurotransmitter (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin etc.) in ausreichendem Maß produziert werden und die Herausforderung des Eustresses einen positiven Anreiz zu deren Produktion darstellt.

Von Dysstress sprechen wir dagegen, wenn ein Missverhältnis zwischen den gestellten Anforderungen und der vorhandenen Kraft und Problemlösungsbereitschaft entsteht. Es führt zu einer chronisch überfordernden und daher krankmachenden Situation. Man unterscheidet dabei zwei Phasen: In der Kompensationsphase werden vermehrt Neurotransmitter ausgeschüttet, zusätzlich schaltet der Organismus ein zweites Hormonsystem dazu: das Cortisolsystem. Der Körper erkennt den relativen Mangel an Neurotransmittern und versucht, durch eine erhöhte Cortisolausschüttung eine Linderung zu erreichen. Mit der zugeschalteten Unterstützung durch das Cortisol ist dann auch tatsächlich über eine gewisse Zeit noch eine erhöhte Leistungsfähigkeit möglich. Auf Dauer gesehen macht diese Konstellation jedoch krank. Die lange Erhöhung des Cortisolspiegels bedeutet eine zunehmende Verminderung der ZNS-Durchblutung, eine Abnahme der Synapsen und ein Zurückbilden der Nervenfortsätze. Auch das Immunsystem wird negativ beeinflusst, wodurch man zu Infektionen neigt. In der zunehmenden Überforderung verliert der Betroffene die Freude an der Herausforderung. Er gerät in einen Erschöpfungszustand, der sich sowohl psychisch als auch körperlich zeigt. Alles ist mühsam, zäh, anstrengend. Lustlosigkeit und Versagensängste verbinden sich mit körperlicher Schwäche und Antriebslosigkeit. Im schweren Erschöpfungszustand, bei andauerndem Dysstress, entsteht ein hormoneller Mangelzustand auf allen Ebenen, sowohl bei den Neurotransmittern als auch beim Cortisol. Da dieses Hormon neben der Schmerzlinderung auch eine Entzündungshemmung bewirkt, kann dieser Mangel unspezifische Entzündungen und Schmerzzustände auslösen [7].

Burn-out, „Ausgebranntsein“, bedeutet einen Mangel an Neurotransmittern

Es sind damit dieselben Symptome beschreibbar wie bei der Depression. Im ausgeprägten Stadium des Burn-outs ist nur anhand der Entstehungsanalyse und des Verlaufs eine Unterscheidung zu treffen. Burn-out ist keine Hauptdiagnose im Diagnoseschlüssel. In der Behandlung und der Abrechnung mit der Sozialversicherung wird daher meist die Depression diagnostiziert.

Das Serotoninmangel-Syndrom (Noradrenalin-, Dopaminmangel)

1. Müdigkeit und Antriebslosigkeit: Alle Aktivitäten werden zur Qual. Früher selbstverständliche Dinge türmen sich als unüberwindbare Hürden vor dem geistigen Auge auf. Alles ist zäh und träge. Einfachste Aufgaben können nicht mehr bewältigt werden. Eine geregelte Arbeit ist nicht möglich. Selbst kleine Aufgaben (Blumen gießen, Post holen) werden zur Belastung.

2. Schlafstörungen: Die Neurotransmitter bewirken nicht nur die aufgehellte Stimmung, sondern auch das Abschalten und Entspannen beim Einschlafen. Oft klagen Betroffene über Einschlafstörungen und viel zu frühes Aufwachen, dem dann wieder der Zustand des Grübelns folgt. Ihre Gedanken drehen sich erneut im Kreis.

3. Schmerzen: Es kann sich um konstante Schmerzen im Nacken oder Kreuz, aber auch um „wandernde“ Schmerzen handeln: Einmal ist die rechte Schulter betroffen, dann das linke Knie, später der Magen. Frauen können über Unterbauchschmerzen klagen, Männer über Missempfindungen im Bereich der Prostata. Der Serotoninmangel kann auch Schmerzzustände in der Herzregion bewirken und Symptome wie Druck auf der Brust, Atemnot usw. auslösen.

4. Verlust der Libido: Sex bereitet plötzlich keine Freude mehr. Das Bedürfnis danach geht still und heimlich verloren. Da das innerliche Gefühl grau geworden ist, passt sexuelle Betätigung einfach nicht mehr in den Alltag der Betroffenen.

5. Konzentrationsstörungen: Dieses Symptom ist für die Betroffenen mindestens so irritierend wie die bisher beschriebenen. Im Serotoninmangel-Syndrom verselbstständigen sich die Gedanken als Ausdruck des unbewussten Grübelns. Man liest beispielsweise einen Absatz in der Zeitung, ohne dessen Inhalt zu erfassen. Dieser Zustand stellt natürlich für den Selbstwert eine äußerst starke Belastung dar und führt oft zur Annahme einer schweren demenziellen Erkrankung. All diese Symptome sind durch moderne Antidepressiva, die den Serotonin-, Noradrenalin- oder Dopaminhaushalt positiv beeinflussen, gut zu behandeln.

6. Depression: Natürlich kann ein Neurotransmittermangel auch zur Depression führen, die durch eine gedrückte Stimmung bis hin zu Verzweiflungszuständen gekennzeichnet ist. Alles erscheint grau, die Betroffenen glauben, ihr Leben nicht mehr bewältigen zu können, Sinn- und Hoffnungslosigkeit machen sich breit. Und obwohl ihnen klar ist, dass die grüblerischen Negativspiralen zu keinem Ziel führen, können sie sich dagegen nicht mehr wehren. Die schwarzen Gedanken führen sozusagen ein Eigenleben. Bei Männern führt der Serotoninmangel manchmal zu anderen Symptomen als bei Frauen! Männer sind dann gereizter, nervöser, unwilliger, aber auch aggressiver. Oft sind damit auch vegetative Erscheinungen verknüpft: etwa Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen, Sehstörungen. Das Selbstwertgefühl wird dabei herabgesetzt. Depressive können oft die eigene Position nicht mehr richtig einschätzen. Sie fühlen sich wertlos und glauben nicht mehr, dass andere Menschen Zuneigung, Wärme oder Liebe empfinden können [8].

Burn-out in der zahnärztlichen Praxis

In zahnärztlichen Praxen sind dieselben Phänomene zu beachten wie in größeren Firmen. Wichtig ist die Beachtung der Grundschritte: 1. Problemwahrnehmung, 2. Problemanalyse, 3. gemeinsame Problembewältigung. Die Grundhaltung sollte sein, dass es nicht um die Suche nach einem Schuldigen geht, sondern um die Problembeseitigung.

In der Analyse eines Betriebes sind mehrere Bereiche zu beachten [9].

  1. Arbeitsanforderungen
  2. Organisatorische Rahmenbedingungen
  3. Perspektiven am Arbeitsplatz (Erfolg, Anerkennung guter Arbeitsleistungen). Gibt es Rückmeldungen über die Qualität der Arbeit, gibt es Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten oder Sorgen um die Arbeitsplätze? Fühlen sich die Mitarbeiter ausreichend informiert über betriebliche Angelegenheiten?
  4. Handlungsspielraum: Gibt es die Möglichkeit, mit Kollegen und Vorgesetzten Problemlösungen zu erarbeiten? Lässt die Tätigkeit Spielräume und Selbstbestimmung zu oder gibt es Überlastung durch ein streng vorgegebenes Arbeitstempo oder Zeit- und Termindruck?
  5. Soziales Klima: Gibt es Diskriminierungen und Benachteiligungen? Ist das Verhältnis zwischen Beschäftigen und Vorgesetzten gespannt? Ist die Stimmung zwischen den Beschäftigten gereizt? Gibt es in der Kollegenschaft gegenseitige Unterstützung bei Problemen am Arbeitsplatz? Ist das allgemeine Betriebsklima gut? [9]

Prophylaxe

Die durch die Arbeit verursachte psychische Belastung ist erkennbar, analysierbar und positiv zu beeinflussen. Ein Leitfaden für Arbeitgeber zur Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz sei hier besonders erwähnt und empfohlen [10]. Dort gibt es Tipps, wie Sie

  • die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz fördern,
  • Stressursachen und psychische Probleme verstehen und ihnen vorbeugen,
  • Arbeitnehmer mit psychischen Problemen unterstützen.

Genauso wie körperliche Erkrankungen können auch psychische Gesundheitsprobleme jeden treffen, ohne Rücksicht auf Alter und Herkunft. Sie treten bei ca. 1/4 der europäischen Bevölkerung auf [11]. Die am meisten verbreiteten Formen sind Depressionen und Ängste.

Die Folgekosten psychischer Probleme sind enorm: Der durch sie verursachte Produktivitätsverlust ist wahrscheinlich höher als bei anderen Beeinträchtigungen. Die Förderung der psychischen Gesundheit senkt also auch die Kosten eines Unternehmens! Die institutionelle Verankerung solcher Maßnahmen sollte auch in jeder Zahnarztpraxis möglich sein:

  • laufend Stresssignale beachten,
  • regelmäßige Teamsitzungen abhalten, um Stress und psychische Gesundheitsprobleme zu diskutieren und einen transparenten Zeitplan für Verbesserungen zu entwickeln,
  • Arbeitsbelastung und psychische Gesundheit in jährlichen Leistungsinterviews diskutieren (z.B. Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungsgespräche),
  • Engagement in der Gesundheitsförderung unterstützen [10].
Problemlösen

Der häufigste Fehler beim Auftauchen eines Problems besteht darin, dass reflektorisch eine emotionale Reaktion entsteht: Wut, Angst, Gereiztheit. Damit wird aber das Problem nicht gelöst, sondern angeheizt – der Konflikt droht zu eskalieren. Der zweithäufigste Fehler besteht darin, sich über das Problem zu stellen. Damit signalisiert man, dass nur aufgrund der Unfähigkeit der anderen das Problem so groß werden konnte. Ist man selbst direkt in das Problem involviert, so gibt es auch hier falsche Reaktionen: Man schiebt alle Schuld dem anderen zu, der sich natürlich genauso reflexartig dagegen wehrt und die Schuld wieder zurückweist.

Das Wissensgebiet der Mediation beschäftigt sich vorwiegend mit Strategien der Konfliktlösung. Dieses Wissen sollte jedoch nicht den Spezialisten vorbehalten sein. Jeder sollte sich diese Fähigkeiten zur Steuerung von Zufriedenheit aneignen [8].

Entscheidend ist das Beachten der verschiedenen Bedürfnisebenen:

Existenzielle Ebene
Botschaft: Wir freuen uns, dass Du da bist, dass es Dich gibt. Der Mensch, sei es Zahnarzt, Assistent oder anderer Mitarbeiter, sollte ein prinzipielles Gefühl der Freude über den anderen entwickeln und empfinden. Nicht nur die Leistung zählt, sondern die prinzipielle Freude über die Existenz der anderen.

Versorgungsebene
Botschaft: Wir achten gegenseitig darauf, dass es uns gut geht. Wenn wir nach dem Prinzip vorgehen, stärkt dies die Kohärenz und das Vertrauen im Team. Wichtig ist, dass auch immer die Patienten mit einbezogen sind. Der Patient darf nie zum Feind werden, auch nicht in einem gestressten Alltag.

Die offene Kommunikation
Botschaft: Wir suchen die Begegnung und das Gespräch, bemühen uns um eine direkte und offene Kommunikation, vermeiden Geheimnistuereien und Ausgrenzungen. Wir sind freundlich und hilfsbereit. Eine wesentliche Grundvoraussetzung zur Vermeidung von Konflikten besteht in der Beachtung der Regeln der offenen Kommunikation, anderenfalls wird ein wesentlicher Teil der Arbeitszeit zum Austauschen von Spekulationen, Sorgen und Gerüchten aufgewendet. Es ist für einen Leiter sinnvoll, die Mitarbeiter über laufende Entwicklungen verlässlich zu informieren. Im Sinne der offenen Kommunikation soll es möglich sein, sich über Arbeitsbelastungen auszutauschen. Wenn eine Mitarbeiterin z.B. Sorgen in der Familie hat, sollte das Team darüber Bescheid wissen, weil nur dann Verständnis und Unterstützung möglich sind. Auch das offene Feedback darf nicht zu kurz kommen. Sowohl Lob als auch Mitgefühl sollten möglich sein.

Wissensebene
Botschaft: Wir legen auf Wissensvermittlung und Information großen Wert und sind uns der Bedeutung von Orientiertsein und Wissenserwerb bewusst. Wir halten uns über alle medizinischen Erkenntnisse auf dem Laufenden, wir erklären den Sinn einzelner Untersuchungen, wir stellen uns auf das Wissensniveau unseres Gesprächspartners ein. Wir unterrichten einander über die Patienten. Besonders bei Neueinsteigern in eine Zahnarztpraxis ist es wichtig, solches Wissen zu vermitteln, da sonst ein Praxisschock entsteht und damit der Boden für ein Burn-out-Syndrom gelegt wird [12].

Ethische Ebene
In den letzten Erkenntnissen wird immer klarer, dass dieser Bereich eine entscheidende Rolle spielt [13]. Es geht um die Gerechtigkeit, das Bemühen nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln und um die ethische Strahlkraft nach außen.

Prophylaxe im Betrieb

Das gesamte Team sollte sich mit dem Thema psychische Gesundheitsförderung auseinandersetzen und ggf. an solchen Programmen gemeinsam teilnehmen, in denen es auch um diese Dinge geht:
• Vorbeugung von Stressfaktoren,
• Unterstützung von Kollegen mit psychischen Gesundheitsproblemen,
• Entwickeln effektiver Strategien, um Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu integrieren und (weiterhin) zu beschäftigen [10].

Es gibt auch eine individuelle Verantwortung in der Prophylaxe:

  1. Bewusst erkennen, was mir gut tut, was meine Batterie wieder auflädt, was mich glücklich macht. Beziehungen leben und pflegen. Familie und Freunde, Hobbys, Sport, Musizieren. Freizeit soll die Anforderungen des Berufslebens ausgleichen. Es ist ein Mythos zu glauben, dass man nach einem Arbeitstag erholt nach Hause kommen kann.
  2. Die eigene Belastung und Belastbarkeit kommunizieren, also auch die Belastungen aus dem privaten Bereich, die denen am Arbeitsplatz zuzurechnen sind.
  3. Sich so abgrenzen können, dass Verständnis entsteht.
  4. Den eigenen Standpunkt vertreten, ohne Schuldgefühle zu entwickeln.
Zwei Bilder zur Prophylaxe

Die Stresswaage ist ein wunderschönes Bild, wie das innere Gleichgewicht wieder herstellbar ist: Normalerweise bilanzieren wir unbewusst, wie viel Belastendes wir im Laufe eines Tages erlebten und wie viel Erfreuliches wir dem gegenüberstellen müssen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Wir bedürfen dann also der Entspannung beispielsweise durch Musik, Abwechslung, ein gutes Essen oder einen spannenden Film, um die Stresswaage wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Normalerweise machen wir das unbewusst. Bei Menschen, die sich in der Burn-out-Spirale befinden, ist dieser Mechanismus meist gestört. Durch übermäßigen Leistungsanspruch, mangelndes Selbstwertgefühl, überbordenden Ehrgeiz und die Tendenz, sich für andere aufopfern zu wollen, entstehen hauptsächlich Belastungen. Die Notwendigkeit des positiven Ausgleichs wird ignoriert. Für Betroffene ist die folgende Übung ein richtiges Training. Sie können sicher problemlos die Belastungen des Lebens aufzählen: was ihnen Sorgen bereitet, was sie nicht können, wie grässlich sie sich innerlich fühlen. Sie sind jedoch kaum in der Lage, positive Dinge in ihrem Leben zu benennen. Insofern ist diese Übung für jeden von uns eine Standortbestimmung und kann gut als Prophylaxe eingesetzt werden. Die Idee ist, nun den geschilderten unbewussten Mechanismus bewusst einzusetzen. Versuchen Sie, die belastenden, kränkenden und verletzenden Aspekte des Lebens auf die eine Seite der Waage zu legen. Danach legen Sie alle positiven Dinge in die andere Waagschale: Ihre guten Beziehungen zu Menschen, die Sie trösten und lieben, die Lebensfreude und die vielen schönen Erlebnisse. Machen Sie diese „Übung“ so lange, bis die positive Waagschale deutlich schwerer wiegt. Nehmen Sie sich Zeit, um schriftlich festzuhalten, wie viele Dinge pro Tag Sie ärgern und deshalb belasten und welche Dinge Ihnen Freude bereiten und Sie damit entlasten. Mit positiver und negativer Energie muss geradeso wie mit Geld umgegangen werden. Auch dabei kommen wir nicht umhin, eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu machen, um uns vor Überschuldung zu schützen. So logisch diese Vorgehensweise in finanziellen Dingen ist, so wenig bewusst ist uns, dass wir mit der psychischen Energie ganz ähnlich verfahren müssen [7].

Ich habe diese Übung in vielen Seminaren durchgeführt und dabei festgestellt, dass interessanterweise der Wunsch nach Rückzug, nach Alleinsein, nach Natur, nach einer Badewanne, nach Musik im Vordergrund steht. Erst in zweiter Linie, also wenn schon ein gewisses Maß an positiver Energie erreicht ist, wünscht man sich das Zusammensein mit anderen. Erst dann werden Aktivität, Abwechslung, Sport und der intime Austausch positiv erlebt.

Das zweite Bild ist „der Seelengarten“. Sie können sich die Seele als Garten vorstellen, für den nur Sie allein zuständig sind. Sie gestalten ihn so, dass er für Sie zum Wohlfühlort wird. Um für die Stürme des Lebens gerüstet zu sein, ist es aber auch notwendig, diesen Ort zu schützen, also einen Zaun zu errichten und mit dessen Hilfe belastende Dinge fernzuhalten und sich so zu schützen.

Behandlungsmöglichkeiten

Je früher psychische Gesundheitsprobleme eines Mitarbeiters bemerkt werden, desto besser ist es für alle Betroffenen und desto früher können Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die sind je nach den Bedürfnissen der Person und der Art des Arbeitsplatzes unterschiedlich: ein Wechsel oder eine Reduzierung der Arbeit, flexible Arbeitszeiten, eine schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz, flexible Pausengestaltung etc. Wenn Arbeitnehmer aufgrund psychischer Beeinträchtigungen dem Arbeitsplatz fernbleiben, sollten Sie mit dem Betroffenen vereinbaren, was Sie den Kollegen hinsichtlich seiner Abwesenheit mitteilen. Das ist und bleibt ein sensibler Bereich. Für viele Menschen ist es unangenehm, darüber mit Kollegen bei der Rückkehr in das Unternehmen sprechen zu müssen. Es ist ratsam, während der Abwesenheit Kontakt zu halten, denn Isolation – egal ob kurz oder lang – kann den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erheblich erschweren. Entwickeln Sie eine Strategie, wo und wann die Betroffenen den Arbeitsplatz inoffiziell besuchen können, bevor sie tatsächlich zur Arbeit zurückkehren [10].

Die Behandlung eines ausgeprägten Burn-out-Syndroms ist meist ein komplexes und aufwendiges Verfahren. Umso wichtiger ist es, dass die entsprechende Prophylaxe zur Betriebskultur gehört. Die Therapie sollte in den Händen eines Facharztes liegen. Beim Krankheitsbild des Burn-outs sind zwei Ebenen zu beachten. Auf der Ebene des Betriebes ist es notwendig, die Anteile, die der Arbeitsbereich zur Entstehung beigetragen hat, zu erkennen, zu analysieren und zu verändern.

Auf der individuellen Ebene ist der medikamentöse und psychotherapeutische Ansatz zu verfolgen. Medikamentös steht der Ausgleich der Neurotransmitter durch Antidepressiva im Vordergrund. Damit können auch die Ein- und Durchschlafstörungen gut behandelt werden. Auf der Ebene der Psychotherapie wird ein Verständnis erarbeitet, wie es zum Burn-out kam und welche Gegenmaßnahmen zu ergreifen sind. Auch Stress- und Zeitmanagement werden eine Rolle spielen. Es ist sinnvoll, die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder das autogene Training zu erlernen. Manchmal wird auch eine stationäre Behandlung sinnvoll sein. Spezialisierte Burn-out-Kliniken geben hier wichtige Hilfen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prim. Dr. Manfred Stelzig

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prim. Dr. Manfred Stelzig


Die Oberflächenpolitur als ein fester Bestandteil der Prophylaxe-Sitzung wird immer wieder thematisiert. Auch aufgrund der neuartigen Materialien, Mechanismen und Möglichkeiten kommt bei Prophylaxe-Profis häufig die Frage auf: „Ist eine abschließende Politur der Zahnoberflächen überhaupt noch sinnvoll & erforderlich?“

Anne Bastek und Sabrina Dogan geben Tipps aus der Praxis für die Praxis!

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