Prophylaxe

Handinstrumente, (Ultra-)Schall und Pulverstrahltechnik richtig anwenden

Biofilmmanagement – so geht’s!

Abb. 1: „Mikro-Mini-Five“-, „Mini-Five“- und Standard-Gracey-Küretten. Zu beachten ist auch der längere 1er-Schaft der grazileren Versionen.
Abb. 1: „Mikro-Mini-Five“-, „Mini-Five“- und Standard-Gracey-Küretten. Zu beachten ist auch der längere 1er-Schaft der grazileren Versionen.

Innovationen im Bereich der Handinstrumente sowie der maschinellen Systeme haben zu einer Verbesserung der professionellen Betreuung im Hinblick auf Gewebeschonung und Ergonomie geführt. Hinzu kommt die rasante Entwicklung der Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräte mit der Einführung spezieller Pulver für das subgingivale Arbeiten. Im vorliegenden Beitrag werden die verschiedenen Verfahren der Biofilmentfernung vorgestellt, ihre Vor- und Nachteile diskutiert sowie praktische Tipps zur korrekten Anwendung gegeben. Dabei liegt der Fokus auf Maßnahmen zur Entfernung des subgingivalen Biofilms bzw. fest anhaftender mineralisierter Auflagerungen, was für einen langfristigen Therapieerfolg parodontaler Erkrankungen unerlässlich ist.

Effizientes Biofilmmanagement ist der entscheidende Erfolgsfaktor zur Prävention, Therapie und Nachsorge biofilminduzierter Erkrankungen wie Karies, Parodontitis und Periimplantitis. Insofern gilt auch der alte Leitsatz: „Ein sauberer Zahn wird nicht krank!“ Tatsächlich gilt als unumstritten, dass regelmäßige und gründliche mechanische Plaqueentfernung der Schlüssel zur langfristigen Gesunderhaltung der Zähne und des Zahnhalteapparates ist, häuslich wie auch professionell z.B. bei Patienten in der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT). Doch es gibt auch ein Zuviel des Guten: Jede Reinigung kann potenziell auch zu Substanzverlusten von gesunden und zu erhaltenden Geweben führen. Gerade bei UPT-Patienten, die regelmäßig und häufig zur Biofilmentfernung vorstellig werden (müssen), ist Vorsicht geboten. Das Biofilmmanagement muss wirkungsvoll und dennoch schonend sein.

Generell unterscheiden wir in der parodontalen Therapie die Entfernung von mineralisierten („festen“) Belägen (Zahnstein/Konkremente) und die Entfernung von weichen Belägen (Plaque/Biofilm). Die Phasen der systematischen Parodontitistherapie unterscheiden sich in ihrem Therapieziel: Ist das Ziel in der Initial- und Therapiephase vor allem die Entfernung von mineralisierten harten Auflagerungen (sub- und supragingival), so muss in der regelmäßig stattfindenden Nachsorge bzw. der unterstützenden Parodontitistherapie vor allem der (subgingivale) Biofilm entfernt werden. Folglich werden für die Initial- und Therapiephase eher invasivere Geräte und Instrumente verwendet als in der parodontalen Nachsorge, in der großer Wert auf eine schonende Instrumentation gelegt werden muss. Fakt ist: Bis heute gibt es zur mechanischen Zerstörung des oralen Biofilms keine entsprechenden, wissenschaftlich fundierten Alternativen [9].

Manuelles Biofilmmangement

Traditionell kommen zur subgingivalen Instrumentierung Gracey-Küretten zum Einsatz, die ca. 1930 vom amerikanischen Parodontologen Clayton Gracey entwickelt wurden. Ursprünglich bezeichnet der Begriff „Kürette“ ein Instrument zur Bearbeitung von Weichgewebe; in der Parodontologie werden Gracey-Küretten jedoch zur Bearbeitung von Wurzeloberflächen angewendet. Bei der subgingivalen Instrumentierung soll ausdrücklich keine übermäßige Bearbeitung der Wurzeloberflächen mit gezielter Zemententfernung oder eine Weichgewebskürettage stattfinden [9]. Diese Forderung erfüllen Gracey-Küretten durch ihr Design. Aufgrund ihrer Angulation und ihrer zahnflächenspezifischen Formgebung ist das gezielte Débridement mit der scharfen Schneidekante möglich, während die gegenüberliegende stumpfe Kante das Weichgewebe nicht unnötig traumatisiert.

Innovationen der letzten Jahre haben zu verbesserten Instrumenten geführt. So sind durch andere Stahlsorten und optimierte Produktionsprozesse (z.B. Hu-Friedy Everedge 2.0) schärfere und langlebigere Instrumente möglich, die erhöhte Standzeiten erlauben und seltener nachgeschärft werden müssen. Grazilere Instrumentenformen wie „Mini-Five“- oder „Mikro-Mini-Five“-Küretten sorgen für eine bessere Zugänglichkeit in komplexen anatomischen Bereichen (Abb. 1). Optimierte Griffformen verbessern die Ergonomie sowie die hygienische Aufbereitung. Es liegen zudem Instrumente mit neuartigen Arbeitsenden mit beidseitig schneidenden Kanten vor (Deppeler Smart Scaling). Diese sollen die Anzahl der zum Débridement nötigen Instrumente reduzieren und trotzdem die Forderung nach Weichgewebsschonung erfüllen.

Vor- und Nachteile von Handinstrumenten

Handinstrumente sind noch lange nicht „aus der Mode“ gekommen. Die korrekte Durchführung dieser Instrumentierungstechnik ist allerdings zeitaufwendig, techniksensitiv und schwer zu erlernen. Zudem ist die Handinstrumentation im Vergleich zu der Anwendung von maschinellen Systemen ermüdend. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass zum Débridement aller Wurzeloberflächen einer Dentition meist eine Reihe unterschiedlicher Instrumente benötigt wird (s.u.), die auch kontinuierlichen Nachschärfens bedürfen [10]. Das Beherrschen der Handinstrumentierung ist jedoch unabdingbar bei der effizienten Durchführung der subgingivalen Belagsentfernung, vor allem in der Initialphase, bei der häufig Konkremente entfernt werden müssen. In der UPT kann das hohe Abtragsverhalten (scharfer) Handinstrumente zu invasiv und damit nachteilig sein. Positiv hervorzuheben ist, dass bei der Handinstrumentation kein Aerosol entsteht und die Instrumente zuverlässig und im Vergleich preisgünstig sind.

Praktische Tipps für die korrekte Anwendung

Griff und Abstützung des Instruments sind sehr wichtig. Es sollte sicher im modifizierten Federhaltergriff geführt werden bei arbeitsnaher stabiler Abstützung, möglichst über den Ringfinger. Aus praktischer Sicht genügt in den meisten Fällen ein reduzierter Gracey-Küretten-Satz, bestehend aus den Küretten 5/6 für die Frontzähne, 7/8 für die Vestibulär- und Oralflächen der Seitenzähne, 11/12 für die Mesialflächen der Seitenzähne sowie 13/14 für die Distalflächen der Seitenzähne (Abb. 2). Für möglichst hohe Effektivität sollten die Instrumente systematisch und überlappend eingesetzt werden. Ein Explorationszug gibt Informationen über Ausmaß und Lokalisation der zu entfernenden mineralisierten Auflagerungen.

  • Abb. 2: Reduzierter Gracey-Küretten-Satz (hier: „Mini-Five“-Instrumente).

  • Abb. 2: Reduzierter Gracey-Küretten-Satz (hier: „Mini-Five“-Instrumente).
    © Rieger

Beim eigentlichen Arbeitszug sollte das Arbeitsende korrekt anguliert sein – die Schneidekante liegt im Winkel von 60 bis 80° an der Wurzeloberfläche, der 1. Schaft der Kürette steht parallel zur Wurzeloberfläche. Das vordere Drittel des Arbeitsendes sollte an die Zahnoberfläche angelegt werden, nicht die Spitze des Arbeitsendes. Eine Hebelbewegung mit kombinierter Handgelenk-Unterarmbewegung vermeidet eine vorzeitige Ermüdung. Die Arbeitszüge laufen meist in vertikaler Richtung ab; eine schräge oder horizontale Zugrichtung kann bei speziellen anatomischen Situationen (z.B. lingual im Molarenbereich) eingesetzt werden. Nach dem Débridement wird die Wurzeloberfläche kontrolliert. Dazu kann die Zahnoberfläche mit dem Luftpüster getrocknet werden. Zahnstein erscheint dann kreidig-weiß; insbesondere supragingivaler Zahnstein ist so gut zu erkennen. Den koronalen Anteil der subgingivalen Wurzeloberfläche kann man ebenfalls optisch nach Abblasen der Gingiva mit dem Luftpüster kontrollieren. In tieferen Regionen sollten Unregelmäßigkeiten mittels feiner Sonde (z.B. Hu-Friedy EXD11/12A7) ertastet werden, wobei es sich differenzialdiagnostisch auch um überstehende Restaurationsränder oder Wurzelresorptionen handeln könnte.

Maschinelles Biofilmmanagement

Verantwortlich für die Funktion von modernen Schall- und Ultraschallgeräten sind Schwingungen, die durch die Frequenz (Maß dafür, wie schnell bei einem periodischen Vorgang die Wiederholungen aufeinander folgen), die Amplitude (hier: Ausmaß der Auslenkung der Arbeitsspitze) und die Schwingungsrichtung (kreisförmig, elliptisch, linear; s.u.) definiert werden [10]. In diesen Parametern unterscheiden sich die unterschiedlichen Systeme, was praktische Konsequenzen hat.

Schallscaler

Schallscaler (auch Airscaler genannt) werden über den Turbinenanschluss mit Druckluft betrieben. Dabei wird durch die einströmende Druckluft ein innenliegender Hohlzylinder im Handstück in Rotation versetzt und die entstehende Schwingung auf das Arbeitsende bzw. die Arbeitsspitze übertragen. Es resultiert eine kreisförmige Schwingung an der Arbeitsspitze mit einer im Vergleich hohen Amplitude von bis zu 1 mm. Bei manchen Schallscalern lässt sich die Amplitude mittels Drehring in 3 Stufen einstellen (z.B. Kavo Sonicflex 2003, 2008: Stufe 1: 120 μm, Stufe 2: 160 μm, Stufe 3: 240 μm), sodass je nach Arbeitsspitze und Indikationsgebiet gezielt gearbeitet werden kann. Die Frequenz liegt bei 2.000 bis 8.000 Hertz (entspricht Wiederholungen pro Sekunde). Aufgrund des kreisförmigen Schwingungsmusters der Arbeitsspitze ist ein Abtrag an der Wurzeloberfläche immer gleich, solange der Anstellwinkel parallel flach gewählt wird, d.h. 0 bis 15°. Wird ein steilerer Anstellwinkel gewählt, so nimmt der Substanzabtrag zu und kann traumatisch werden [5].

Ultraschallscaler

Je nach Art, wie die hochfrequenten Schwingungen der Arbeitsspitzen erzeugt werden, unterscheidet man Ultraschallgeräte mit magnetostriktiver und piezoelektrischer Erzeugung der Schwingungen. Seit kurzer Zeit steht auch ein druckluftbetriebener Ultraschall-Airscaler zur Verfügung.

  • Bei der magnetostriktiven Variante ist ein Bündel aus Metalllamellen fest mit der Arbeitsspitze verbunden. Das Anlegen einer hochfrequenten Wechselspannung an dieses Metalllamellenbündel führt zu einer Übertragung der entstehenden Schwingungen auf die Arbeitsspitze – es kommt zu einem ellipsenförmigen Schwingungsmuster. Die Frequenz liegt mit 18.000 bis 45.000 Hertz wesentlich höher als beim Schallscaler. Die Amplitude dagegen ist wesentlich kleiner und liegt zwischen 10 und 100 μm [10].
  • Das Herzstück der piezoelektrischen Variante ist ein keramischer Ultraschallerzeuger, der ebenfalls einer hochfrequenten Wechselspannung ausgesetzt wird. Die elektrische Energie wird in geradlinige, lineare Schwingungen von 25.000 bis 50.000 Hertz umgewandelt. Die piezoelektrischen Ultraschallgeräte aktivieren ihre Arbeitsspitzen nur in einer Ebene – sie schwingen vor und zurück –, während die magnetostriktiven Geräte alle Flächen des Instrumenteneinsatzes schwingen lassen. Die Amplitude liegt mit 12 bis 72 μm in einem ähnlichen Bereich wie bei der magnetostriktiven Variante [10]. Aufgrund der linearen Bewegungen ist das Abtragsmuster deutlich von Angulation und Anpressdruck abhängig. Ihre Spitzen dürfen keinesfalls gegen die Zahnflächen gestellt werden. Ein falscher Anstellwinkel kann zu sichtbaren Verletzungen der Wurzeloberfläche führen [4].

Vor- und Nachteile von Schall- und Ultraschallscalern

Moderne Schall- und Ultraschallscaler sind aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Sie bringen im Vergleich zu den Handinstrumenten eine erhebliche Arbeitserleichterung mit sich [7]. Eventuell ist auch eine Arbeitsbeschleunigung zu verbuchen. Positiv wirkt sich weiterhin der Spüleffekt durch das Kühlmedium und die damit einhergehende bessere Sicht aus. Auf das zeitaufwendige Schärfen kann verzichtet werden. Dennoch müssen die Spitzen regelmäßig kontrolliert und ersetzt werden: Nur die vorderen 1 bis 2 mm der Spitze sind aktiv am Abtrag beteiligt. Ein Verlust von 2 mm an Länge der Arbeitsspitze kann zu einer Effizienzeinbuße von 50% führen [10]. Vom Hersteller mitgelieferte Prüfkarten erleichtern die Kontrolle der Spitzen.

Nachteilig an den maschinellen Systemen sind die höheren Kosten (Anschaffung, Wartung, Spitzenverschleiß). Außerdem kommt es zu einer Aerosolbildung, insbesondere bei Schallscalern [6]. Dieser Nachteil kann durch die ohnehin notwendige präoperative Antiseptik mit 0,2% CHX-Lösung und das Absaugen mit dem großen Sauger reduziert, aber nicht aufgehoben werden. Bei Infektionspatienten sollte ggf. auf die maschinelle Instrumentation verzichtet werden. Aufgrund möglicher Interaktionen muss laut einer DGZMK-Stellungnahme von der Anwendung von Ultraschallscalern bei Trägern von Herzschrittmachern abgeraten werden. Diese Einschränkung gilt nicht für druckluftbetriebene Schallscaler oder Handinstrumente. Weiterhin sind manche Regionen (z.B. distale Zahnareale der OK-Molaren) besser mit Handinstrumenten zugänglich. Folglich sollten Handinstrumente und Schall- oder Ultraschallinstrumente zeitgemäß kombiniert eingesetzt werden.

Anwendungstipps für die korrekte Arbeitsweise

Bezüglich der korrekten Arbeitsweise ist auch bei den maschinellen Systemen eine richtige Abstütz- und Abhaltetechnik entscheidend. Das Instrument sollte im modifizierten Federhaltergriff geführt werden. Die richtige Absaugtechnik und das Arbeiten mit dem großen Sauger reduzieren die Aerosoldispersion. Für das subgingivale Arbeiten kommen zwei kontrawinkelig gebogene Instrumentenansätze (z.B. Kavo Nr. 61 und 62) zum Einsatz, im Frontbereich erscheint auch ein gerader Ansatz zielführend (z.B. Kavo Nr. 60). Die Spitze wird so ausgewählt, dass die Kurvatur in Richtung der zu bearbeitenden Fläche zeigt (Abb. 3). Der Anpressdruck sollte maximal 0,5 bis 1 N betragen. Die Arbeitsspitze sollte parallel flach zur Wurzeloberfläche (0 bis max. 15°) anguliert werden; dies kann je nach Zugänglichkeit in senkrechter (Abb. 4) oder horizontaler (Abb. 5) Anlagerung erfolgen.

  • Abb. 3: Die Arbeitsspitzen sind richtig angelegt, wenn die Kurvatur des Instrumentes zum zu bearbeitenden Zahn zeigt.
  • Abb. 4: Möglichkeiten der korrekten Spitzenadaptation: Die konvexe Seite des Ansatzes liegt parallel zur Zahnoberfläche und zur Zahnachse an; ein rein punktueller Kontakt der Spitze mit dem Zahn wird vermieden.
  • Abb. 3: Die Arbeitsspitzen sind richtig angelegt, wenn die Kurvatur des Instrumentes zum zu bearbeitenden Zahn zeigt.
  • Abb. 4: Möglichkeiten der korrekten Spitzenadaptation: Die konvexe Seite des Ansatzes liegt parallel zur Zahnoberfläche und zur Zahnachse an; ein rein punktueller Kontakt der Spitze mit dem Zahn wird vermieden.

  • Abb. 5: Außerdem kann die Arbeitsspitze – je nach Zugänglichkeit – schräg bis horizontal in den Approximalraum eingeführt werden. Hierbei muss die Spitze jedoch auch parallel zur zu bearbeitenden Wurzeloberfläche geführt werden, um Oberflächenschäden vorzubeugen.
  • Abb. 5: Außerdem kann die Arbeitsspitze – je nach Zugänglichkeit – schräg bis horizontal in den Approximalraum eingeführt werden. Hierbei muss die Spitze jedoch auch parallel zur zu bearbeitenden Wurzeloberfläche geführt werden, um Oberflächenschäden vorzubeugen.

Wichtig ist auch die Arbeitssystematik: Zu Beginn wird eine sondierartige Bewegung des Arbeitsendes unter minimalem Kraftaufwand und deaktiviertem Gerät zur Erkundung von Morphologie und Dimension der Tasche durchgeführt. Die Zahnflächen werden in imaginäre Säulen unterteilt, dann wird Säule für Säule in serpentinenartigen, überlappenden Bewegungen gereinigt. Alle zu instrumentierenden Zahnflächen müssen systematisch gereinigt werden; tatsächlich ist das „Vergessen“ von Zahnflächen ein häufiger Fehler [8]. Die Schwingung der Instrumente führt zu Wärmebildung, daher ist auf eine ausreichende Wasserkühlung stets zu achten. Die Leistungseinstellung sollte je nach Indikation so niedrig wie möglich gewählt werden.

Durch die lineare Schwingung ist das Einhalten der Parallelität bei piezoelektrischen Geräten erschwert. Bei zu hohem Anpressdruck steigt der Substanzabtrag bei dieser Geräteklasse stark an [4]. Dafür bilden sie weniger Aerosol als Schallscaler [6] und ermöglichen ein „feines“ Arbeiten durch die geringe Amplitude sowie einen höheren Patientenkomfort durch niedrigere Lärmbelastung [1,12]. Schallscaler sind aufgrund des kreisförmigen Schwingungsmusters etwas einfacher zu führen; außerdem führt ein stärkeres Andrücken nur zu einem geringfügig stärkeren Abtrag, was einen Vorteil des Schallscalers gegenüber Ultraschallscalern darstellt. In unserer Praxis kommen Schallscaler in Verbindung mit Handinstrumenten eher in der Initialphase der Parodontitistherapie zum Einsatz, wohingegen piezoelektrische Ultraschallscaler in Verbindung mit Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräten in Form von Kombigeräten eher in der UPT genutzt werden. Eine Kontrolle der Zahn-/Wurzeloberfläche (wie oben beschrieben) sollte in jedem Fall stattfinden.

Maschinelle Biofilmentfernung mit Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräten

Das Prinzip der Luft-Pulver-Wasserstrahl-(LPW-)Technik beruht auf kleinsten Pulverpartikeln (etwa 15 bis 250 μm), die in einer Druckkammer mit Luft vermischt und über ein Handstück zusammen mit Wasser auf die Zahn- und Wurzeloberfläche gestrahlt werden. Es gibt zwei verschiedene Geräteformen: Handgeräte, sogenannte „Handys“, die über den Turbinenanschluss an die Behandlungseinheit angeschlossen werden, und Standgeräte als separate Einheit mit externer Druckluft- und Wasserzufuhr. Die Handgeräte sind flexibel an unterschiedlichen Behandlungseinheiten einsetzbar und in der Anschaffung günstiger. Standgeräte sind den „Handys“ jedoch in mehrfacher Hinsicht überlegen. Sie haben meist eine größere Pulverkammer, grazilere und ergonomischere Handstücke und sind feiner einstellbar (Intensität und Wasserdurchsatz). Weiterhin sinken die laufenden Kosten durch geringeren Pulververbrauch. Vorteilhaft beispielsweise für die UPT sind Kombigeräte, die z.B. Ultraschallscaler und Luft-Pulver-Wasserstrahltechnik kombinieren.

Pulverarten

In den letzten Jahren wurden große Fortschritte im Bereich der Strahlmedien gemacht, die nun auch für die subgingivale Instrumentierung von Zahnoberflächen empfohlen werden können, ohne eine Schädigung des Wurzelzements oder der Gingiva hervorzurufen. Generell bilden Masse, Größe und Härte der Pulverpartikel den wohl entscheidendsten Faktor für den Substanzabtrag [16]. Im Folgenden sollen die gängigsten Pulverarten mit ihren Eigenschaften erläutert werden.

Natriumbikarbonat: Dieses Salz zeichnet sich durch eine relativ große Korngröße von bis zu 250 μm je nach Hersteller aus. Es ist bedingt wasserlöslich und darf aufgrund seiner hohen Abrasivität nur supragingival und nur auf intaktem Schmelz eingesetzt werden. Der Einsatz auf freiliegenden Wurzeloberflächen ist kontraindiziert, da er zu deutlichen Substanzverlusten führen kann [15].

Glycin: Bei Glycin handelt es sich um eine wasserlösliche Aminosäure. Je nach mittlerer Korngröße wird die supragingivale Anwendung (65 μm, „Soft“-Pulver) oder subgingivale Anwendung (25 μm, „Perio“-Pulver) empfohlen [16].

Erythritol: Hierbei handelt es sich um einen Zuckeralkohol mit einer durchschnittlichen Korngröße von geringen 14 μm. Dieser wird für den supra- und subgingivalen Einsatz empfohlen [13]. Erythritol ist nicht kariogen, gut wasserlöslich und beeinflusst nicht den Glukosespiegel.

Trehalose: Bei Trehalose, die 2016 vorgestellt wurde, handelt es sich um ein gut wasserlösliches Disaccharid. Sie ist nicht kariogen und für Diabetiker geeignet [3,14]. Je nach mittlerer Korngröße wird die supragingivale Anwendung (65 μm) oder supra- und subgingivale Anwendung (30 μm) in der UPT empfohlen.

Die 3 letztgenannten Pulver weisen eine wesentlich geringere Abrasivität als die von Natriumbikarbonat auf, somit können sie auf Schmelz, Dentin sowie Restaurationen und je nach mittlerer Korngröße auch subgingival zur Anwendung kommen.

Vor- und Nachteile der Luft-Pulver-Wasserstrahltechnik

Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräte mit niedrigabrasiven und feinkörnigen Pulvern sind eine sehr interessante Alternative zur herkömmlichen subgingivalen Instrumentierung. Sie sind prädestiniert für den Einsatz in der UPT, bei der auf die Schonung der Zahnhartsubstanz großer Wert gelegt werden sollte. Studien zeigen, dass die Biofilmentfernung mindestens gleichwertig wie bei Handinstrumenten oder Ultraschall/Schall gelingt, sogar mit einer Zeitersparnis [11]. Weiterhin sind der Patientenkomfort und somit die Patientenakzeptanz hoch [2]. Allerdings können mit ihnen keine mineralisierten Auflagerungen entfernt werden – dazu werden weiterhin die klassischen Systeme (maschinell/manuell) benötigt. Außerdem entstehen hohe Kosten durch die Anschaffung der Geräte, ihre Wartung und den Pulververbrauch.

Wichtige Anwendungshinweise und Kontraindikationen

Bezüglich der Anwendung sollte der Behandler – wie bei den anderen Therapieverfahren auch – seine persönliche Schutzausrüstung bestehend aus Schutzbrille, lege artis angelegtem Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen tragen. Es ist darauf zu achten, das geeignete Pulver und die passende Geräteeinstellung zu verwenden. Allein durch niedrigabrasive Pulver können Risiken reduziert werden – so kann Natriumbikarbonat-Pulver zu Schädigungen von Dentin- und Wurzeloberflächen [16], zu Erosionen der Gingiva und zur Schädigung von dentalen Restaurationen führen (Abb. 6). In unserer Praxis kommt Natriumbikarbonat-Pulver gar nicht mehr zur Anwendung. Eine sehr seltene Komplikation stellt die Entwicklung eines Luftemphysems im Zusammenhang mit LPW dar.

  • Abb. 6: Freiliegende Dentinareale bei einem langjährigen UPT-Patienten.

  • Abb. 6: Freiliegende Dentinareale bei einem langjährigen UPT-Patienten.
    © Rieger

Kontraindiziert ist die LPW-Technik bei Asthma und schweren Atemwegserkrankungen sowie bei Unverträglichkeit auf einzelne Pulverbestandteile (z.B. CHX, Geschmacksstoffe). Da bei der Anwendung auch Aerosol entsteht, ist die präoperative Antiseptik mit 0,2% CHX-Lösung obligat; dies sollte auch bei vorliegenden Infektionserkrankungen unbedingt berücksichtigt werden. Generell muss die Anamnese regelmäßig aktualisiert werden. Der Patient sollte einen Augenschutz (Schutzbrille) tragen oder die Augen schließen; es können auch spezielle Abdecktücher zum Einsatz kommen.

Bei der supragingivalen Anwendung sollte die Düse von zervikal nach koronal bei einem Arbeitsabstand zwischen 3 bis 5 mm und einem Winkel von meist 30 bis 60° in ständiger Bewegung sowie bei stets folgendem großen Sauger geführt werden. Nach der supragingivalen Anwendung sollte poliert und fluoridiert werden, wobei auf die Politur nach dem Einsatz von sehr feinkörnigen Pulvern wie Erythritol sogar verzichtet werden kann. In jedem Fall ist der Patient darüber zu informieren, dass durch die Reinigung die Speichelschutzschicht vom Zahn temporär entfernt wird – somit besteht ca. 2 bis 3 Stunden nach der Anwendung kein Schutz vor Verfärbungen. Daher sollten Kaffee, Tee, Rotwein etc. gemieden werden.

  • Abb. 7: Spezieller Düsenansatz für die subgingivale Anwendung.

  • Abb. 7: Spezieller Düsenansatz für die subgingivale Anwendung.
    © Rieger

Bei der subgingivalen Anwendung gibt es zwei Optionen: Entweder arbeitet man mit der Standarddüse und richtet sie – nun von koronal nach zervikal – in einem Winkel von ca. 45° in die Tasche oder man nutzt eine spezielle Instrumentennase je nach Herstellerangaben (Abb. 7). Mit der ersten Option ist eine Biofilmentfernung bis zu einer Taschensondierungstiefe von ca. 5 mm möglich, mit der zweiten scheinen bis zu 9 mm erreichbar. Da das Handling der speziellen Instrumentennase eher unpraktisch ist, sollte im Optimalfall in der Initialphase eine Reduktion der Sondierungstiefen auf ≤ 5 mm erreicht werden. Diese Bereiche können dann in der UPT mit den Standarddüsen dekontaminiert werden.

Fazit

Die Zerstörung des Biofilms bzw. die Entfernung von mineralisierten Auflagerungen stellt für die parodontale Initialtherapie und die Nachsorge die entscheidende Maßnahme und Basis für den Therapieerfolg dar. Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sind effektiv und sicher und sollten indikationsbezogen eingesetzt werden. Luft-Pulver-Wasserstrahlgeräte mit niedrigabrasiven Strahlmedien stellen in der UPT aufgrund ihrer substanzschonenden und dennoch wirksamen Arbeitsweise bei hoher Patientenakzeptanz eine gute Alternative dar, sofern kein Zahnstein oder Konkremente entfernt werden müssen. Das ist immer noch die Domäne der „herkömmlichen“ Therapie mit maschinellen Systemen oder Handinstrumenten.

weiterlesen
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Steffen Rieger


Weiterführende Links

> Zur Literaturliste

Das könnte Sie auch interessieren: