Parodontologie


Zehn Jahre PSI

20.05.2014

Abb. 1: Mundspiegel und PA-Sonde (WHO-Sonde).
Abb. 1: Mundspiegel und PA-Sonde (WHO-Sonde).

Der PSI (Parodontal Screening Index) wird in Deutschland zehn Jahre alt. Ein Grund zum Jubeln oder vielleicht auch für Kritik?

Seit 2004 ist der PSI Bestandteil der zahnärztlichen Versorgung und Vorsorge und wird von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Machen wir eine kleine Zeitreise und überlegen, wie der jährliche Check-up beim Zahnarzt vor 2004 aussah. Durch eine gründliche Inspektion mit Sonde und Spiegel hat der Zahnarzt insuffiziente Füllungen und Kronen, Karies oder Auffälligkeiten der Schleimhaut ermittelt. Wir können davon ausgehen, dass in diesem Rahmen auch Parodontitiden mit offensichtlichen Symptomen diagnostiziert wurden. Was jedoch wurde aus weniger auffälligen Befunden? Im günstigen Fall gab es eine etablierte Prophylaxe und der Patient war bereit, keine Kosten zu scheuen, um weiche und harte Beläge entfernen zu lassen. Unzählige Patienten blieben allerdings auf der Strecke, da ihnen entweder keine Prophylaxe angeboten oder deren Notwendigkeit nicht verdeutlicht wurde.

Index als Hilfestellung für die Befunderhebung

  • Abb. 2a u. b: OK- und UK-Sextanten. 1. Sextant: 18–14, 2. Sextant: 13–23, 3. Sextant: 24–28, 4. Sextant: 38–34, 5. Sextant: 33–43, 6. Sextant: 44–48.

  • Abb. 2a u. b: OK- und UK-Sextanten. 1. Sextant: 18–14, 2. Sextant: 13–23, 3. Sextant: 24–28, 4. Sextant: 38–34, 5. Sextant: 33–43, 6. Sextant: 44–48.
Demzufolge war es 2004 ein kluger Entschluss, anderen Ländern zu folgen und mithilfe der Parodontalsonde (WHO-Sonde) den PSI in Deutschland einzuführen (Abb. 1). Die Parodontalsonde zeigt durch ihre Skalierung an, ob der Patient eine Zahnfleischtasche hat und wie tief eine vorhandene Tasche ist. Durch eine winzige Halbkugel am Arbeitsende kann mit einem Fingerspitzengefühl von ca. 25 N (Gewicht von 25 g) eine nahezu schmerzfreie Sondierung ermöglicht werden.

Da die Befunde lokal sehr unterschiedlich sein können, führen wir den PSI in eingeteilten Sextanten durch (Abb. 2a u. b). Man unterscheidet dann in die Codes 0–4:

Wirtschaftlicher Nebeneffekt

Für die Erhebung des PSI der gesetzlich Versicherten steht uns die Abrechnungsposition 04/ BEMA zur Verfügung. Die Erhebung selbst dauert 1–2 Minuten und kann alle zwei Jahre einmal abgerechnet werden. Neben unserer beruflichen und ethischen Pflicht ergibt sich also auch ein wirtschaftlicher Effekt der PSI-Erhebung. Sollte sich durch diese erste Befunderhebung herausstellen, dass der Patient eine Parodontitistherapie benötigt, wird auch diese von den Krankenkassen getragen – wenn auch noch längst nicht so, wie es die Vielzahl der Behandlungsbedürftigen erfordert.

Statistik und Erkenntnisse

Laut Statistischem Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer 2011/2012 [1] wird in keinem anderen europäischen Land so viel Geld für die zahnärztliche Versorgung der gesetzlich Versicherten zur Verfügung gestellt wie in Deutschland. Laut G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss der Ärzte, Zahnärzte ...) aus dem Jahr 2012 [2] haben vermutlich 35 Millionen Menschen eine behandlungsbedürftige Parodontitis. Prof. Dr. Peter Eickholz, Präsident der DGParo, veröffentlichte auf dem Oral-B Symposium im Jahr 2009, dass der PSI in Deutschland nur zehn Millionen Mal abgerechnet wurde [3].

Die CAPP-Datenbank (Periodontal Country Profile) gibt uns Aufschluss über die Häufigkeit und Höhe der Sondierungstiefe parodontal auffälliger Befunde. In Deutschland liegen unsere 15-Jährigen im Mittelfeld. Die Altersgruppen der 34- bis 44-Jährigen und 65- bis 74-Jährigen befinden sich unter den Ländern mit den höchsten Werten. Diese Zahlen, auch wenn sie nur einen ungefähren Wert widerspiegeln, sollten Anlass genug sein, den Ernst der Situation zu überdenken.

Nicht zu vergessen sind unsere Kinder und Jugendlichen, bei denen die Früherkennung ganz weit vorne stehen sollte. Hier können wir durch frühzeitiges Handeln die Etablierung einer Parodontitis oder Entwicklung einer aggressiven Parodontitis vermeiden. Durch eine Steigerung der Individualprophylaxe bei den 6- bis 17-Jährigen ist die Kariesanfälligkeit deutlich gesunken. Wie erklärt sich aber, dass die 15-Jährigen im Mittelfeld der parodontal auffälligen Befunde stehen? Schenken wir einer Gingivitis, auf deren Nährboden eine Parodontitis entstehen kann, zu wenig Aufmerksamkeit? Oder haben wir diese Altersklasse noch nicht ausreichend motivieren können?

Fazit

Solange es den PSI in Deutschland gibt, währt auch meine Tätigkeit als Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin in der Stadt Berlin. Die Erhebung des PSI bietet sich immer beim halbjährlichen oder jährlichen Check-up unserer Patienten an und kann darüber hinaus auch von einer qualifizierten ZMP oder DH im Rahmen der Behandlung ausgeführt werden. Meine Patienten zeigen sich stets sehr aufgeschlossen und interessiert, wenn ich den PSI erhebe und sie über den Gesundheitszustand ihres Zahnfleisches und gegebenenfalls ihren Knochenbefund aufkläre. Darüber hinaus sind wir schließlich nicht nur die Überbringer einer eher schlechten Botschaft, sondern auch die positive Nachricht, dass sich das Zahnfleisch in einem gesunden Zustand befindet, ist für die Betreffenden Grund zur Freude.

Meinen Beobachtungen zufolge erhebt noch längst nicht jeder Zahnarzt regelmäßig den PSI. Die Delegierung des PSI an eine ZMP oder DH ist möglich, schließt aber die Verantwortung des Zahnarztes nicht aus und erfordert außerdem eine sehr gute Kommunikation hinsichtlich der Befunde im Arbeitsteam. Der Zahnarzt ist und bleibt der Behandler, er trägt die Verantwortung gegenüber dem Patienten. Jeder Patient erwartet von seinem Zahnarzt fachliche Kompetenz und Überzeugung. Wird die Beurteilung des Zustandes von Gingiva und Knochen vernachlässigt, fällt uns der Befund früher oder später auf die Füße. Im akuten oder nicht stabilen PA-Befund kann kein Zahnarzt qualitativ gut präparieren oder implantieren. Und es macht keinen guten Eindruck, wenn ein auffälliger Befund nicht vom Zahnarzt „entdeckt“ wurde. Nutzen wir also unsere fachlichen Fähigkeiten und stellen diese unseren Patienten zur Verfügung. Freuen wir uns mit unseren Patienten über ihre gesunden Zähne und unterstützen die betroffenen Patienten bei der Therapie ihrer Parodontitis und leisten einen weiteren Beitrag für den Erhalt ihrer Zähne. Vielleicht sehen die Statistik und die Mundgesundheit unserer Patienten in weiteren zehn Jahren schon ganz anders aus.

 

Literaturliste auf Anfrage unter redaktion(at)spitta.de

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sabine Preuße

Bilder soweit nicht anders deklariert: Sabine Preuße


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