Parodontologie


Parodontitis: Bakterientests erhöhen die Patientenmotivation

03.09.2020

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Jeder zweite Erwachsene in Deutschland leidet unter Parodontitis. In einem schubweise verlaufenden Prozess zerstören Bakterien das Gewebe und die Knochen, die für den Halt der Zähne verantwortlich sind. Eine Parodontitisbehandlung ist unumgänglich. Zur genauen Diagnostik der Parodontits-verursachenden Bakterien dient ein Bakterientest, z.B. der micro-IDent® bzw. micro-Ident® plus von Hain Lifescience.

Für die Diagnose der Erkrankung wird zunächst der Parodontalstatus erhoben, um das Ausmaß und den Fortschritt der Parodontitis feststellen zu können. Dafür ist die Ermittlung des PSI, der Röntgenstatus und eine allgemeine Anamnese wichtig. Anschließend empfehlen die meisten Behandler eine professionelle Zahnreinigung mit Mundhygieneunterweisung.

Dieser Schritt ist entscheidend, denn nur bei einer guten Mundhygiene und einer guten Compliance kann die Parodontitistherapie erfolgreich sein. Bei einigen Patienten ist zur nachhaltigen Reduktion der Parodontitis-verursachenden Bakterien zusätzlich zur instrumentellen Behandlung der Einsatz eines Antibiotikums nötig. Da man mit bloßem Auge nicht erkennen kann, welche Bakterien genau die Infektion hervorrufen, ist es sehr hilfreich, einen Bakterienabstrich für eine mikrobiologische Untersuchung zu nehmen. Nur auf dieser Basis kann man feststellen, welche Bakterien bei dem Patienten vorliegen und ob eine mechanische Therapie ausreicht oder die unterstützende Gabe eines Antibiotikums notwendig ist. Sollte dies der Fall sein, zeigt das Untersuchungsergebnis auch an, welcher Wirkstoff für den jeweiligen Patienten passend ist.

Zielgerichtete Behandlung dank mikrobiologischer Keimbestimmung

Für eine mikrobiologische Analyse setze ich vorzugsweise den micro-IDent® oder den micro-IDent®plus-Test (Hain Lifescience GmbH, Nehren) ein. Bei diesem Anbieter ist nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut empfehlenswert, auch der Service ist sehr gut und umfassend. Das Set für die Probenentnahme, das man auf Anfrage kostenfrei zugesandt bekommt, enthält 5 sterile Papierspitzen, 4 farbcodierte Transportröhrchen, 1 Auftragsformular und einen frankierten Rückumschlag.

Die Probenentnahme ist unkompliziert und wird Schritt für Schritt erklärt. Vor der Probenentnahme sollte die supragingivale Plaque mit einer sterilen Kürette entfernt und danach der Entnahmeort mit einer Watterolle trockengelegt werden. Dann sollten die Papierspitzen möglichst zügig in die Zahnfleischtasche eingebracht, für 10 Sekunden dort belassen und anschließend in die Transportröhrchen gegeben werden. Welche Analyse die richtige ist, hängt von der klinischen Situation des Patienten ab: Eine Poolprobe empfiehlt sich bei einer generalisierten Parodontitis, die Einzelstellen-Analyse mit 1 bis hin zu 4 Stellen ist bei lokalisierten Problemen sinnvoll. Mit dem Basistest, dem micro-IDent®-Test, werden die 5 wichtigsten Parodontitis-Bakterien analysiert, der micro-IDent®plus umfasst wiederum die Bestimmung von allen 11 Markerkeimen.

Nach der Entnahme werden die Transportröhrchen und das ausgefüllte Auftragsformular in die blaue Versandbox gelegt und im beigefügten, vorfrankierten Rückumschlag versendet. Das Ergebnis ist per Post in der Regel innerhalb von 4 Tagen da.

Nimmt man zusätzlich den kostenfreien Service einer Befundübermittlung per E-Mail, Fax oder online in Anspruch, geht es sogar noch schneller. Ich empfehle, den Patienten eine Woche später zu terminieren, um das Ergebnis mit ihm gemeinsam zu besprechen. Alternativ ist dies aber auch beim nächsten anfallenden Termin möglich.

  • Abb.1: Die Ergebnismitteilung des micro-IDent®plus-Tests (Hain Lifescience GmbH, Nehren) zeigt die Keimbelastung des Patienten übersichtlich. Ist eine Unterstützung der instrumentellen Parodontitistherapie durch ein Antibiotikum erforderlich, können die geeigneten Wirkstoffe und Dosierungen der Therapieempfehlung auf der Rückseite entnommen werden.
  • Abb.1: Die Ergebnismitteilung des micro-IDent®plus-Tests (Hain Lifescience GmbH, Nehren) zeigt die Keimbelastung des Patienten übersichtlich. Ist eine Unterstützung der instrumentellen Parodontitistherapie durch ein Antibiotikum erforderlich, können die geeigneten Wirkstoffe und Dosierungen der Therapieempfehlung auf der Rückseite entnommen werden.
    © Hain Lifescience

Die Auswertung des micro-IDent®-Tests ist auch für den Patienten leicht verständlich gestaltet. So wird ihm durch eine farblich hervorgehobene Grafik gezeigt, welche Bakterienstämme – z.B. A. actinomycetemcomitans – in welcher Konzentration vorhanden sind und ob die Einnahme eines Antibiotikums mikrobiologisch sinnvoll ist (Abb. 1). Je nach Zusammensetzung und Menge der nachgewiesenen Bakterien wird eine Empfehlung ausgesprochen, mit welcher Antibiotikatherapie der Patient optimal behandelt werden kann.

Fazit

Meiner Erfahrung nach haben Patienten nach einer Keimbestimmung eine bessere Compliance. Grund dafür ist unter anderem, dass die Patienten so deutlich sehen können, dass sie eine hohe Bakterienbelastung im Mund haben, und dass es ein gemeinsames Ziel sein muss, diese in den Griff zu bekommen. Wenn man 6 Monate nach der Antibiotikatherapie und PA-Behandlung einen Kontrolltest durchführt, sieht der Patient noch einmal, wie erfolgreich (oder nicht) er ist, und wird dadurch erneut zur guten Mitarbeit motiviert. Durch die mikrobiologische Keimbestimmung stärke ich das wichtigste Bindeglied in dieser ganzen Behandlung: den Patienten und sein Engagement in der häuslichen Mundpflege. Nur so ist der Erfolg gesichert.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Sylvia Gabel