Prophylaxe

Mit High-Tech gegen Plaque

Für wen sind Schallzahnbürsten wirklich besser?


Nach wie vor gilt, dass die mechanische Plaqueentfernung durch Zähnebürsten zur Prävention von Karies und Parodontalerkrankungen unabdingbar ist. Schallzahnbürsten sind anderen elektrischen Zahnbürsten und Handzahnbürsten hinsichtlich der Reinigungswirkung nicht per se überlegen, scheinen allerdings zu einer besseren Interdentalraumpflege insbesondere im parodontal geschädigten Gebiss beizutragen. Das Abrasionspotenzial der Schallzahnbürsten auf Hartgewebe ist aufgrund des reduzierten Anpressdrucks geringer als bei Handzahnbürsten, sodass für Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen oder erodierten Dentinoberflächen die Anwendung einer Schallzahnbürste empfehlenswert scheint.

Seit der Markteinführung vor etwa 50 Jahren haben elektrische Zahnbürsten eine beeindruckende Weiterentwicklung erfahren. Neben technischen Verbesserungen spiegelt sich das natürlich auch in steigenden Verkaufszahlen wider. Seit einigen Jahren werden neben rotierend-oszillierenden Zahnbürsten besonders Schallzahnbürsten empfohlen, welche die Plaque auch ohne direkten Zahnkontakt durch dynamische Strömungsaktivitäten entfernen sollen.

Hinsichtlich der Reinigungswirkung verschiedener elektrischer Zahnbürsten konnte in systematischen Übersichtsarbeiten des Cochrane-Institutes festgestellt werden, dass die Anwendung rotierend-oszillierender Zahnbürsten im Vergleich zu Handzahnbürsten zu einer moderaten, aber statistisch signifikant besseren Reduktion von Plaque und Gingivitis führt, während andere elektrische Zahnbürsten den Handzahnbürsten nicht überlegen waren [3, 11]. Die Autoren betonen allerdings, dass die klinische Relevanz der gefunden Unterschiede zwischen Hand- und rotierend-oszillierender Zahnbürste fraglich bleibe. Ferner wurde in dieser Analyse die Reinigungswirkung der verschiedenen elektrischen Zahnbürsten untereinander nicht verglichen. Vor diesem Hintergrund möchten wir hier der Frage nachgehen, ob und inwieweit Schallzahnbürsten sich hinsichtlich der Reinigungswirkung und der Anwendungssicherheit von anderen elektrischen Zahnbürsten unterscheiden und ob es Patientengruppen gibt, die von der Anwendung einer Schallzahnbürste profitieren.

Reinigungswirkung von Schallzahnbürsten

Die meisten Schallzahnbürsten schwingen mit einer Frequenz von 200–300 Hz. Sie sollen dabei hydrodynamische Strömungsaktivitäten erzeugen, die zum Aufreißen und Entfernen des Biofilms führen. Allerdings ist die hydrodynamische Wirkung bei verschiedenen Modellen unterschiedlich stark. In einer aktuellen Metaanalyse zur Reinigungswirkung wurde gezeigt, dass Schallzahnbürsten in Studien mit einem sehr kurzen Untersuchungszeitraum (weniger als drei Monate) eine schlechtere Reinigungswirkung und Gingivitisreduktion aufwiesen als rotierend-oszillierende Zahnbürsten. Dieser Effekt war jedoch in Studien mit einem längeren Untersuchungszeitraum nicht mehr nachweisbar. Der Vergleich aller anderen elektrischen Zahnbürsten (gegenläufige Rotation, zirkuläre Rotation, multidimensionales Bewegungsmuster) mit den o.g. Zahnbürsten und untereinander zeigte keine signifikanten Unterschiede. Aufgrund der großen Heterogenität der in die Untersuchung eingeschlossenen Zahnbürsten und deren Gruppierung hinsichtlich bestimmter Bewegungsmuster kann jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden, dass eventuelle Unterschiede zwischen bestimmten Modellen nicht analysiert wurden [1]. Generell liegen bislang kaum klinische Untersuchungen vor, die überprüft haben, inwieweit bestimmte Patientengruppen (z.B. Patienten mit Rezessionen, erhöhtem Kariesrisiko oder Multiband-Träger) von dem Gebrauch von Schallzahnbürsten profitieren [6, 8, 13].

Schallzahnbürsten sollen durch hydrodynamische Scherkräfte über die Borstenenden hinaus im Interdentalraum oder subgingival Plaque entfernen. Dieses Prinzip konnte jedoch überwiegend in Laborstudien nachgewiesen werden [4, 5]. Der klinische Effekt auf den subgingivalen Biofilm ist nach heutiger Datenlage kaum größer als der herkömmlicher Handzahnbürsten und beschränkt sich allenfalls auf den äußersten subgingivalen Millimeter [19]. Es gibt allerdings Hinweise, dass Schallzahnbürsten Interdentalräume besser erreichen und dort eine bessere Reinigungswirkung erzielen als Hand- und andere elektrische Zahnbürsten [12, 14, 21]. Als positiver Nebeneffekt wird beim Bürsten mit fluoridhaltiger Zahnpasta außerdem eine höhere Fluoridkonzentration in der residualen interproximalen Plaque festgestellt, wenn eine Schallzahnbürste statt einer Handzahnbürste oder einer rotierend-oszillierenden elektrischen Zahnbürste genutzt wird [14]. Diese Beobachtung lässt aber keine Rückschlüsse darauf zu, ob dadurch die Entwicklung von Approximalkaries beeinflusst wird.

Es gibt außerdem Hinweise, dass Schallzahnbürsten im Vergleich zu Handzahnbürsten zu einer effektiveren Taschenreduktion und stärkeren Absenkung der Plaque- und Blutungsindizes an Zahnimplantaten führen [20]. In eine Metaanalyse zur Reinigungswirkung elektrischer Zahnbürsten bei kieferorthopädischen Patienten konnte nur eine einzige Studie einbezogen werden, in der eine Schallzahnbürste verwendet wurde. Zwar zeigte diese eine etwas bessere Reinigungswirkung als die verwendete Handzahnbürste, aber dieses Ergebnis darf nicht überbewertet werden, weil in der Arbeit Vergleiche zu anderen elektrischen Zahnbürsten komplett fehlen [6].

Im parodontal geschädigten Gebiss zeigen eigene klinische Beobachtungen unter Verwendung von Plaquerelevatoren jedoch, dass besonders schallaktivierte, größenreduzierte Interdentalbürsten im

  • Abb. 1: Zugänglichkeit und Reinigungswirkung einer schallgetriebenen Interdentalbürste. a) Klassisches Plaque-Verteilungsmuster bei guter Compliance, aber fehlendem Instrumentarium für den Interdentalraum und den sulkusnahen Bereich. b) Die eingezogenen interdentalen und sulkusnahen Bereiche weisen Plaque auf, die sich mit Plaquerelevatoren gut sichtbar machen lassen. c) Bürsten mit geradem Borstenrelief haben dort keine Zugangsmöglichkeit. d) Schallgetriebene, spitze Interdentalköpfchen erreichen die problematischen Flächen. Durch lokale Kreiselbewegungen wird interdental die Oberfläche komplett erreicht. e) Girlandenförmige Führung der Bürste entlang des Sulkus entfernt die dortige Plaque. f) Zustand nach Demonstration des Reinigungsablaufes (daher ohne Verwendung von Zahnpasta: Teeverfärbungen bleiben, die Plaque ist suffizient entfernt.

  • Abb. 1: Zugänglichkeit und Reinigungswirkung einer schallgetriebenen Interdentalbürste. a) Klassisches Plaque-Verteilungsmuster bei guter Compliance, aber fehlendem Instrumentarium für den Interdentalraum und den sulkusnahen Bereich. b) Die eingezogenen interdentalen und sulkusnahen Bereiche weisen Plaque auf, die sich mit Plaquerelevatoren gut sichtbar machen lassen. c) Bürsten mit geradem Borstenrelief haben dort keine Zugangsmöglichkeit. d) Schallgetriebene, spitze Interdentalköpfchen erreichen die problematischen Flächen. Durch lokale Kreiselbewegungen wird interdental die Oberfläche komplett erreicht. e) Girlandenförmige Führung der Bürste entlang des Sulkus entfernt die dortige Plaque. f) Zustand nach Demonstration des Reinigungsablaufes (daher ohne Verwendung von Zahnpasta: Teeverfärbungen bleiben, die Plaque ist suffizient entfernt.
Interdentalbereich eine sehr überzeugende Reinigungswirkung aufweisen und einen effizienteren Zugang zu den spitzwinkligen, doppelt konvexen Interdentalbereichen („Nischen“) und zum Sulkus erlauben. Damit werden die Bereiche suffizient gereinigt, die selbst nach intensiver Pflege mit klassischen Zahnbürsten mit planem Borstenrelief unerreicht bleiben (Abb. 1). Interdentalraumbürstenköpfe mit rotierend-oszillierender Arbeitsweise stellen hier offenbar keine bessere Alternative dar: Sie entfernen Plaque im Interdentalraum nicht effektiver als normale rotierend-oszillierende Rundkopfbürsten [2, 16].

Der Vollständigkeit halber möchten wir allerdings festhalten, dass die Reinigungswirkung von elektrischen Zahnbürsten und Handzahnbürsten neben verschiedenen anderen Parametern (z.B. Putztechnik, Form und Größe des Bürstkopfes) ganz entscheidend von der Putzdauer abhängig ist. In diesem Zusammenhang konnten Pelka und Mitarbeiter zeigen, dass Schallzahnbürsten bei kurzer Putzdauer (45 s) mehr Plaque entfernen, als es mit manuellen Zahnbürsten möglich ist. Bei längerer Putzdauer verringerte sich dieser Vorteil der Schallzahnbürsten zunehmend [9].

Hart- und Weichgewebeschädigung

Abrasionen der Zahnhartsubstanz werden immer wieder als schädigende Nebenwirkung des Zähnebürstens diskutiert. Grundsätzlich kommt es allerdings beim Bürsten gesunder Zahnhartsubstanz im Rahmen der normalen häuslichen Mundhygiene offenbar zu keinen klinisch relevanten Schädigungen. Im Gegensatz dazu weisen erodierte Zahnoberflächen und Wurzeloberflächen eine reduzierte Abrasionsstabilität auf, sodass exzessives Zähneputzen – insbesondere unmittelbar nach Säurekontakt – zu einer Progression des Defekts führen kann [17]. Die Hartgewebsabrasion ist dabei zwar in erster Linie von der Abrasivität der Zahnpasta abhängig, doch kommt der Zahnbürste dabei ein modifizierender Einfluss zu. Da Schallzahnbürsten mit niedrigerem Anpressdruck verwendet werden als Handzahnbürsten, verursachen sie auf gesundem und auf erodiertem Dentin eine geringere Abrasion. Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen und/oder erodierten Dentinoberflächen kann daher der Gebrauch von Schallzahnbürsten statt manueller Zahnbürsten empfohlen werden [18]. Auch andere elektrische Zahnbürsten scheinen – sofern sie mit geringem Anpressdruck angewendet werden – zu einer geringeren Abrasion auf Dentin zu führen als Handzahnbürsten [15]. Wiederum ist nicht bekannt, ob sich das Abrasionspotenzial von Schallzahnbürsten von denen anderer elektrischen Zahnbürsten unterscheidet.

Hinsichtlich potenzieller Weichgewebeschädigungen wird kontrovers diskutiert, ob und inwieweit überhaupt das Zähnebürsten die Entstehung und Progression von Gingivarezessionen und Gingivaabrasionen beeinflusst. Randomisierte klinische Studien zu dieser Thematik sind rar und zeigen widersprüchliche Ergebnisse [10]. In Untersuchungen über sechs Monate führten im Vergleich zu Handzahnbürsten weder Schallzahnbürsten [7] noch Zahnbürsten mit rotierend-oszillierendem Bewegungsmuster [15] zu signifikant stärkeren Gingivaschädigungen. Ergebnisse aus solchen Kurzzeitstudien scheinen uns allerdings nicht selten mit eigenen klinischen Beobachtungen zur Koinzidenz multipler Rezessionen und der langjährigen Verwendung gewisser rotierend-oszillierender Zahnbürsten zu kollidieren.

Klinische Empfehlung

Einfach zu pflegende Verhältnisse, wie sie bei geschlossenen, regelrechten Zahnreihen bestehen, erfordern den Einsatz elektrischer Zahnbürsten im Allgemeinen und Schallzahnbürsten im Speziellen ganz sicher nicht zwingend: Ein Patient ohne motorisches Handicap, der gut motiviert und instruiert ist, kann der klinischen Erfahrung nach auch mit Handzahnbürsten suffizient reinigen. Anders ist die Situation beispielsweise im parodontal vorgeschädigten Gebiss, das zum einen schwer zu reinigende Nischen im Bereich interdentaler Rezessionen aufweist und zum anderen eines außerordentlich hohen Pflegestandards bedarf: Selbst ein versierter Putzer ist mit einer handelsüblichen Zahnbürste mit planem Borstenrelief nicht in der Lage, Zugang zu den weit offen liegenden interdentalen Bereichen zu erlangen, geschweige denn dort Plaque effizient zu entfernen. Die Verwendung schallgetriebener, spitzer Interdental-Bürstenköpfe erlaubt hier einen einfachen Zugang zu den problematischen Bereichen (Abb. 1). Darüber hinaus stellt die Verwendung von Schallzahnbürsten beim manuell weniger geschickten Patienten eine Vereinfachung dar, um die in der Stillman-Technik geforderte Rüttelbewegung auszuführen. Außerdem scheinen Schallzahnbürsten aufgrund ihrer geringeren Abrasionswirkung für Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen oder erodierten Dentinoberflächen besser geeignet zu sein als Handzahnbürsten.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Annette Wiegand - Dr. Philipp Sahrmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Annette Wiegand , Dr. Philipp Sahrmann


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