Gesellschaften/Verbände

Aktion Zahnfreundlich

Schlaue Köpfe und fitte Zähne dank Schokotrunk

Abb. 1: Aktion Zahnfreundlich in Geburtstagslaune: am Stand der BZÄK; Redner Prof. Dr. Stefan Zimmer.
Abb. 1: Aktion Zahnfreundlich in Geburtstagslaune: am Stand der BZÄK; Redner Prof. Dr. Stefan Zimmer.

Die Aktion Zahnfreundlich e. V. lud auf der IDS im März dieses Jahres gleich zweifach ein: zu einem Empfang am Stand der Bundeszahnärztekammer (Abb. 1) und zu einer Pressekonferenz. Anlass waren der 30. Geburtstag der Aktion Zahnfreundlich und zwei Studien, die Frühstückskakao in der Schule eine ganz erstaunliche Wirkung bescheinigen.

Wie Prof. Dr. Stefan Zimmer, erster Vorsitzender der Aktion Zahnfreundlich e. V. und Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke, in seiner Begrüßungsrede auf der Pressekonferenz (Abb. 2) verlauten ließ, wurde die Aktion Zahnfreundlich – die gewissermaßen sein Patenkind ist – nicht weit von der Kölner Messe geboren. Sie erblickte am 16. September 1985 „als zweites Kind einer mittlerweile großen Familie“ im Zahnärztehaus in Köln das Licht der Welt. Nur drei Jahre zuvor war die erste Aktion Zahnfreundlich in der Schweiz an den Start gegangen. Bekanntlich mit dem Ziel, die Bevölkerung über die Rolle des Zuckers bei der Kariesentstehung aufzuklären und auf nicht kariogene Alternativen zu süßen Lebensmitteln hinzuweisen. Vor diesem Hintergrund könnte man erwarten, dass Kakao auf der „schwarzen Liste“ der Aktion Zahnfreundlich steht. Aber so ist das nicht. Prof. Zimmer und Gesundheitswissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Günter Eissing zeigten anhand ihrer gerade abgeschlossenen Studien [1, 2], dass ein gesundes Frühstück mit einem Schokotrunk einerseits die mentale Leistung von Schulkindern signifikant verbessert und andererseits, dass dieses Frühstück – trotz des Zuckers im Kakao – den Zähnen nicht mehr, sondern sogar weniger schadet als ein entsprechendes Frühstück mit Mineralwasser. Also hält ein ausgewogenes Frühstück mit Kakao Kopf und Zähne fit.

Gut für die Schulleistung

Welchen Einfluss besitzen einzelne Lebensmittel auf die geistige Leistungsfähigkeit von Schülern? Dieser Frage ging ein Team an der TU Dortmund unter der Leitung von Prof. Eissing in einer Untersuchung an vier Dortmunder Grundschulen nach. Insgesamt nahmen 420 Schüler der dritten und vierten Klassen teil. Dabei wurden folgende Lebensmittel untersucht:

  1. Ein ausgewogenes Frühstück (Vollkornbrot mit Käseoder Geflügelwurstbelag, Obst und Gemüse, Milch oder Schokomilch, Mineralwasser)
  2. Obst und Gemüse (100 g, bestehend aus Banane, Apfel und Cherry-Tomate)
  3. Schokomilch (250 ml mit 1,5 % Fettgehalt)
  4. Studentenfutter (50 g, bestehend aus Rosinen und verschiedenen Nussarten)

Die Untersuchungen wurden in drei aufeinanderfolgenden Wochen durchgeführt. Sie begannen in der ersten Woche mit einer Einführung, in den nachfolgenden beiden Wochen fanden die Tests in unterschiedlicher Reihenfolge im nüchternen Zustand oder mit dem Verzehr der Testlebensmittel statt. Gegessen wurde in der ersten großen Pause. In der vierten Unterrichtsstunde schlossen sich dann zwei Tests an: KAI, ein Kurztest zur „allgemeinen Intelligenz“ und der Konzentrationstest KT 3-4.

  • Abb. 2: Auf der IDS-Pressekonferenz: Prof. Günter Eissing (links) und Prof. Stefan Zimmer präsentieren ihre Ergebnisse.

  • Abb. 2: Auf der IDS-Pressekonferenz: Prof. Günter Eissing (links) und Prof. Stefan Zimmer präsentieren ihre Ergebnisse.

Die Ergebnisse beider Tests zeigten gegenüber dem nüchternen Zustand eine signifikante Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit, wenn die Schüler Schokomilch getrunken hatten. Dies war auch der Fall, wenn die Schüler zu Hause bereits gefrühstückt hatten. Eine signifikante Verbesserung ergab sich auch bei dem ausgewogenen Frühstück. Dass die Frühstücksqualität in Zusammenhang mit der geistigen Leistung steht, hatte bereits eine frühere Untersuchung von Prof. Eissing ergeben [3]. Neu ist jetzt die Erkenntnis, dass weder der Verzehr von Obst und Gemüse (100 g) die geistige Leistungsfähigkeit steigerte noch das Studentenfutter signifikante Verbesserungen der Testergebnisse herbeiführte. Beim Studentenfutter trat überraschenderweise das Problem auf, dass viele Kinder keine Rosinen gegessen haben – dies führte zu einer Verzerrung. Weshalb unterstützt Kakao das Denken? Ein möglicher Erklärungszusammenhang besteht darin, dass das Gehirn im Verhältnis zum Körper viel Energie verbraucht und diese in Form von Glukose verfügbar sein muss. Eine besonders positive Auswirkung von Kakao auf die geistige Regsamkeit lässt sich wohl auf den – im Vergleich zu reinem Zucker – langsamen, moderaten und dafür ausdauernden Anstieg der Blutzuckerkurve zurückführen und damit auf eine gleichmäßige „Energiezufuhr“. Auf diesen Sachverhalt wiesen die Untersuchungen von Wagner et al. [4] hin, die einen speziellen Kakaotrunk nach der Methodik der WHO untersuchten. Der Blutzuckerwert stieg nach Verzehr des Kakaos auf 120 mg/dl an – gegenüber einem steilen Anstieg auf über 160mg/dl beim Verzehr der entsprechenden Glukosemenge. Der Kakaotrunk bewirkte auch einen geringeren Abfall, sodass der Blutzuckerspiegel nach zwei Stunden noch leicht erhöht war und einen niedrigen GI von 37,4 aufwies, während die Blutzuckerwerte bei reiner Glukose unterhalb des Ausgangsniveaus zurückgehen (Abb. 3). Besorgt, ob man Kakao auch im Sinne der Mundgesundheit Schulkindern empfehlen könne, wandte sich Prof. Eissing an Prof. Zimmer mit der Bitte um eine Klärung. Letzterer veranlasste daraufhin eine Untersuchung zur Fragestellung, welche Rolle ein Schokotrunk im Rahmen eines Frühstücks für die Zahngesundheit spielt. In der Telemetriestation der Universität Witten/Herdecke wurde daraufhin die Kariogenität eines gesunden Schulfrühstücks (Vollkornbrot, Putenbrust, Apfel, Remoulade) mit Mineralwasser mit dem gleichen Frühstück, aber einem zuckerhaltigen Schokotrunk anstelle des Wassers, verglichen

Methodik: Plaque-pH-Messungen

Dabei wurde die übliche Methodik der Telemetriestation der Universität angewendet: Die Azidogenität eines Produkts wird in interdentalen Plaqueablagerungen bestimmt, die mindestens drei Tage alt, aber nicht älter als sieben Tage sind. Die Messung der Säureproduktion in der Zahnplaque wird mittels Messelektroden, die in den Zahnzwischenraum vor dem letzten Zahn reichen, durchgeführt. Die Elektroden müssen mit entsprechenden Puffern (pH 4 und 7) bei Mundtemperatur vor und unmittelbar nach dem Test kalibriert werden. Die Funktion der Plaque-pH-Telemetrie-Apparatur und des Plaquestoffwechsels werden bei jedem Telemetrietest durch Spülen mit 10 ml 0,3 mol/l (10 %) Zuckerlösung oder durch den Verzehr eines zuckerhaltigen Analogons zum Testprodukt bestätigt. Diese positive Kontrolle muss eine klar ersichtliche Wirkung auf die pH-Kurve anzeigen und den PlaquepH auf Werte unter 5 absenken. Nach der 30-minütigen Messperiode nach Einnahme des Testprodukts und vor der Anwendung der positiven Kontrolle muss der PlaquepH durch Spülen mit Wasser oder Kauen von neutralem Paraffin zur Speichelstimulation neutralisiert werden. Die Plaque-pH-Telemetrie-Kurven von Testprodukten resultieren aus mindestens zwei gemessenen pH-Werten pro Minute. Produkte werden als „zahnfreundlich“ betrachtet, wenn durch intraorale Plaque-pH-Telemetrie- Tests am Menschen bewiesen wurde, dass der pHWert der interdentalen Plaque nicht unter 5,7 durch bakterielle Fermentation abgesenkt wird, und zwar weder während des Konsums/der Spülung noch während eines Zeitraums von 30 Minuten nach dem Konsum. Dieser kritische Wert ergibt sich, da es darunter zu einer Demineralisierung kommt, darüber der Speichel für Remineralisierung sorgt.

  • Abb. 3: Verlauf des Blutzuckerspiegels nach dem Verzehr von Glucose und Joe Clever Schoko Drink (GI= 37,4) [4].

  • Abb. 3: Verlauf des Blutzuckerspiegels nach dem Verzehr von Glucose und Joe Clever Schoko Drink (GI= 37,4) [4].
Kakao-Frühstück ist zahngesund

Um herauszufinden, ob Kakao die Kariesgefahr erhöht, erfolgte eine Messung während und nach dem Frühstück, für beide Frühstücksvarianten, also mit bzw. ohne Kakao, jeweils an denselben vier Probanden. Die Messergebnisse wiesen nicht auf eine zusätzliche kariesfördernde Wirkung durch den Schokotrunk hin. Das Gegenteil sei der Fall gewesen, wie Prof. Zimmer auf der Pressekonferenz versicherte: beim Kakao-Frühstück sei insgesamt weniger Säure produziert worden als bei der Kombination Frühstück mit Mineralwasser. Danach ist die Kombination Frühstück mit dem Kakao sogar zahngesünder als die Variante mit Mineralwasser. Prof. Zimmer musste eingestehen: „Wir waren überrascht.“

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dagmar Kromer-Busch

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dagmar Kromer-Busch