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Experten fordern höhere Fluorid-Dosierung in Kinderzahnpasten sowie rasches Handeln bei Zahn- und Kiefertraumata

28.09.2018

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Die Forderung nach einer höheren Fluorid-Dosierung bei Kinderzahnpasten sowie der Appell, bei Unfällen von Kindern und Jugendlichen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sehr rasch zu handeln und darüber hinaus präventiv für eine flächendeckende Bereitstellung von Zahnrettungsboxen zu sorgen, waren die Themen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz dreier zahnmedizinischer Fachgesellschaften am 27. September in Dortmund.

Anlässlich einer Gemeinschaftstagung stellten die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) sowie die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) nähere Fakten dazu vor.

Höhere Fluoridkonzentration in Zahnpasten

Auf neue Empfehlungen für fluoridhaltige Kinderzahnpasten haben sich 12 Experten mehrerer Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden geeinigt. Danach sollen Kinder vom zweiten bis sechsten Geburtstag zweimal täglich ihre Zähne mit einer erbsengroßen Menge einer Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid putzen, wie Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präsident der DGPZM, ausführte. In den beteiligten Ländern wurden für Kinder bis zum sechsten Geburtstag bislang Zahnpasten mit reduzierter Fluoridkonzentration (500 ppm) empfohlen.

Anlass für die Empfehlung war die Tatsache, dass der Kariesrückgang im Milchgebiss im Vergleich zu den bleibenden Zähnen deutlich geringer ausfällt. Außerdem hatten neuere Analysen klinischer Studien gezeigt, dass ein überzeugender Nachweis für die Wirksamkeit von Zahnpasten mit dieser Fluoridkonzentration fehlt. Bereits ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes sollen Kinder bis zum zweiten Geburtstag entweder zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge einer Zahnpasta mit 500 ppm oder mit einer reiskorngroßen Menge einer Zahnpasta mit 1.000 ppm putzen. Die Expertenrunde rief die Industrie dazu auf, die Tuben der Kinderzahnpasten mit kleineren Öffnungen zu versehen und die Viskosität der Produkte so einzustellen, dass eine einfache Portionierung möglich ist.

Zahnrettungsboxen für ausgeschlagene Zähne

Bei Sport-, Freizeit- oder Verkehrsunfällen von Kindern und Jugendlichen sollte die Versorgung von Verletzungen an den Zähnen und zahntragenden Knochenteilen Priorität vor beispielsweise Knochenbrüchen an Armen und Beinen erhalten. Dies sollte bei Kopfverletzungen direkt nach der Abklärung geschehen, ob ein Schädel-Hirntrauma vorliegt, erklärte Dr. Richard Steffen, Vorstandsmitglied der europäischen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (EAPD). Außerdem forderte er die flächendeckende Versorgung an Schulen und Sportanlagen mit der sogenannten Zahnrettungsbox. Diese helfe, Folgeschäden zu mindern oder ganz zu verhindern.

Steffen wies darauf hin, dass gleiche Traumata im Zahn- und Kieferbereich je nach Alter eine unterschiedliche Behandlung benötigen, außerdem spiele der Zeitfaktor hier eine entscheidende Rolle. Je schneller eine traumatische Verletzung der Zähne und des Kiefers nach einem Unfall von kompetenten Zahnmedizinern versorgt werden könnten, desto besser seien die Heilungsaussichten, so Steffen. Unabdingbar sei die flächendeckende Versorgung von Schul- und Sportanlagen mit Zahnrettungsboxen. Werde ein ausgeschlagener Zahn innerhalb von Minuten fachgerecht in einer Zahnrettungsbox gelagert, sei die Überlebens- und Heilchance eines solchen Zahnes dramatisch besser. Allein in Nordrhein-Westfalen kam es laut Auskunft der Unfallkasse NRW in den vergangenen beiden Jahren zu jeweils mehr als 10.000 solcher Unfälle. Hier sah Steffen Schulen und Gemeinden aber auch die gesundheitspolitisch Verantwortlichen sowie Versicherer in der Pflicht. Insgesamt 40.000 Einrichtungen und 40 Städte sind in Deutschland bereits in das Zahnrettungskonzept integriert und verfügen über solche Rettungsboxen, so die für die Verteilung zuständige Organisation


Weitere Informationen:
www.zahnrettungskonzept.info


Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ)

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