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Intensivprophylaxe zur Verhinderung von Karies bei Patienten mit chronischer Parodontitis

Abb. 1: Intraoral zeigten sich undichte Füllungen sowie floride kariöse Läsionen.
Abb. 1: Intraoral zeigten sich undichte Füllungen sowie floride kariöse Läsionen.

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen leidet an einer mittelschweren Form der Parodontitis, der mittlere DMFT-Wert bei Erwachsenen beträgt 14,5 [2]. Einzelne Patienten liegen jedoch weit über diesen Durchschnittswerten und bedürfen einer umso intensiveren Betreuung – auch über eine erfolgreiche Parodontitis- und Kariessanierung hinaus, wie in folgendem Fallbericht aufgezeigt wird.

Befunderhebung und Diagnose

Herr M.R. (40 Jahre) kam an die Wiener Universitätszahnklinik mit der Feststellung, dass seine Zähne lockerer geworden seien und das Zahnfleisch beim Zähneputzen schmerze. Sein letzter Zahnarztbesuch lag sieben Jahre zurück. Ästhetisch war er – erstaunlicherweise – mit dem Erscheinungsbild seiner Zähne zufrieden (Abb. 1). Anamnestisch gab Herr M.R. an, seit 23 Jahren zu rauchen und unter beruflichem Stress zu leiden. Seine Mundhygienegewohnheiten beschränkten sich auf das Verwenden einer Handzahnbürste. Bei der Befundaufnahme betrug der API (Approximal Plaque Index) 100 %, der PBI (Papilla Bleeding Index) 22 %. Neben der bakteriellen Ätiologie – der mikrobiologische Befund ergab bei diesem Patienten ein erhöhtes Vorhandensein von Treponema denticola und Tannerella forsythia – stellen im Allgemeinen Rauchen und Stress wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung einer parodontalen Erkrankung dar [3]. Der DMFT lag bei Herrn M.R. bei 23, die mittlere Sondierungstiefe bei 5,26 mm und der mittlere klinische Attachmentverlust bei 5,43 mm. Insgesamt wiesen 30 Zähne eine Sondierungstiefe ? 5 mm auf. Diagnose: chronische generalisierte Parodontitis gravis et complicata.

Therapie

  • Abb. 2: Kariessanierung während der Parodontitisbehandlung. Generalisierte Raucherbeläge.

  • Abb. 2: Kariessanierung während der Parodontitisbehandlung. Generalisierte Raucherbeläge.
Dem Wiener parodontologischen Behandlungskonzept folgend [1] wurde auf ein intensives Mundhygienetraining geachtet und dabei die Anwendung einer elektrischen Zahnbürste, von Interdentalbürstchen sowie die zusätzliche häusliche Applikation eines fluoridhaltigen Gels aufgrund der hohen Kariesaktivität empfohlen. Dadurch konnten der API auf 22 % und der PBI auf 4 % gesenkt werden. Die Therapie der Parodontitis erfolgte zunächst konservativ sowie adjuvant systemisch antibiotisch nach abgeschlossenem supra- und subgingivalem Débridement. Kariöse Läsionen wurden durch Kompositfüllungen saniert, jedoch störten immer wiederkehrende massive Raucherbeläge das ästhetische Erscheinungsbild (Abb. 2). Okklusale Interferenzen in der Exzentrik wurden durch das nächtliche Tragen von Bruxchecker-Folien verifiziert, um anschließend mediotrusive Balancekontakte zu entfernen (Abb. 3). Eine kieferorthopädische Therapie wie auch eine Schienentherapie wurden seitens des Patienten abgelehnt. Bei Zähnen mit Furkationsbeteiligung kam resektive Parodontalchirurgie zur Anwendung (Abb. 4 u. 5). Bestehende Amalgamfüllungen wurden lediglich poliert, die Zähne 27, 37, 44 und 45 mit Verblendmetallkeramikkronen versehen.
  • Abb. 3: Die Bruxchecker-Folie wurde für zwei Nächte getragen. Dabei wurden Knirschmuster und okklusale Interferenzen sichtbar.
  • Abb. 4: Resektiver parodontalchirurgischer Eingriff bei furkationsbeteiligten Zähnen.
  • Abb. 3: Die Bruxchecker-Folie wurde für zwei Nächte getragen. Dabei wurden Knirschmuster und okklusale Interferenzen sichtbar.
  • Abb. 4: Resektiver parodontalchirurgischer Eingriff bei furkationsbeteiligten Zähnen.

  • Abb. 5: Nach Ostektomie und Osteoplastik wird postoperativ die Gingiva apikaler positioniert. Die dadurch freiliegenden Wurzeloberflächen sind besonders anfällig für Hypersensibilität und Kariesentwicklung.
  • Abb. 5: Nach Ostektomie und Osteoplastik wird postoperativ die Gingiva apikaler positioniert. Die dadurch freiliegenden Wurzeloberflächen sind besonders anfällig für Hypersensibilität und Kariesentwicklung.



Nach abgeschlossener Parodontitistherapie kommt es in der Regel zu weiterer Rezessionsbildung sowie aufgrund durchgeführter resektiver parodontalchirurgischer Maßnahmen zu einem apikaleren Verlauf der Gingiva. Durch die nun freiliegenden Zahnhälse besteht ein vermehrtes Auftreten von Hypersensibilität und im Fall des Patienten M.R. insbesondere ein erhöhtes Risiko der Wurzelkariesbildung [4]. Dieses Risiko lässt sich durch die regelmäßige Applikation von Fluoridlacken (z.B. Fluor Protector S, Ivoclar Vivadent) oder chlorhexidinhaltigen Lacken (z.B. Cervitec® Plus, Ivoclar Vivadent) im parodontalen Recall minimieren.

Nachsorge

Ein Rauchstopp konnte leider nicht erwirkt werden. Nach Empfehlung eines Nikotinersatzpräparates gab M.R. an, noch viel mehr geraucht zu haben. Dadurch zeichnete sich das sanierte Gebiss bei der Reevaluation und bei jedem Recall durch massivste Raucherbeläge aus, die nur mittels spezieller Polierpasten zu entfernen waren. Hier empfiehlt sich die Anwendung von Polierpasten mit etwas erhöhtem RDA-Wert (z.B. 83), eine Feinpolitur ist jedoch in jedem Fall notwendig (z.B. sind Proxyt® Prophylaxepasten von Ivoclar Vivadent in unterschiedlichen Abrasionsgraden erhältlich). Nach Neubeurteilung der Sondierungstiefen drei Monate nach erfolgter resektiver Parodontalchirurgie im ersten, dritten und vierten Sextanten wurde die definitive restaurative Versorgung durchgeführt.

  • Abb. 6: Regelmäßige Applikation eines fluoridhaltigen Lackes im Recall.

  • Abb. 6: Regelmäßige Applikation eines fluoridhaltigen Lackes im Recall.
Bei Patienten mit abgeschlossener Parodontitistherapie ist ein regelmäßiger Recall essenziell für die Stabilität der erzielten Ergebnisse. Im vorliegenden Fall wurde ein Recallintervall von drei Monaten gewählt. Dabei spielt neben der supragingivalen Reinigung und Politur die Fluoridierung mit einem Schutzlack eine wesentliche Rolle zur Verhinderung einer erneuten erhöhten Kariesaktivität (Abb. 6), welcher auch zu Hause in Form von regelmäßiger Applikation von fluoridhaltigen Gelen entgegengewirkt wird.


Originalartikel erschienen unter: Hady Hairian: Intensivprophylaxe zur Verhinderung von Karies bei Patienten mit chronischer Parodontitis. Stomatologie 110/7-8:, 81–82 (2013). Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Springer-Verlag GmbH.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Hady Haririan M.Sc.

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Hady Haririan M.Sc.


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