Ästhetik


Visuelle vs. digitale Farbbestimmung – welche Methode liefert zuverlässigere Ergebnisse?

Abb. 1: Mittelwerte und Standardabweichungen der L*a*b-Werte.
Abb. 1: Mittelwerte und Standardabweichungen der L*a*b-Werte.

Im Rahmen dieser Fragestellung ließen die Autoren Zahnfarben visuell von Zahnmedizinstudenten und erfahrenen Klinikern sowie digital mit dem VITA Easyshade bestimmen und verglichen diese Ergebnisse miteinander [1].

Dazu wurden 50 Zahnmedizinstudentinnen der Vorklinik gebeten, die Farbe ihres rechten oder linken mittleren Schneidezahnes konventionell anhand eines VITA-Farbringes zu bestimmen. Sie erhielten keinerlei Einweisung in die Methodik der Farbbestimmung. Die Farbe desselben Zahns wurde danach von drei Klinikern mit unterschiedlichem Erfahrungsniveau erneut bestimmt. Fanden sie unterschiedliche Zahnfarben, wurde ein gemeinsamer Konsens gebildet und sich auf eine Farbe geeinigt. Alle Studienteilnehmer wurden zuvor auf Farbfehlsichtigkeit getestet, um diese Fehlerquelle ausschließen zu können.

Zur visuellen Farbbestimmung wurde der klassische Vitapan-Farbring verwendet, bestehend aus 16 Zahnfarben. Zuvor wurde bei jeder Studienteilnehmerin eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt. Es wurde auf ein neutrales Make-up geachtet und die Farbbestimmung vor einer hellgrauen Wand ohne direkten Tageslichteinfluss durchgeführt. Stattdessen verwendete man eine Tageslichtlampe mit einer Farbtemperatur von 5500 K (CRI 95, Vident, lumenshade light, USA).

Zwischendurch sollten die Probanden auf eine blaue Karte schauen, um eine Überanstrengung der Augen zu vermeiden. Die instrumentelle Farbbestimmung wurde für jeden Zahn dreimal durchgeführt, um das Messergebnis zu überprüfen. Anschließend wurden die Werte (Studentin – Kliniker – Spektralphotometer) miteinander verglichen. Dazu bestimmte man die tatsächliche Zahnfarbe, indem man mit dem Messgerät die L*a*b-Werte des Zahnes bestimmte und zusätzlich jede der 16 möglichen Zahnfarben des VITA-Farbringes ebenfalls vermaß. Diese Werte wurden dann in die bereits bekannte Formel:

eingesetzt und 16 verschiedene ?E berechnet. Die Farbe mit dem geringsten ?E ist diejenige, die derjenigen des Schneidezahnes am nächsten kommt (?Emin).Dieser Farbwert wurde dann wiederum mit den zuvor bestimmten digitalen und visuellen Farbwerten auf folgende Weise verglichen:

?Esp error = ?Esp-?Emin
?Ec error = ?Ec-?Emin
?Es error = ?Es-?Emin

?Esp error: Abweichung der Messung Spektralphotometer
?Esp: berechnet mit den L*a*b-Werten des Spektralphotometers
?Ec error: Abweichung der Messung Kliniker
?Ec: berechnet mit den L*a*b-Werten der Kliniker
?Es error: Abweichung der Messung Studentin
?Es: berechnet mit den L*a*b-Werten der Studentinnen

Über diese Differenz lässt sich dann die Abweichung zu der Farbe, die der des Zahnes am nächsten kommt, quantitativ bestimmen. Das Verfahren mit dem kleinsten ?Eerror stellt das exakteste Farbbestimmungssystem dar.

Ergebnisse

  • Tab. 1: Mittelwerte und Standardabweichung der Farbdifferenzwerte.

  • Tab. 1: Mittelwerte und Standardabweichung der Farbdifferenzwerte.
Über den Vergleich mit den Farben des VITA-Farbringes wurde ?Emin = 4,2 bestimmt. Die spektralphotometrische Farbbestimmung mit ?Esp = 5,0 kam dem kleinsten Farbunterschied ?Emin am nächsten. Die Studentinnen erzielten mit ?Es = 6,5 das schlechteste Ergebnis (Tab. 1, Abb. 1).

Schlussfolgerung

Die instrumentelle Farbbestimmung kam der eigentlichen Zahnfarbe am nächsten. Diese Untersuchung zeigte jedoch auch, dass die Zahnfarbbestimmung stark vom Erfahrungsschatz des Untersuchers abhängt. Verdeutlicht wird dies durch die schlechten Ergebnisse (große ?Eerror) der vorklinischen Studentinnen (Tab. 1). Somit ist die digitale Farbbestimmung insbesondere für Berufseinsteiger eine zuverlässige Alternative.


[1] Alsaleh S et al.: Evaluation of self shade matching ability of dental students using visual and instrumental means. J Dent 40 Suppl 1, e82–e87 (2012)

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Christine Zachriat

Bilder soweit nicht anders deklariert: Christine Zachriat