Ästhetik


Bleaching – Möglichkeiten und Risiken


In unserer heutigen Zeit vermitteln ein strahlendes Lächeln und schöne Zähne gleichermaßen Gesundheit, Wohlbefinden, Schönheit und Zufriedenheit. Sichtbare Verfärbungen der Zähne stören dieses positive Bild und beeinträchtigen nicht nur im Beruf die Erfolgschancen, sondern schränken auch die persönliche Lebensqualität ein. Ursachen für Zahnverfärbungen, die sich durch Bleaching entfernen lassen, können im persönlichen Verhalten liegen, medizinische Gründe haben oder genetisch bedingt sein. Der Autor stellt in einem dreiteiligen Artikel die verschiedenen Methoden, die Produkte, den Nutzen und die Risiken des Bleachens vor.

Externe Faktoren für Zahnverfärbungen können zum Beispiel sein:

  • Alter (Jugendliche haben helle Zähne, dunkle Zähne im Alter)
  • Nahrungsmittel (Rotwein, schwarzer und grüner Tee, Kaffee, Obst, Gemüse, rote Fruchtsäfte, Currygerichte)
  • Tabakkonsum
  • Mangelnde Mundhygiene

Interne Faktoren für Verfärbungen können zum Beispiel sein:

  • Medikamente (Tetrazyklin, Dentalfluorose)
  • Genetische Ursache (Amelogenesis imperfecta)
  • Traumata
  • Amalgam
  • Aktive kariöse Läsionen
  • Fehlerhaft endodontisch behandelte Zähne

Häufig reichen Zähneputzen und professionelle Zahnreinigung nicht aus, um solche Zahnverfärbungen zu entfernen. Viele Patienten scheuen allerdings eine invasive Maßnahme wie Veneers oder Kronen. Die einzige noninvasive Methode zum Aufhellen der Zähne stellt das Bleachen dar.

Risiken, Nutzen und medizinische Aspekte

Beim Bleaching stellt sich gleichermaßen die Frage, wie sicher und effektiv diese Maßnahme ist. Wie schonend ist der Vorgang des Bleachens für Schmelz und Dentin? Eine Studie konnte bereits 1998 zeigen, dass die Wirksamkeit und Sicherheit von Bleaching mit carbamidperoxidhaltigen Gelen hinreichend dokumentiert ist [1]. Weder die unterschiedlichen Konzentrationen (10 % und 15 % Carbamidperoxid) noch die verschiedenen Einwirkzeiten (4 oder 28 Stunden) veränderten die Rauigkeit der Oberfläche (die Oberfläche wurde qualitativ mit dem Rasterelektronenmikroskop an 90 nicht kariösen Unterkieferzähnen an 3 unterschiedlichen Bereichen untersucht).

Bei sachgerechter Anwendung und den richtigen Bleaching-Präparaten sind keine Schädigungen von Schmelz, Dentin und Pulpa oder Gingiva zu erwarten, das heißt Bleaching ist eine nutzbringende Zahnaufhellung bei minimalem Risiko. Tatsächlich scheint am zahnschädlichsten das Abschleifen für Veneers oder Kronen zu sein. Dennoch können reversible Nebenwirkungen auftreten. Vor allem bei unsachgemäßer Anwendung ist mit einer Sensibilität der Zähne, Irritation der Gingiva und eventuell einer Reizung der Rachenschleimhaut zu rechnen. Gerade während und unmittelbar nach einer Bleaching-Behandlung kann durch reaktionsbedingten Feuchtigkeitsentzug aus dem Zahn (Dehydrierung) eine erhöhte Zahnempfindlichkeit auftreten. Durch eine niedrigere Dosierung, eine kürzere Behandlungsdauer und längere Behandlungspausen kann diese Sensibilität meist vermieden werden.

Nach der Behandlung auftretende Zahnempfindlichkeiten klingen meist rasch wieder ab und können mit Kaliumnitratgel (UltraEZ®, Ultradent) oder Fluoridgel (Elmex Gelee®, GABA GmbH) vorbeugend und/oder unterstützend behandelt werden. Am meisten haben sich Kaliumnitratgele bewährt, zum Teil auch vor der Behandlung, um Missempfindungen bereits vorzubeugen. Eine Irritation der Gingiva und der Lippen kann mit entsprechenden Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel OptraGate® für die Lippen (Ivoclar Vivadent GmbH) und OpalDam® (Ultradent) zum Schutz des Zahnfleisches meist sicher vermieden werden. Zusätzlich verwendete und richtig platzierte Watterollen und der Einsatz von zwei Speichelsaugern verhindern, dass es zu Reizungen der Schleimhäute kommt.

Material

Folgende Materialien bewirken ein Bleichen der Zähne:

  • Wasserstoffperoxid
  • Carbamidperoxid (zerfällt in Wasserstoffperoxid und Harnstoff)
  • Natriumperborat (zerfällt in Wasser, Wasserstoffperoxid und Natriumhydrogenborat), eher selten
  • Natriumpercarbonat (zerfällt in Wasserstoffperoxid und Natriumcarbonat), eher selten

Die meisten Bleaching-Materialien enthalten Carbamidperoxid oder Wasserstoffperoxid. Carbamidperoxid zerfällt bei der Reaktion in

  • Abb. 1: Wasserstoffperoxid (H<sub>2</sub>2O<sub>2</sub>) bewirkt die Aufhellung durch einen Oxidations- und Reduktionsprozess.

  • Abb. 1: Wasserstoffperoxid (H22O2) bewirkt die Aufhellung durch einen Oxidations- und Reduktionsprozess.
  • Abb. 2: Beim Bleaching wandeln die Zerfallsprodukte der Peroxide farbige Substanzen im Schmelz und zum Teil im Dentin in farblose Verbindungen um.

  • Abb. 2: Beim Bleaching wandeln die Zerfallsprodukte der Peroxide farbige Substanzen im Schmelz und zum Teil im Dentin in farblose Verbindungen um.
Wasserstoffperoxid und Harnstoff. Harnstoff wird ausgeschieden und ist für die Reaktion nicht relevant.

Wasserstoffperoxid (H2O2) bewirkt die Aufhellung durch einen Oxidations- und Reduktionsprozess, bei dem Wasser (H2O) und ein reaktionsfreudiges Radikal (-O) entsteht (Abb. 1). Das Radikal dringt in die Zahnhartsubstanz ein und oxidiert die oberflächlich am Schmelz sowie die im Schmelz und im Dentin enthaltenen Chromophore/Farbstoffe. Dadurch werden die ungesättigten Doppelbindungen der Chromophore zu farblosen oxidierten Molekülen mit Restfragmenten, das heißt die Zerfallsprodukte der Peroxide (Radikale, Hydroxyl- und Perhydroxylionen) wandeln farbige Substanzen in farblose Verbindungen um. Bei der Reaktion kommt es also zur Verschiebung des Absorptionsmaximums, sie verändert die Wellenlänge und dadurch das für das menschliche Auge wahrnehmbare Licht, in diesem Fall die Farbe (Abb. 2).

Methoden

Vor jeder Behandlung sollten erst die Untersuchung und Diagnose stehen, damit eventuelle Risiken durch aktive Karies, Risse im Schmelz, defekte Füllungsränder, freiliegende Zahnhälse oder Gingivitis und Parodontitis ausgeschlossen werden können. In einem beratenden Gespräch sollten auch eine Schwangerschaft oder Allergien gegen Bestandteile der Bleaching-Gels ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich sollte man bei jedem Bleaching methodisch vorgehen. Nach der Befunderhebung und der Entscheidung, ob ein Bleaching grundsätzlich durchführbar ist, erfolgt die Bestimmung der Zahnfarbe vor dem Bleaching. Die festgestellte Farbe sollte im Behandlungsblatt dokumentiert werden. Zur Dokumentation der Ausgangsfarbe kann auch eine Fotodokumentation erfolgen. Je nach dem welches Bleaching-Verfahren durchgeführt wird, werden dann noch weitere Arbeitsschritte notwendig. Kontrolltermine, um den Verlauf beziehungsweise den Erfolg und die Endfarbe zu dokumentieren, gehören unbedingt dazu.

Unterschiedliche Indikationen erfordern verschiedene Bleaching-Methoden, entweder durch den Zahnarzt (Internes Bleaching, Power-Bleaching) oder selbstständig (Home-Bleaching, To-go-Bleaching).

Internes Bleaching

Hierbei wird ein devitaler Zahn, der sich infolge einer Wurzelkanalbehandlung dunkel verfärbt hat, aufgehellt. Diese Methode eignet sich besonders, um einzelne Zähne zu behandeln. Die Behandlung erfolgt mit einer Einlage im Zahn, die für einen Tag bis eine Woche belassen wird. In der Regel wird dazu 35 % Wasserstoffperoxid in Gelform verwendet (Opalescence Endo 35 %; Ultradent). Der Verlauf bzw. Erfolg der Behandlung ist regelmäßig zu kontrollieren, bis das gewünschte Farbergebnis erreicht ist. Danach wird das eingebrachte Material entfernt und der Zahn wieder verschlossen. Diese Behandlung kann bei Bedarf wiederholt werden.

Power-Bleaching

Diese Methode kommt in der Praxis bei normalen oder stärkeren Verfärbungen zum Einsatz, besonders wenn der Patient ein schnelles Ergebnis wünscht. Sollten Missempfindungen auftreten, kann der Zahnarzt die Behandlung jederzeit und sofort unterbrechen. Nachteilig ist, dass hierbei höhere Konzentrationen des Bleaching-Gels eingesetzt werden, um ein schnelles Ergebnis zu erzielen. Zum Schutz des Zahnfleisches wird erst ein flüssiger Kofferdam am Zahnfleischsaum aufgetragen und ausgehärtet. Danach wird das Bleaching-Gel aufgetragen. Nach der Einwirkzeit wird es vorsichtig entfernt. Es gibt Bleaching-Gels, die den Einsatz von UV-Licht als zusätzliche Maßnahme erfordern. Hierbei fungiert das UV-Licht entweder als Initiator der chemischen Reaktion oder als Wärmequelle, um die Reaktion in Gang zu setzen oder zu beschleunigen. Alle diese Methoden können nach Bedarf sofort wiederholt werden, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wird, soweit keine akuten Missempfindungen auftreten.

Home-Bleaching

Beim Home-Bleaching wirkt tagsüber oder über Nacht eine niedrige Konzentration des Bleaching-Gels in individuell angefertigten Schienen für den Ober- und Unterkiefer. Es ist somit ein sanfteres, aber dadurch auch langwierigeres Bleaching. Der Vorteil ist, dass diese Prozedur immer wieder zu Hause wiederholt werden kann. Das Bleaching-Gel kann beim Zahnarzt nachgekauft werden. Der Nachteil ist, dass die Farbänderung erst nach mehrmaligem Anwenden wahrnehmbar wird. Nachdem die Entscheidung für ein Home-Bleaching gefallen ist, erfolgt die Abformung der Zähne und im Labor werden individuelle Schienen hergestellt. An einem zweiten Termin wird der Sitz der Schienen überprüft und dem Patienten die Handhabung und die Lagerung des Bleaching-Gels ausführlich erläutert. Jeder Patient bekommt zur Information zusammengefasst noch einmal eine schriftliche Verhaltensunterweisung für die Anwendung des Bleaching-Gels mit nach Hause. Bevor der Patient entlassen wird, werden Kontrolltermine vereinbart, um den Verlauf beziehungsweise den Erfolg zu dokumentieren. Nun kann der Patient das Bleaching selbst über Tag oder in der Nacht anwenden.

To-go-Bleaching

Eine kostengünstigere Alternative sind industriell gefertigte Schienen, die auf einer innen liegenden Folie bereits das Bleaching-Gel in einer niedrigen Konzentration enthalten. Die relativ leichte Handhabung sollte vor der häuslichen Anwendung in der Praxis unbedingt erläutert werden, um Missempfindungen und Gingivairritationen möglichst zu vermeiden und auch andere Kontraindikationen, wie insuffiziente Füllungen oder aktive Kariesdefekte, auszuschließen. Und auch bei dieser Bleaching-Methode gehören die Untersuchung sowie die Farbdokumentation vor und nach der Behandlung unbedingt dazu.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in der heutigen Zeit das Bewusstsein für schöne, helle und gesunde Zähne nach wie vor hoch ist. Wenn medizinisch nichts gegen ein Bleaching spricht, stehen mit den vier unterschiedlichen Methoden Möglichkeiten zur Behandlung nahezu jeden ästhetischen Problems zur Verfügung.

 

Literaturliste auf Anfrage unter redaktion(at)spitta.de

weiterlesen
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Steffen G. Tschackert

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Steffen G. Tschackert


Oster- und Frühlingsgrüße mit zuckerfreiem Kaugummi

Patienten zur Osterzeit ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern und Lust auf Prophylaxe machen? Extra-Kaugummi macht’s möglich – im zum Osterfest und Frühlingsstart gestalteten Umschlag mit 3 Leitlinien-Tipps zur Kariesprophylaxe auf der Innenseite.

Alle Ausgaben der Plaque n Care als E-Paper lesen!

++ Die neue Ausgabe ist da! ++